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Jeschurun · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. 294

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Article
Was können wir für unsere unglücklichen Brüder thun?
Date
1887-05-12
Page
294 (sequence 3)
Language
German
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׳294 ift ermöglicht. SabbaLh und Feiertage bilden kein Hinderniß. In diesen geschlossenen jüdischen Gemein-״ schäften sind nur die jüdischen Feiertage die zum Ruhen-׳ bestimmten Zeiten. So kann ein tüchtiger, blühender jüdischer Bauern- und Handwerkerstand in Amerika geschaffen werden, :um Heil und zum Segen für die gesummte Jndcnhcit. So schassen wir für unsere unglücklichen Brüder eine neue gesicherte Heimath und erledigen uns der heiligen Pflicht, welche uns Allen ohne Ausnahme obliegt. ES ist ein großes, schweres, erhebliche Opfer erheischendes Werk. Der begeisterten einmnthigen Arbeit dcS gesammten Israel kann es aber gelingen. An allen Orten, Ln allen Landern haben die Juden sich zusammcnzuschaaren, um cs zu fördern, und haben einsichtige - und schaffeuSfrcudige Männer zu wählen, die cs aussühren.. Die eindringliche Mahnung ergeht an Alle ansnahmloS. Möge sie nicht unberücksichtigt bleiben. Möge der Aufruf zur Lösung der schweren, aber heiligen und großen Aufgabe nicht unerhört verhallen! Indem wir diesem sehr bedeutsamen- Borschlag, welcher uns von dem mit den amerikanischen Verhältnissen vertrauten und vermöge seiner Stellung die besten Be- Ziehungen zu Amerika pflegenden Herrn Moritz Simon, Vize-Konsul der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu Hannover, zugcgangen ist, hiermit die weiteste Verbreitung geben möchten, schließen wir 1!n6 demselben an und richte-n die eindringliche Bitte an die Gcsammthcit und jeden Einzelnen, die Sache reiflich zu prüfen. Wir stellen unsere Zeitung gern zu Erörterungen über diesen Vorschlag zur. Verfügung und ersuchen alle jüdischen Organe der Presse, ihn in ihren Kreisen zu verbreiten und die Anregung zu einer gemeinsamen energischen Thätigkcit zu gewahrem Ein NtM)srl!kr MafMliiH. Der ״Ncwyorker StaatS-Zcitung" entnimmt die ״Deborah" die folgende nicht uninteressante Schilderung: Der Tag vor Beginn eines jüdischen Feiertages bietet im ״polnischen Viertel" an Essex, Ludlow, Hefter und anderen Straßen ohne Ausnahme ein Bild des buntesten Treibens und Verkehrs. Alles handelt, hansirt, schachert, und Jeder-ift in der Regel so-beschäftigt mit seinen eigenen Angelegenheiten, daß er weder den städtischen Verordnungen wegen Verkehrshindernissen, noch auch den Beamten, welche diesen Gesetzen Gehorsam zu verschaffen haben, irgend welche Beachtung schenkt. Leider fiel der diesjährige Peßach gerade in die Zeit, wo es unserem Mayor Hewltt vorzüglich am Herzen lag, jegliche Art von ״BerkehrshinLernissen" in der Stadt polizeilich beseitigen zw lassen. Das Gewimmel im ״polnischen Distrikt" war nun thatsächlich so groß, daß alle nicht handelSbeflisscncn Personen sich dasc! bst höchst unbehaglich fühlten und bei Polizcikapitän Allaire vom elften Bezirk Beschwerde erhoben, daß sie nicht schnell genug ״durchkommen" könnten. Die Trottoirs waren mit Hausirständcn, Karren und ambulanten Krämern derart blockirt, daß keine Passage für gewöhnliche Fußganger mehr-übrig geblieben wcm Das Gewühl wurde sogar, dcS CharfrcitagS wegen-, von alten Nichtbcketmern dcö mosaischen Glaubens als ein Sakrileginm betrachtet, und die Polizei schloß sich, wie immer, derartigen ״christlichen" Bedenken an. Kapitän Allaire fühlte sich denn auch aus moralischen Gründen veranlaßt, eine Spezial-Polizcimannschaft in bürgerlicher Kleidung abzu'ordncn, um dem ,.anti-christlichen Unfug" des Handelnsmit alten Kleidern, Schuhen und hunderterlei anderen Dingen zu steuern, ganz abgesehen davon, ob die Handels« teilte mit oder ohne Lizenz ihr Geschäft׳''hier-׳ betrieben. Der Razzia sielen im Ganzen 4l Hebräer znm Opfer, welche mit großen und kleinen Bündeln allerlei KramS vor den Richter O'Ncilly im Essex Market Polizeigcricht geschleppt wurden. Die bcireffcubcn Polizisten erhoben snmmtlich die- Anklage gegen die Arrestanten, daß diese den öffentlichen Verkehr durch Dtockirung der Straßen gehemmt hätten. Richter O'Ncilly fühlte ansanglich einige Bedenken, ob er die Leute, unter den obwaltenden Umständen bestrafen sollte. Die Situation ließ indessen kein langes Grübeln zu, und kurz ent« schlossen diktirt er den 3! Misscthateru, wclche ihm am Vormittag vorgeführt wurden, mit Ausnahme von vier, je drei Dollar Strafe wegen ״Slraßcnvcrspcrrung" zu. Am Nachmittag, ,als ihm abermals zehn der unverbesserlichen ״Pcdlars" vorgcführt wurden, verlor Richter O'Neillh die Geduld und rüffelte die Polizisten, welche ihn in das neue Dilemma brachten. Diese entschuldigten sich natürlich mit den Befehlen, die sie von ihrem Kapitän bekommen hätten Herr O'Ncilly blickte sodann die de- und wchmüthig vor ihm stehenden Arrestanten, welche sämmtlich unschuldig zu-׳ sei» behaupteten, einen Augenblick lang über seine Brille an. Gewissensbisse schienen sich seiner zu bemächtigen. Endlich einige nur halbverstä-udlichc Bemerkungen über die ״dummen Gesetze" in-den Barr brummend, sprach er sein UrtheiL: ״One Dollar a pic׳ce!:< Nur zwei konnten den Dollar bezahlen,׳ die Ncbricgcn wurde in das ״untere Verließt abgefnhrt, doch nach Erlegung der Straft noch-zu später Stunde entlassen.

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