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Jeschurun · 1887-06-09 · Heft 23 (9.6.1887) · p. 359

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 23 (9.6.1887)
Article
Das schwarze Buch
Date
1887-06-09
Page
359 (sequence 1)
Language
German
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Das schillM Dach.! Don Friedrich N o t t.! ׳) ׳' ' "׳)!achdruck vcrl'vtcu.) i (Fortsetzung.') ״Was willst Du versuchen, Kind?" fragte Frau Meie! Hof. Henriette hörte sie nicht. In jener stillen, geräuschtoscn Weise, die sie in auffallendem Gegensatz zn ihrer früheren quecksilbernen Lebendigkeit seit dem Vesuche des Freiherrn von Felscnstein sich augecignet, hatte sie das Zimmer verlassen. Die Tante blickte ihr kopfschüttelnd nach. ״Armes Kind!" flüsterte sie mitleidig, ״armes Kind! — mein Bruder hatte auch etwas Gcschcidtereö thnn können. — Aber was sic jetzt noch will'? — in der zwölften Stunde?" Sie schüttelte abermals den Kopf. ״Das Herz thut einen! weh. wenn man sieht, wie das Kind sich förmlich verzehrt. — Und er sichl's und hört's und ist doch sonst so gcscheidt — und gerade hier, wo es sich um das Lebcnsglück seines einzigen Kindes handelt, ist er taub nnd wie mit Blindheit geschlagen." Henriette hatte das Zimmer ihres Vaters erreicht, einen Moment stand sie unschlüssig vor der Thür, dann aber öffnete sie rasch und trat ein. Herr Wcrtheim saß vor seinem Sekretär; er hatte einen Haufen Briefe vor sich, es war die zweite Post, die er gewöhnlich wenigstens flüchtig durchznschen pflegte. Doch heute schien ihm die Stimmung dazu zn fehlen. Als er das junge Mädchen cintrcten sah, schob er die Briefschaften zurück und einen Sessel in seine Nähe, auf den er mit einladender Haudbewegniig deutete. ״Ei, sich da, mein liebes Töchtcrchcn! — Setze Dich, liebes Kind, Frau Baronin von Fcljenstein in Lpo! und sage mir, was verschafft mir die ungewohnte Ehre Deines lieben Besuches." Henriette preßte die Lippen auf einander und athmctc schwer, während sie, der Ansforderung ihres Vaters entsprechend, sich neben ihm nicderlicß. Aber seine frelldig erregte Stinunnng, sein Scherz ließ sie im Vorhinein erkennen, daß auch dieser letzte Versuch ein vergeblicher sein werde. ״Nun, Henni, was giebt's? — die Toilette noch nicht in Ordnung?" ״Papa," sprach sie leise, indem sic bittend zu ihm cmporblickte, ״Du weißt, um was ich Dich bitten möchte." Er schaute sie verwundert an. ״Nein, liebes Herz, das weiß ich nicht." ״ES ist dasselbe, um das ich dich gestern und vorgestern gebeten habe. Schicke mich nicht fort, lieber Papa! — lasse mich bei Dir bleiben!" ״Daß dich das Mäuslcin!" rief er, in komischen Zorn auSbrechend, ״Mädchen! bist Du verrückt? -7die halbe Stadt habe ich auf heute Abend zu Deiner Verlobung cingcladcn und Du kommst da mit Deinem Silberstimmchen und bettelst." Er wiederholte spättelnd ihre Worte: ״Schicke mich nicht fort, lieber Papa! — laß mich bei Dir bleiben! — Ha! ha! ha! — Mädchen, Du bist köstlich!" Er zog sic au sich und drückte einen Kuß auf ihre Stirn und dabei sah er, wie zwei große Thranen langsam sich aus ihren Augen stahlen und über ihre Wangen hcrniedcrrolltcn. ״Aber, liebes, gutes Kind, sei doch vernünftig! — was hast Du nur gegen den Baron?" ״Ich habe gar nichts gegen ihn, nur hcirathen «tag ich ihn nicht." ,,Aber sage mir nur, warum dem! nicht?" Einen Moment zögerte sie, sollte sie den wnkliehen Grund ihres SträubenS angeben? — Doch sie kannte ihren Vater, aus Berücksichtigung ihrer Neigung durfte sic nicht hoffen, doch ihr Bckenntniß hätte dem ahnungslosen Gegenstand ihrer Neigung Schaden bringen können, darum schwieg sie. ״Weil ich überhaupt nicht hcirathen mag," vcrsetzte sie ausweichend. ״Aber das ist ja der Helle, reine Unsinn! Welches Mädchen sollte nicht hcirathen wollen? Wozu sind denn sonst die Mädchen in der Welt?" ״Zn achtzehn Jahren muß n!an doch noch gerade nicht hcirathen." ״Zu achtzehn oder zn zwanzig oder zn vicrundzwanzig, das ist einerlei. Je früher die Mädchen hcirathen, um so besser." ״Aber laß mich nur noch ein paar Jahre bei Dir bleiben!— Lieber, guter Papa! — ich bitte Dich in ständigst darum!" ״Kleine Hexe! — Du kannst einem das Herz schwer machen. Aber, liebes, gutes Kind, sei doch vernünftig, Du!mißt doch selbst cinschen, daß sich gegenwärtig daran nichts mehr ändern läßt. UcbrigcnS sollst Du augenblicklich doch noch nicht heirathcn. Nnr verloben sollst Du Dich heule Abend; mit der Hochzeit hat cs denn Zeit bis nach den Feiertagen. Und wem! Dir denn gar so viel daran liegt, bei Deinen! lieben, guten Papa zn bleiben, so wird sich Baron Arthur wohl auch bewegen lassen, einen Theil des Jahres mit seiner Frau Gemahlin beim Schwicgcrpapa zn verweilen. — Aber beinahe hätte ich daran vergessen!" Er schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. ״Habe da heute Morgen in aller Frühe von!!!einem ehemaligen Lehrer, Nabbi Nathan Habcrniann, eine Karte erhalten, auf der er mich dringend bittet, baldmöglichst zu.ihm

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