Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1887)
- Article
- Was können wir für unsere unglücklichen Brüder thun?
- Date
- 1887-05-12
- Page
- 293 (sequence 2)
- Language
- German
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2SS Amerika löst sie nicht, wenn eS die Aermsten von seinen Küsten zurückweisen laßt; Australien nicht, wenn eS keine Neigung zeigt, sich ihrer anzunehmen. . Es soll hiermit gegen die einzelnen Lander keine Anklage erhoben werden. Kein Land ist für sich allein im Stande, diese Frage voll zu lösen. Die Aufgabe ist zu groß. Sie erheischt zu bedeutende Mittel, als daß sie von einem andern als dem gcsammten Israel der ganzen Welt erfüllt werden könnte. Von geschätzter Seite wird uns das Folgende zur weitesten Verbreitung und zur allscitigen eifrigsten Er- Wägung und Erörterung mitgcthcitt: ׳ Das bislang geübte HülfSwerk mußte an der verfehlten Methode, in welcher eS betrieben ward, scheitern. Man überließ Amerika die eigentliche Arbeit und begnügte sich in Europa mit der Expedition der Unglückliehen dorthin. Man sendete Amerika Tausende und aber Tausende nackt, bloß und elend zu und sprach: Hier hast Du unsere unglücklichen Bruder, wir haben das Unserige an ihnen vollauf gcthan, dawir ihnen den Weg zu Dir, Amerika, gewiesen. Jetzt liegt eS Dir ob, ihnen Unterkunft, Arbeit, Nahrung u. s. w.' n. s. w. zu gewahren. Was sollte in Amerika aus ihnen werden? Der Kleinhandel in den Städten war rasch überfüllt; er konnte keine weiteren Mitbewerber ernähren. Koloniengründung,- Wort der Erlösung! Tausende rufen nach Brod,,Unterkunft und Arbeit. Wie sollten die Kolonien rasch für sic beschafft werden? Mau arbeitete eifrig für die Aermsten. Hier und dort glaubte man, geeignete AnsicdlungSplütze für sie erworben zu haben. Wer will hin? Hier ein Thcil, dort ein Theil. Sind sie aber geschickt für die Arbeit, die ihrer als Kolonisten harret? Man hatte keine Zeit, lange zu wühlen. War cs ein Wunder, daß die Kolonien nicht gedrehen? — Ein Wunder hätte geschehen müssen, wenn sie zur Blüthe gelangt wären. Jeder,׳ welcher die Sache anö eigener Anschauung damals kennen gelernt, oder deren Gcbahrung später beobachtet hat, wird solches zugcstehcn müssen. Doch auch für die Fernstehenden bedarf eS nur eines kurzen Nachdenkens. Man stelle sich doch nur einmal vor, daßman zu einer Anzahl von Männern und Frauen, die niemals ein Ackergeräth gchandhabt, die keine Idee von Landwirthschaft besitzen, und thcilwcise in׳ vorgerückterem Lebensalter, theil-- weise schwächlich sind,, sprechen würde: Seht dort die .Fläche. Keine Pslugschaar hat sie jemals durchfurcht. Wildes Gestrüpp wuchert seit undenklichen Zeiten ans ihr empor. Eure Ausgabe ist cs, den Boden urbar zu machen und in blühende Accker und Wiesen zu verwandeln. Ihr habt auch hier Häuser zu bauen. Brunnen zu graben; wo solltet Ihr sonst Unterkunft finden? Da sind einige Gerathschasten, da habt Jhr^ einige Aussaat, da habt Ihr auch eine Ziege oder ein-׳ Schaf, eine Kuh, gar ein Pferd. Macht Euch an. die - Arbeit, schasst Euch ein behagliches Heim. Es stört < Euch Niemand bei der fleißigen Arbeit, denn. Meilenweit ist keine menschliche Wohnstätte zu finden׳.- Frischan die Arbeit und Gott befohlen! - Könnte Jemand so sanguinisch sein zu glauben, daß diese Menschen in dieser Wilduiß nun auch wirklich׳, gedeihen werden?? .י־;; י Fern sei cs, irgend einem einen Vorwurf zu machen/. was aber verfehlt begonnen, mißlingen mußte, - das kann bei entsprechender Einrichtung dennoch zum Segen-ge-- ׳ dcihcn. Koloniengründung ist dennoch daS Wort der Erlösung, und zwar Kolonien in Amerika, - welches wie kein anderes Land allen Bedingungen für die-Ansiedelung., unserer unglücklichen Brüder entspricht. Lernen wir von Anderen, wie sie es attgefangen - und durchgeführt, haben.- . . Der Vorschlag geht dahin: Mau bilde in Europa die Kolonien.׳. Sorgfältig grnppire man "hier eine entsprechende Anzahl ., von Familien je für eine geschlossene Kolonie. -Man suche arbeitskräftige und arbcitSlnstige Personen au'-,-: die für Bearbeitung und Bcwirthschaftnng geeignet erscheinen. Diese bilden den Kern einer jeden Kolonie.. Zn einer solchen gehören aber geeignete Handwerker; ׳ man thcile einer jeden Kolonie solche zu. Es gehört ferner dazu ein Lehrer, ein Schochet und. Vorbeter. Am tieften wäre es, einen einzigen Mann, der für - diese drei Funktionen geschickt ist, auSzuwählen und ihn , der Kolonie zuzuthcilen. Selbstverständlich gehören zu', jeder Kolonie noch die Kinder und die ältern Familien-; glieder. Eine derartig sorgfältig zusammengesetzte Gruppe bildet je eine Kolonie. Diese geschlossenen Kolonien werden zusammen -, aus billigstem Wege nach Amerika befördert. Die Aufgabe der amerikanischen Glaubensgenossen ist cs, die geeignetesten Plätze für diese Kolonisten zu ׳suchen. Es dürfen dieses nicht Ländereien sein, welche erst von Grund aus urbar zu machen sind. \ Die einzelnen dergestalt in Europa gebildeten Kolonien, deren Ankunft zuvor zu melden ist, werden in Amerika zu den für sie im Voraus bestimmten- Ansicdelüngßplätzcu geführt und finden hier ihre Wohn- :, statten schon-vor. Mau versehe sie mit den nöthigen Anweisungen von fachkundiger Seite, gebe ihnen die erforderlichen Gerathschasten, entsprechenden Biehstand,: Aussaat u..s. w. n. s. w. Auf diese Weise werden die Kolonien gedeihen können. Die Beobachtung der jüdischen NeligionSgesetze