Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1887)
- Article
- Die Schächtfrage im Deutschen Reichstage
- Date
- 1887-05-26
- Page
- 324 (sequence 2)
- Language
- German
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324 crfcnncn, aber über viele in der Petition ausgestellte Behauptungen hat sie nicht Erhebungen anstcllcn können, um de» Antrag allgemein annehmbar zu machen. Es sind besonders die Behauptungen über das Schächten durch andere Thalsachen vollständig widerlegt. 52 Gutachten von Professoren der Physiologie ohne Ausnahme erklären, daß beim rituellen Schächten mit irgend einem Scheine des Rechts von Thicrguälcrci nicht die Rede sein kann. Die Petition enthält also nicht ein Material, welches als ein unanfechtbares für einen Beschluß des Hauses angesehen werden könne. Der Antrag Windt- Horst übt eine weitgehende und weise Beschränkung deö KonunissionSantrageS aus. Dieser Ausdruck ist ja, wie auch der Berichterstatter erwähnt hat, in der Kom- Mission abgclchnt; aber er ist doch nur der Ausdruck der Toleranz, der Andersgläubigen in vollem Maße gewährt werden muß. Ich meine, daß wer nicht für den Priuzipalautrag des Abg. Wiudthorst stimmen kann, doch jedenfalls den Eventualantrag desselben Abgeordneten aunehmen müsse. (Beifall.) Abg.!)!׳.Miguel (uat.-lib.): Die Kommission hat sich materiell auf den Boden des Antrags Wiudthorst gestellt, sie hat durchaus nicht beabsichtigt, die Berücksichrigung der religiösen Gebräuche außer Acht zu lassen, darin sind wir also Alle einig. Ich möchte aber den Abg. Ü1-. Wiudthorst bitten, falls fein Priuzipalautrag nicht angenommen wird, das Wort ״thnnlichst" in seinem Eventualantrag zu streichen. Ich bin überzeugt,, so lauge in Deutschland die Grundsätze der Toleranz und gegenseitigen Achtung der deutschen Bürger noch gelten werden, man über die religiösen Gefühle unmöglich hlnwcggchcn kann bei solchen Fragen, wo cs doch nündestenSzweiselhast bleiben muß, ob das rituelle. Schächten nicht gerade als eine zweckmäßige und humane Einrichtung auzuschcn ist. Darum bin ich der Meinung,- daß' wir den KommissionSaulrag anuchmcn und außerdem den Eventualantrag Wiudthorst ohne das Wort ״ihunlichster". Der Prinzipalantrag des Abg. 1)1׳. Wiudthorst lautet folgendermaßen: dem Beschlüsse der PctitionSkommission hi.uzuzufügcn, ״insofern aber die Petition der Thicrschntzvcreiue auf das jüdische Schächten sich bezieht, über dieselbe zur Tagesordnung überzugeheu." Abg. Kulcmann (nat.-lib.) (aus der Tribüne schwer verständlich) bemerkt, daß der Ncscrcnt die Bcr- Handlungen der Kommission ganz objektiv wiedergegeben, und schließt sich dem Anträge dcS Abg. Miguel an. Abg. Dr. Vöckcl (Antisemit): Für mich sind die Juden nicht in erster Linien Koscssion, sondern eine Nasse. (Heiterkeit.) DaS Schächten ist für mich eine alte Gewohnheit dieser orientalischen Nasse, und ich denke, wenn die Juden so stolz sind, deutsche Mitbürger sein zu wollen, dann müssen sic sich den Anschauungen, die. unter uns Deutschen herrschen, auch fügen, sobald die Negierung darüber klar ist, daß verschiedene ihrer Gebräuche den giltigen Anschauungen der Humanität nicht entsprechen. Ich möchte bitten, daß die ganze Petition dcS ThierschutzvcrcinS der Negierung zur Er- Wägung überwiesen werde; cS ist höchste Zeit, daß in dieser Frage des SchachtenS seitens der Negierung Untersuchungen angestellt werden, die uns klar machen, ob das Schächten der Humanität cntspricht oder nicht. Ich stehe durchaus nicht in dieser Frage aus dem einseitigcn Standpunkt, daß ich etwa, weit ich Antisemit bin, durchaus alles Jüdische verdamme. Ich glaube, wir erreichen das, wenn wir gemäß dem Anträge der Kommission die Petition zur Erwägung überweisen. WaS die Israeliten in ihrer Petition angegeben haben, ist einseitig und parteiisch. Wenn die Gutachten der Negierung günstig für das Schächten auSfallcn, dann mögen die Inden weiter schachten. Abg. Or. Wiudthorst: Die Thicrschntzvereinc werden nur dem» vollen Erfolg'haben, wem! sic Maß halten. Wenn cs sich um religiöse Anschauungen handelt, die durch die Jahrhunderte überkommen sind, die heilig gehalten werden von unseren Mitbürgern, dam! gebe ich der Negierung das Recht nicht, in dieselben einzugrcifcn, und ich habe nicht, die Meinung, daß man die religiösen Anschauungen nmmodcln soll nach angeblich modernen Ideen. Diesen cutgcgcuzutretcn, halte ich für meine erste Pflicht, und deshalb bin ich mit dem Vorredner nicht einverstanden. Wenn er ferner meint, eS läge nicht genügendes Material vor, so kann ich ihn nur bitten, das; pr daS ganze unö vorliegende Material prüfen möge. DaS enthält nach meiner Ansicht klar und bestimmt, daß daS Schächten den religiösen Anschauungen durchaus cntspricht. WaS mm meine Anträge betrifft, jo entspricht mein Prinzipalautrag durchaus der Sachlage, und ich hoffe, nach dem, waS ich gehört habe, und insbesondere vom Kollegen Miguel, daß derselbe angenommen wird. Sollte er nicht angenommen werden, daun bin ich gern bereit, das Wort ״thunlichst" in dem Evcntualantrage zu streichen, und ich. will cS hicrinit gcthan haben. Ich bitte, meinen Priuzipalautrag ״thuntichst" aliznnchmen. (Heiterkeit.) Abg. Vrocmcl (dsr.): Ich. muß mich entschieden gegen dcu.Abg. Miguel wenden. Auf der einen Seile erklärt er, daß er die Einwendungen, welche die jüdischen Gemeinden gegen die Petitionen der Thicrschntzvereinc gemacht haben, in vollem Maße billige, schließt aber ans der anderen Seite damit, daß. seiner Ansicht nach die Petitionen der deutschen Thierschutzvercine in allen Thcilen begründet seien. Es kommt doch in der That daraus an, festzustcllen, in welchem Maße die Petitionen der deutschen Thicrschntzvcreiue berechtigt sind und in