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Jeschurun · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. 326

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Article
Die Schächtfrage im Deutschen Reichstage
Date
1887-05-26
Page
326 (sequence 4)
Language
German
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326 BnndcSkommissar Geh. Nath Wcrmuth: Ich möchte der Meinung cntgcgcntrctcn, als ob innerhalb des BundcSrathcS noch gar nichts in dieser Frage geschehen sei. Nach dem Material, welches uns zur Zeit hier vorlicgt, hat sich die überwiegende Anzahl der Polizeidchördcn mit der Angelegenheit besaßt, und soweit cS in ihrer Kompetenz tag, auch Verordnungen erlassen. Fast in jeder Verordnung findet sich eine Vorschrift über die Ausübung des SchlachtcnS. Zum- Thcil bcschranken sich diese allerdings auf allgemeine Redensarten. Indessen stellen sic auch an vielen Orten ganz bestimmte Normen auf, verbieten ganz bestimmte Methoden deS Schlachtcns. Abg. Dr. Böckel: Herr Kollege Vroemcl hat das Gutachten deS Herrn Virchow als ein ganz besonders objektives hingestellt. Für mich ist dieses Urthcil durchauS kein objektives, da Herr Virchow ein ausgesprochener Illdcufreund ist, und in einer Weise (Glocke deS Präsidcnten) für die Juden (Erneutes Lauten des Präsidcnten) cingctrcten ist, welche ans ihn ein schlagendes Licht wirlst. Was die weiteren Ausführungen deS Herrn Brocmel betrifft, als hätte ich die hessische Bevölkerung verhetzt (Glocke deS Präsidenten; Abg. Dr. Böckel spricht wahrend deS KlingclnS weiter). Präsident: Herr Abg. Böckel, ich bitte zu schweigen, wenn ich klingle. Ich bitte die Debatte nicht ans Dinge auszudchucn, die nicht zum Gegenstände der Vcrathung gehören. Abg. Dr. Böckel (sortsahrcud): Ich hoffe, daß in den nächsten Wahlen nur ... (Glocke des Präsidenten; Abg. Dr. Böckel fährt fort zu sprechen. Der Präsident klingelt so heftig, daß die Glocke spring«.) Präsident: Herr Abg. Böckel, ich muß Sic ernstlich bitten, daß Sie schweigen, wenn ich die Glocke rühre. Ich habe Sie, schon einmal ersucht, nicht auf Dinge zu kommen, die nicht zur Sache gehören. Ich rufe Sic jetzt förmlich zur Sache und mache §ic ans die gcschäfksordnnngSmäßigcu Folgen dieses NufcS ansmerksam. Abg. Dr. Vöckcl (sortsahrcud): Zum Schluß möchte ich nochmals den Wunsch anssprcchcn, daß cS der Negierung gefallen möge, die Frage des SchächtcnS objektiv prüfen zu lassen, damit die bisher umstrittene Frage endlich zur Klarheit gebracht wird. Ich möchte bitten, gemäß dem Kvmmijstonsantragc die Petitionen der Negierung zur Erwägung zu überweisen. Die Diskussion ist baniit beendigt. Der Antrag der Kommission wird mit; dem Prinzipalantrag des Abg. Dr. Windhorst angenommen. Das schivW Knch. Von Friedrich Nott. ■"'׳ ■'v' (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ״Das ist auch mir bis zu dieser Stunde nicht in den Sinn gekommen," murmelte Henriette, indem auss Nene dunkle Glnth ihr Antlitz überzog, ״aber weshalbdenn überhaupt hcirathen? ich bin doch noch nicht gar so alt." ״Gar so alt bist Du freilich noch nicht," erwiderte Frau Meicrhof, ״aber daß Du noch zu jung zum Hcirathen wärst, könnte ich auch nicht behaupten." ״Ich will aber noch nicht heirathen," rief Heuriette, indem sic mit einem gewissen Trotz das Köpfchen zurückwarf. ״Sage cS meinem Papa, liebe Tante," fugte sie bittend hinzu, ״er soll mich noch ein paar Jahre bei sich behalten, mit dem Hcirathen hat's noch immer Zeit." Frau Mcicrhosf zuckte die Achseln. ״Ich habe über diesen Punkt bereits mit Deinem Papa gesprochen, denn auch ich vermochte die Dringlichkeit Deiner Heirath nicht cinzuschen. — Mein Bruder hat jedoch seinen triftigen Grund." ״Darsst Du mir denselben mitthcitcn?" fragte Henriette zögernd. ״O, warum denn nicht. Ich dachte nur — das heißt —" ״Was wolltest Du sagen, liebe Taute?" Frau Mcicrhosf athmete Lies ans. indem sic voll inniger Thcilnahme auf das junge Mädchen blickte. ״Ich begehe keine Indiskretion, wenn ich Dir die Intentionen Deines BatcrS mittheile — er hätte selbst zu Dir davon gesprochen, wenn er nicht gefürchtet hätte. Dich dadurch peinlich zn berühren." ״Ich verstehe Dich nicht — ich weiß nicht, waS Du!nein st." ״Sieh, UebcS Kind, Dein Papa hat Deine gute selige Mama innig, aufrichtig geliebt — ich bin überzeugt, er uüib sie sein ganzes Leben hindurch in Herzlichcm Andenken halten. — LN an kann daher nicht von Mangel an Pietät für die thcnrc Entschlafene sprechen, wenn er endlich daran denkt, ihr eine Nachfolgcrin zu geben." ״Mama," flüsterte Henriette, indem Helle Thräucn ihre über die rosigen Wangen hcrniederglittcn, ״meine liebe, liebe Mama!" ״Ich begreife den Schmerz, der Dich erfüllt, wenn * Du Dir eine Andere au die Stelle Deiner guten seligen Mama denkst. — Aber, liebes Kind, ich bin fest überzeugt, wenn die tljcuvc Entschlafene jetzt zu Dir reden könnte, so wurde sic dich aussordern, Deinen

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