Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1887)
- Article
- Schriftstellerische Fälschungen
- Date
- 1887-06-02
- Page
- 342 (sequence 3)
- Language
- German
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342 tönt sofort die vorwurfsvolle Antwort zurück: das I sind ja jüdische Patrioten, die Freunde und Wohlthäler ihre- Volks, die wahrhaft für Israel Begeisterten!! Wehe solchem Patriotismus, solcher Liebe und , WohJhat, solcher Begeisterung! Wo immer eine j Bestrebung zu entdecken ist, welche zur Förderung der Erkenntnis; und Bcthätigung des IndcnthnmS in Wahrheit führen könnte, da eilen sie zur offenen Zerstörung herbei und bemühen sich, unter Einsetzung ihres vollen EinstnsseS, das beabsichtigte heilbringende Werk im Keime zu vernichten. Wo wackere Männer zusammen׳ treten, um für ,תורד und נזצודז thätig zu sein, da sind auch sic zur Stelle und verfolgen jene, als ob sic Müder und Diebe wären. In ihrer Lebensführung suchen sie alles Indische al'znstreifen. Sic treten als Inden nur auf, ntn das Indeuthum zu bekämpfen und die Gesetzcserkenntniß und -Ausübung im Kreise der Inden anSznmerzcn, die jüdischen Gotteshäuser durch unjüdische Einrichtungen zu entweihen und einen gesctzcswidrigcn Lebenswandel in jüdischen Kreisen zu fördern. Mögen sie noch so uneinig unter einander sein, in der Feindschaft gegen das Indeuthum sind sie einig, einig in dessen Veruichmng. Und das sind begeisterte Juden, jüdische Patrioten, Freunde und WvhltHaler ihres Volkes?! Und die durch redegewandte, phrasenreiche Schrift- Heller geübte Kunst der Fälschung und Täuschung hat cS vermocht, die Begriffe derartig zu verwirren, dag nicht nur in nichljüdischcn Kreisen, sondern am1) in jüdischen Kreisen sic als solche vielfach gelten! (Liebt eS eine größere Täuschung, eine verderblichere Fälschung? Und ist cS nicht endlich an der Zeit, daß jeder Redliche diese Täuschung und Fälschung erkenne und sich vor solchen Freunden, Patrioten, Wohlthäiern, vor solchen begeisterten Inden schütze? Das Hßm iiiirf). Boa Friedrich N o t t. (.'!,rchdnul rcvI'oKn.) (Fortsetzung.) Sie preßte die Lippen auf einander und ärgerte sich, daß sie eS nicht zu hindern vermochte, daß das Blut ihr in die Wangen stieg. ״Da sehen Sic unsere Jugend/' ries der ältere Baron Felsensicin lachend, ״wir Alten mühen und Plagen uns, arbeiten unt> streben nur für unsere Kinder, und — da haben Sie den Dank." ״Ich hoffe, Papa, Du wirst mir in feiner andern Beziehung Undankbarkeit vorwcrscn können," sagte Arthur. Der Vater nickte ihm lachend zu. ״Unbesorgt, lieber Junge." Herr Wcrthcim war überglücklich, daß die taktlose Bemerkung seiner Tochter keinen ungünstigeren Eindruck hintcrlasseu hatte; als gewandter Gesellschafter wußte er die Unterhaltung auf ein anderes Thema zu leiten und auch Henriette mußte sich »olons volms daran betheiligen. Bis in später Stunde blieb die Gesellschaft in heiterster Stimmung beisammen; bevor die Gäste sich entfernten, hielt Baron Arthur persönlich bei dem Vater um Henriettens Hand an. Er ward nicht abgewicsen, nur pro forma erbat Herr Wert hei IN für seine Tochter eine kurze Bedenkzeit, in den nächsten Tagen sollte ihre Antwort erfolgen. # Mehrere Wochen waren verstrichen. Dem Rabbi, den wir vor Kurzem im Kreise feiner Schüler lehrend ge!roffen, hatte ein llnfall getrosten, er war auf dem Wege von der Synagoge nach Hanse anSgeglitren und hatte mehrere Tage das Bett hüten müssen. Heute hatte er zum ersten Mal das Bett mit dem Kanapee vertauschen dürfen, und Freunde und Bekannte wetteiferten in Aufmerksamkeiten gegen den allverchrten Lehrer, ihn! ihre Thcilirahmc zu bezeigen. In lebhafter Unterhaltung hatte sich ein kleiner Kreis von Freunden um das Lager dcS Rekonvaleszenten gereiht. Die Sladtneuigkciten wurden durchsprochcn, die politischen Tagesereignisse erörtert, hin und wieder wurden auch rcligiousgefttzüchc Fragen gestellt und beantwortet. ״WaS sagen Sie zu der Ast'aire B . . ..?" wandte sich einer der Anwesenden zu seinem Nachbarn. Dieser zuckte die Achseln. ״Leider gehören dergleichen Fälle nicht mehr zu den Seltenheiten, die Leichtfertigkeit in religiösen Dingen hat in dem jüngsten Jahrzehnt in erschreckender Weise zngenommen. ״Ich weiß doch nicht, ob man das im Allgemeinen behaupten kann. In unserer Gegend ist religiöse Indisfercn; allerdings im Zunehmen. Doch höre ich von manchen andern Orten, daß die religiösen Verhältnisse einer Besserung cntgegcngchcn." ״Einer Besserung? — Möge Gott sich erbarmen über diese Besserung — wem! zehn bezahlte Leute täglich in die Synagoge gehen, dann nennen sie das eine Besserung!" ..Was gicbt's?" siel der Rabbi ein, ״über was ereifern sich die Herren?" ״Wir sprachen über die traurigen religiösen Bcrhältuisse der Gegenwart." ״Und speziell über die Asfairc B. ...!" ״Die Afsairc B....? — welch eine Bewandniß hat eö denn damit?"