Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1887)
- Article
- Schriftstellerische Fälschungen
- Date
- 1887-06-02
- Page
- 341 (sequence 2)
- Language
- German
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341 bctu Bruder vermögcnschwach wird/' ״bamit dein Bruder neben dir seine Existenz stude" u. bergt, m. Die Anerkennung und Ersüllnng des Gesehen bildet bab national-jüdische Baud, welches die Anden zu einer Einheit verbindet, dergestalt, das! selbst wenn Uneinigkeit, Hader, Streit, Zank und Neid unter ihnen einmal hier oder dort platzgrcifen sollte, diese Einheit nute״ den wahren Bekennen! des Audcnthnms nicht ansgehoben werden könnte. Ja, man macht wohl behaupten können, das; die inneru Zwistigkeiten innerhalb des Gcmcindclebens vielleicht gerade in dieser Bruderschaft ihren tiefem Grund haben. Wie Zivistigkeitcn weit eher im engeren Familienkreise, als in weiteren Bekanntenkreiscn entstehen, gerade weil man sich einander näher suhlt,!veil hier ein Jeder an des Andern Thun und Treiben innigern Anthcil niinmt und mit dessen Ehre und Nnhm die eigene Werthschüt-ung ve! knüpft weis:, ebenso dürsten die leider nicht immer ausblcibendcn Zwistigleiten unter den Gemcindcgliedcrn Zeugnis; eines lebhasten Brnderbewußtseins sei!;. Und so begreift man, warum gerade unter den Gesetzestrenen, deren nationaljüdisches Wesen in dem gemeinsamen Bekenntnisse und der thatsüchlichen Erfüllung der jüdischen Neligionssatznngen wurzelt, leichter Gelegenheit zn Streitigkeiten sieh darbictet, als bei den Andern, die sich nur als Anden fühlen, weil sic gemeinsamen Ursprungs sind, aber zur Bethätignng des jüdischen Wesens kaum Gelegenheit finden, somit weit weniger Berührungspunkte zn einander im Veben haben nnd sich um einander nur selten kümmern, vielleicht nur dann, wenn man von dem Ansehen, der Ehre und der Auszeichnung, die dem Einen zn Theil wird, auch einen Abglanz sich selbst als einem Stammcsgcnossen vindizircn möchte. Das ein wahrhaftes Brndergesühl erzeugende national-jüdische Wesen, welches in den; Bewußtsein der geineinsamen Gottcskindschast und der gemeinsamen, das ganze Dasein in allen seinen Momenten umfassenden Lcbcusanfgabc beruht, tritt somit selbst auch in den zn bedauernden kleineren häuslichen Zwistigkeiten zu Tage, für welche aber wiederum das allen geineinsame Ncligiousgesctz Nemednr zn bringen weiß, wie ja auch Mißhclligteiten unter (Geschwistern sehr leicht durch die Autorität des Bakers und das lebendige Gefühl der Geschwisterliebe ausgeglichen werden. Es dürste einleuchten, das; cs in Wirklichkeit keine größere Selbstherabwnrdigung giebt, als wenn sich ein Jude rühmt, sein Botk, die Anden, zn Helfen. Er bekündet damit nnzrveidentig, das; er sich nicht mit diesen; vollkonunen idemrsizirt, daß er sich nicht mit ihm und seinem cigcnthümlichcn Wesen eins weiß, daß er mit ihn! sich nur durch eine entfernte Betterschaft, aber nicht als Sohn und Bruder mit allen Fasern seines eigenen Wesens verbunden suhlt. Die Täuschung und Begriffsverwirrung, welche durch die Verherrlichung dieses falschen national-jüdischen Bctvnßtseins und durch den Weihrauch, der diesen falschen jüdischen Patrioten gestreut wird, ist aber so gewaltig, daß selbst in den ,Streifen der wahr haften Anden die ׳)Dichtigkeit nnd Hohlheit dieser Phrasen nicht immer erkannt werden und man auch hier dieser begriffswidrigen Verhimmelung eines falschen Patriotismus Raum gewährt. ׳Ein rich. tiges Erfasset; des wahrhaftigen Wesens eines Begriffes ist ans jeglichem Gebiete die nothwcndigc Bedingung für dessen Erkenntnis;. Wer dieses zu entstellen jucht nnd cs sich angelegen sein läßt, ein täuschendes Spiel mit Worten zn treiben und ihnen einen anderen als den wahren Anhalt nntcrznschiedcn, versündigt sich an dem gesunden Menschenverstand und übt ein Verderblichercs Handwerk als der Münz- und Nahrnngsmittelfälschcr. Jeder Ncdlichc nnd Einsichtsvolle wird diesem beipflichten. Wenn behauptet luirb: Nu bei! liebt den Simon, so wird die berechtigte Vorstellung erweckt, daß 91 üben 11 in des Simon Wohl eifrig besorgt ist, daß er sich freut, ihm hnlfreich zur Seite stehen zn können und seine Wünsche zn erfüllen, daß cr Simons Freude lheilt und dessen Schmerz mitempsindet. Kann man aber behaupten, daß Nubcn den Simon liebt, wenn es sein eifrigstes Bestreben ist, Simons Wünschen entgcgenzntreten, dessen Bestrebungen zn vereiteln, wenn er die Pfeiler zerstört, ans welchen Simon das Gebäude seines wahrhaftigen Heils zn begründen sucht, wenn er ihm sein Heiligstes zn verkümmern sich bemüht und ihm ein vermeintliches Glück anszwingcn will, das Simon als das höchste Unglück und Verderben betrachtet? Eine solche Viebe hat sreilich die Anguisition den von ihr als Ketzer Betrachteten erwiesen. Es bietet sich aber nns das Schauspiel dar, daß sogenannte Aufgeklärte nnd im Dienst dieser vermeintlichcn Anstlärnng wirkende Schriftsteller uns ebenso wie die Anguisition gegen nnscrn Willen beglücken!vollen, durch Fallstricke und Fälschungen mit einem Heile, welches die wahrhafte Anstlärnng als Unheil verabscheuen muß. Man will uns gegen nnscrn Willen falsche Begriffe nnd Anschauungen ein impfen und in nns die wahrhafte Gesetzcstrcne erschüttern, man hat für das heilige Vätererbe nur Spott und Hohn — kann man solches Ge bahren als Viebe bezeichnen und die es ins Werk setzen als Freunde ihres Volkes, da sie sich doch um dessen Augelegeuhciteu kümmern?? Wahrlich, mit demselben Rechte könnte mau auch den Dieb und 9?äubcv als einen Freund des Bestohlenen und Beraubten bezeichnen, da cr sich doch um dessen Angelegenheiten kümmert. Und dennoch wagt, inan die bescheidene Frage.׳ was sind denn diese Männer, in welcher Beziehung stehen sic zn dem Andcnthnme? so