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Jeschurun · 1887-06-09 · Heft 23 (9.6.1887) · p. 358

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 23 (9.6.1887)
Article
Die Unzufriedenen
Date
1887-06-09
Page
358 (sequence 4)
Language
German
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35S altes Glcichniß erzählt von einer philosophischen Motte, die, das Licht umkreisend, eine Fliege gewahrte, welche an dem Rande eines gefüllten Weinglases so lange nippte, bis sic trunken hinein siel und ihren Tod fand. ״So gemein ist doch unsereins nicht", höhnte von ihrer Lichthöhc die Philosophin herab, ״aus verächtlichem Hang nach leiblichen Genüssen sein Leben auss Spiel zn fetzen, kann eben nur eine gemeine Fliege, wir dagegen"-Da kam die Stolze in ihrem Fluge der Flamme zu nahe und sank verbrannt zu Boden. Ihres Lebens verlustig waren beide, die gemeine Fliege מחמת מיאוס, die gebildete Motte מדעת! Ein anderer nicht geringer Thcil der mit ihrem Judenthnm Unzufriedenen sühlt im Herzen die Wahrheit und Göttlichkeit der jüdischen Lcbcusbcstimmung, er scheut aber vor den materiellen Opfern zurück, die ihre treue Erfüllung fordert. Es sind die .מוקצים מחמת הסדרן כים, denen ihr Judenthnm nichts kosten darf und die ihm seine Ansprüche auf Zeit, Geld, Genuß und Erwerb nicht verzeihen können. Die Ersüllung der jüdischen Pflichten ciltcrirt den Besitzstand, die Nichterfüllung beunruhigt das Gewissen. Aus diesem Hangen und Bangen entsteht dann jene Unznsriedcnheil, für welche Niemand sich, sondern Jeder das Jndenthum verantwortlich macht. Sollen wir noch aus Diejenigen Hinweisen, welche die Berechtigung, ja die Nothwendigkeit ihres Inden׳ thiuuS im Prinzip, in der Idee anerkennen, aber der äußeren Form abhold sind, mit der cs zn Tage teilt? Die Idee z. B. der Unterordnung unseres schassenden und genießenden LcbcnS unter Gott finden sic sublim. Dieser Idee aber in der vorgcschricbcncn Einstellung jeder Thätigkeit an מכת* und יום מרם Lhatsächlichen Ausdruck zu geben, sich keinen Genuß ohne ביכה, ohne das Bckcnntniß zn gestatten, das Gott nun wirklich als den Spender jeden Genusses feiert, diese Ansordcrung finden sic kleinlich und läßt sic vor dem Judenthnm znrückschrcckcn, weil cs ihnen ans die Form oder, wie sie sagen, aus ״Zeremonien", zn viel Gewicht legt. Und doch achten sie sonst bei jedem Schritt in ihrem Leben mit peinlicher Sorgfalt ans die äußere Form und würden die Vernachlässigung irgend einer konvcntioncllcn Förmlichkeit weder sich noch Anderen vcrzeihen. Nirgends sonst begnügt man sich mit der Idee. Das Vaterland verlangt von jedem Bürger seine Gut- und Blntsteuer. Wenn sich Jemand seiner Steuer- und Wehrpflicht mit Deklamationen über sein patriotisches Gefühl entledigen wollte, wer würde sich mit diesem idealen Tribut begnügen, und nur das Judenthnm soll mit bloßen Ideen abgefüttert werden und soll die Unzufriedenheit ans sein Konto nehmen, mit welcher seine מוקצים מהמת איסור ומצרה an jedem Gebot und Verbot Anstoß nehmen?! Tausendfältig sind die Abwege und Jrrgänge, zu welchen jeder Schritt führt, der von der geraden Bahn abweicht, die Gott für unser Leben vorgezcichnct. Jedes Abweichen von dem durch Gott gewiesenen Pfade entfremdet den Irrenden von Gott, entzieht ihn seiner einzigen, wahren Bestimmung und führt ihn durch die Trübung der reinen Lebensfreude den Mißvergnügten, מהאוגנים, zu, die sich ans der buntscheckigen Masse der מוקצים rckrutirt. Der von GottcS Gisetz cingcfriedigtc Lcbcnspfad des jüdischen Menschen liegt in der Mitte aller Gegensätze und gleicht sic in friedlicher Harmonie auS. Diejenigen, denen dieser Pfad zn schmal und steil erscheint, vindiziren ihrem willkürlich gewählten Lcbcnwcgc allein die ״richtige Mitte" und schmähen Alles, was diese subjektiv: Willkür nicht als den Mittelpunkt anerkennt, um den sich alle Kreise drehen j ollen, schmähen vor Allem aber das treue Verharren auf dem von Gott vorg'zcichncten Lcbcnspsadc: einseitig und ״extrem". Mag der große Troß sich durch solche Wortspiele immerhin berücken lassen, das 'אש ה, die Flanune des zürnenden Gottesstrahls sucht und findet jedoch gerade jene ״Mißvergnügten" ans dem äußersten Ende des jüdischen Lagerflügels, בסצה המהנה, und zeichnet gerade sic, als die Extremen pur ox^lk'noo, als מוקצים! Eharakteristisch bleibt cs, daß wie damals, so auch jetzt noch, nicht die eigentlichen Volkskreise, sondern die höheren Schichten der Gesellschaft es sind, die das eigentliche Kontingent der מתאוננים und מוקצים, der Unzufriedenen und ihrer jüdischen Bestimmung Entjrcmdctcn bilden; כמוקצים שבהם בנמלים שבהם. Sicherlich sind gerade die Mängel, welche die מתאוננים aller Zeiten an dem Gotlcsgesctzc finden zn dürfen glauben, nicht seine letzten Vorzüge. Gewiß würden die Unzufriedenen vorsichtiger in der Aufspürung dieser Mängel sein, um ihre Unzufriedenheit zn beschönigen, wenn sic von dem' Bewnßtscili durchdrnngcn wären, wie sic die eigene Mangelhaftigkeit und Umcifc doknmentiren, indem sie der Vcrbcsscrungssähigkeit des Gottcsgesctzes das Wort zn reden wagen. Unsere Unzufriedenen waren im nur schlecht, bevor sic unznfricbc 1t waren. Menschen mögen durch die oslcnlativ ziir Schau getragene Un- Zufriedenheit und ihre vorgeschobenen Motive sich täuschen lassen; Gottes Urthcil über die Unzufriedenen lautet: י ויהי העם במהאוננים-רע באזני הי.

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