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Jeschurun · 1887-06-16 · Heft 24 (16.6.1887) · p. 373

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 24 (16.6.1887)
Article
Der Bene-Berith Orden
Date
1887-06-16
Page
373 (sequence 2)
Language
German
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373 ist eigentlich der Zweig einer uralten jüdischen Institution, und führen wir hier die Worte derJudenth.- Ztg." an, die das sehr treffend mit den Worten bczeichnete: ״Sie sind nichts Anderes, als die uralten jüdischen Ehcwroth zn wohlthätigcn Zwecken, die sich aus Nachahmungssucht freimanrcrische Allüren und Schnörkelcicn umgehängt haben." Fragen wir aber warum? So glaube ich, daß wir nur ans die Gebnrtsstätte dieses famosen Ordens hinzuwcisen haben, ans Amerika, um uns dies zu erklären. Bekannt.ich gilt dort die Reklame,- und je marktschreierischer eine Ankündigung ist, desto mehr Aussicht hat sic zu reüssircn. Dieses in Verbindung mit der leider von unseren Propheten schon mit den Worten ובילדי נכרים ישפ״קר gegeißelten Nachahlnnngssncht haben nun dieses Geschöpf zur Welt gebracht. Wenn es nun dieser Humbug nur wäre, der daran auszusctzen ist, so könnten wir die paar Narrheiten des wohlthätigcn Zweckes halber uns vielleicht gefallen lassen. Aber vergessen wir nicht den Grundsatz unserer Weisen: כל היוצא נץ הטמא טטא und wenn man hört, daß I. Wisc*) in Cincinnati und Konsorten dabei Gevattern [tauben, so kann sich doch der wahre Jehudi nicht des Mißtrauens erwehren, was diese Zerstörer und Verderber des jüdischen Glaubens denn uns Gutes bringen wollen nach dem bekannten Spruch tiineo Danaos et dona fen;nte.s. Und so blickt denn auch der Pferdefuß hervor. Es ist nämlich zur Bedingung gemacht, daß nur von allgemeinen fytima* nitärcn Zwecken, bei Leibe aber nicht von religiösen Dingen, geredet werden dürfe. Mit diesem einen Punkte hat diese Vereinigung eigentlich schon den Boden des wahren Judcnlhum verlassen. Unsere Weisen verlangen bekanntlich, daß bei jedem Zusammensein mehrerer Juden der הורה auch das ihr gebührende Recht eingeräumt werde, ja nicht einmal essen sollen wir, ohne der רכרי הורה dabei zu erwähnen. Wenn nun ein jüdischer Verein cs ans seine Fahne schreibt, daß grnndsätzlich alles Religiöse bei seinen Zusammenkünften und Vorträgen ausgeschlossen sei, so hat er etwas sehr Unjüdisches dadurch gethan und gezeigt, wcß Gcistcskind er ist. Denn gerade unser jüdischer Glaube zeichnet sich ja dadurch aus, daß er keinen Unterschied zwischen Moral und Religion kennt, und daß auch alle Handlangen, die aus der Moralität entspringen, wesentlich des religiösen Charakters nicht ermangeln dürfen. Wozu wären in dem Dekalog die letzten fünf Verbote sonst nöthig, die uns der Verstand doch schon lehrt, wenn nicht deshalb, um sic für uns durch den göttlichen Ausspruch zu weihen, und sie als טצוה hinzustellen. *} Uebrigens wundert sich Herr Wisc selbst in Nr. 4‘J der von ihm lieranögegebenen Wochenschrift ״Dcborah", daß Orthodoxe sich für den B.-B.-Orden begeistern, der in Amerika in die Hände von Gnostikern gcrathen ist. Wenn wir also z. B. wohlthätig sind, so sollen wir dies nicht blos thnn, weil uns das Mitleid und unser weiches Herz dazu treibt, sondern in Rücksicht auf den Gesetzgeber Israels, ans den Allmächtigen selbst, dies üben. Daher wurden auch die früheren Vereine הכרא קדישא genannt, eine heilige Vereinigung; daher wurde sehr oft למוד התורה damit verbunden, oft auch eine kleine Synagoge dazu eingerichtet, um zu zeigen, daß man voll und ganz ans dem Boden des JndenthnmS stehe. Wir verlangen aber gar nicht, daß der neue Orden dies thuc, müssen cs aber bitter tadcln, daß er prinzipiell dies ansschlicßt. Darin erblicken wir gerade eine große Gefahr, unb fürchten, daß das Ganze ein listiger coup de. inaiu ist, um durch die Wohlthätigkcit, dies nicht zu unterschätzende Juwel des Erbthcils unseres SlammvatcrS Abraham, die übrigen Pflichten des Jndenthums zu eskamotiren. UnS fällt dabei der Ausspruch des seligen BernayS ein, der einem sich mit seiner großen Wohl thätigkcit rühmenden Ncolvgcn antwortete, daß nun noch gerade 6k2 מצות von den תרי׳ג übrig seien, die er zu erfüllen habe. Unsere alten הכרות bedurften bei ihrer Konsütuirnng keines Rabbiners mit Ornat, der sie salbungsvoll weihte, keiner Rede eines Geistlichen, keiner Einsegnung. Nein, sic waren selbst geweiht durch ihr Judcnthum, daS sic in! Herzen trugen, sic konstitnirten sich als eine "׳כ*ריי׳ לש״ש sie waren begeistert in der Ersüllang eines von dem אלוקי ישראל gebotenen und gutgeheißenen Zweckes, und die schlichten Worte des gotteSsnrchtigen Laien, der als Vorsitzender von den Anwesenden gewählt war, drangen mehr zum Herzen, als die bombastischen Tiradcn eines nnt dem Gesetze auf höchst gespanntem Fuße stehenden Rabbiners. Und da wundert sich die ״Wochenschrift" in einer ihrer früheren Nummern darüber, daß Jemand sich geweigert hat, einer Eröfsnungsrede des Un. I. bciznwohncn? UnS, die wir das Vcrhältniß desselben zum praktisch jüdischen Gesetze kennen, ist dies sehr erklärlich! Und sind wir sehr weit davon entfernt, dies Fanatismus zu nennen! Leider lassen sich so Viele, auch von den Besten unseres Volkes, täuschen. Theitö sehen sie die Gefahr nicht, thcils glauben sie, dieselbe durch ihre Mitwirkung gerade unschädlich zu machen. O, dieses naiven Glaubens! Wir fürchten, daß gar Mancher, und besonders vou den Jüngeren, allmählig mit Grundsätzen vertraut wird, die cr früher pcrhorreszirtc, die sich aber nach und nach ihm anschmeicheln, so daß er auf Irrwege geräth, und statt, wie er geglaubt hat, Andere vom Unrecht zurück zu halten, selbst allmähiig sich daran gewöhnt. Zum Schlüsse aber wollen wir den Stiftern und Erfindern des neuen Ordens der Bene-Berith noch einen! guten Rath ertheilen. Wenn sic denn durchaus daraus

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