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Jeschurun · 1887-06-23 · Heft 25 (23.6.1887) · p. 393

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 25 (23.6.1887)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1887-06-23
Page
393 (sequence 1)
Language
German
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M 28. 393 Jeschurun Kollektiv-Berichte aus Ungarn.! LVI. ד״ת עניים במקומה ועשירים במקום אחר schrieb uns jüngst ein sehr hervorragender Gelehrter: ״Die תוה״ק t) 1t mit ישראל die Runde durch die Welt gemacht, konstant verblieb sie in keinem Lande, das Studium der Thora blühte bald hier, bald dort, heute hat sie ihre Träger und Pfleger im gesegneten Lande der Magyaren." Ein tiefer Seufzer entrang sich unserer Brust beim Lesen dieser trügerischen Illusion. Allerdings giebt es hier zu Lande noch einige ישיבות, welche von mehr oder weniger בהורים frequcutiit werden, allein wer sich keiner Selbsttäuschung hin geben will, muß cs zugeben, daß in den wenigsten dieser Reiser jene frisch pnlsirende אהבת וחשקת התורה, welche die früheren Frequentanten der ישיבות beseelte, lebt, webt und wirkt. Jede Reminiszenz an die Zeit unseres סמ^^ישיבה erfüllt uns mit banger Wehmuth. Da gab es keine ד׳אמות ohne הלבה. Ans den Wohnstuben der בהורים hallten weithin die trauten Tone jener von keinem Komponisten wicdcrzngcbenden Melodie, welche alle Seiten des jüdischen Herzens so mächtig bewegt. Mit weithin schallender Stimme haben wir den שיעור ״vorgclernt". Auf dem Wege von der Wohnung in die שיעור-Stube gab's rege, geistige Turnübungen. In der Y£vw3־tubc horchten wir lautlos dem Vortrage, den Definitionen unseres רבי, oder ins.zcnirtcn eine lebhafte Kontroverse, welche der Elastizität dcS Geistes sehr zu Statten kam, und so oft wir in späteren Jahren auf der Universität ein Kolloquium gegeben, trat in den Vordergrund unserer Gcdächtnißkammer der פלפול ans der Schinrstnbc, und das Kolloquium schien uns kaum ein Schatten einer halachischen Disscrlation zu sein. — Ja, beim Pitpul glich die ישיבה einem גל של אנזויס, ein Zitat schlug das andere, und das ging so lustig fort, bis der liebreiche Meister als Gencralkritiker das entscheidende Wort ergriff. — Nach dem ,,Schinr" theiltcn wir uns in Gruppen, um die Auseinandersetzungen des רבי zu repetircn oder nach unseren Begriffen weiter zu führen זה בונה הה פותר, mit einer eben vernommenen פברא glaubte dieser wunder gut den רמב״ם nud jener der ר״ן rc. zu verantworten", flugs kanten Andere und rissen mit dem ״Hauche ihres Mundes" erbarmungslos nieder, was diese so eifervoll und freudetrunken ausgebaut, kurz, wir knltivirten in des Wortes vollster Bedeutung die ,תורה שיבעל פר und von jedem einzelnen Lernbeflisscucn בהור konnte ohne Hyperbel gesagt werden לא פפק נירפא מפום יה. — So war es vor noch wcuigcrt Dezennien in Preßburg. Verbo, Szcrdahcly, Szt- Georgen, Szercd, Suräny, Gr. Küroly, Ujhely, N. Szölös, B. Gyarmat, ja selbst in Paks, Gr. Wardein, GyöngyöS rc.; heute sind die meisten dieser renommirten Pflanzstätten gänzlich ausgelassen, und in den wenigen noch vorhandenen oder neu erstandenen, weht (mit geringen Ausnahmen) schon lange nickt der alte Geist. Der Pilpnl entartete gar sehr, das ״Pschätelchen" des Rabbi gilt als עיקר und גפ״ת als מפל, diese traurige Wahnehmung hat uns veranlaßt, in einem unserer ״Kollektiv-Berichte" gegen diese Lehr- und Lcrnmanier energisch zu protestircn. — Als geistige ״Spielerei" leistet die ״Pschätel-Fabrikatioii" vortreffliche Dienste, aber bei schwierigen, halachischen Materien wird man bei dieser Blendlaterne die Wahrheit nicht finden, unsere בהוריפ aber sollen vor Allem aus den רוץ האמת gebracht werden; auf diesem Wege wird sie dann wieder erfassen, ergreifen und durchdringen die השקת הלימור, welche in letzter Zeit leider gar mächtige Einbuße erlitten. Und wie die נריים, so auch die תישים. Früher, wenn zwei רבניפ sich begegneten, da war das zweite Wort ein Stückchen תורה, dieser hat einen ״herben" "רמב״ם, jener eine dunkle und schwierige Stelle in 'תופפו oder רץ oder מהרש״א rc. ״gerechtfertigt". Heute, wenn רבנים einander begegnen, da hört man sie von nichts Anderem sprechen, als von ״Konstituirten" und ״Nichikonstitnirten", von ״Ignaz Reich" und ״Status-quo", ober von ״Matrikcn" und ״Matrikelbezirken". — Und da heißt eS noch: ״in Ungarn wird wie nirgends sonst die תור,"ק gehegt und gepflegt!" Muß da nicht das Herz weinen und bluten? Doch ein noch weit schrecklicheres Jaiitmerbild bietet der verwahrloste Unterricht der zarten Jugend. — Seitdem man den famosen Entschluß faßte, לשם ׳שמים das Kind mit dem Bade anszuschütten, die jüdisch-konfessionelle Schule aufznlasscn und sür Simultanschulen zu plaidiren, giebt es — leider auch orthodoxe — Gemeinden, wo die Mädchen nicht einmal hebräisch lesen, und die Knaben kaum hebräisch lesen lernen. -Und seitdem eine Miliistcrialverfügnng den Lehrern nach Ablauf des ersten WirknngsjahreS das Desiiiitwnm zusichcrt, wird ans den noch vorhandenen jüdisch-konfessionellen Schulen die ״jüdische Konfession" ganz verdrängt. Abgesehen von dem spärlichen und dürftigen hebräischen Unterrichte, gehen die Lehrer den 'מהללי שבת בפרהפי den אוכלי נבלות וטרפות rc. mit dem Beispiele voran. Unter der Parole מי ארק לנו respektiren sie weder Rabbiner noch Vorstand, ״das Gesetz schützt sie", unter dem weiten Faltenmantel dieses Schutzes wächst die Arroganz, die religiöse Ausschreitnng und das N'chtSthun! Wir wollen zngeben, daß in den ältcren Lehrern das Pflichtgefühl noch nicht ganz erstorben und manche unter ihnen sogar eine rühmliche Ausnahme machen,

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