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Jeschurun · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. 291

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Article
Eine Sefira-Betrachtung [Nachricht]
Date
1887-05-12
Page
291 (sequence 3)
Language
German
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2V1 Enkeln bic Erben ihres׳ Geistes und Wirkens erblicken, werden sie in dem von den Enkcln gepflegten Wandel die'Spuren ihres Beispiels erkennen, werden sie in den von den Enkeln gebildeten Gemeinden die alten קהלות in verjüngter Blülhe erstanden sehen?'? Wir haben in der neuen bessern Zeit, in welche die. Menschheit cingctrctcn, die Probe noch nicht bcstanden. Wir glaubten in der Freiheit und.Ehre, für welchedie besser gewordene Menschheit uns die Pforten öffnete, das Ideal erblicken zu sollen. Wir vergaßen der Scfira- Lehre und wollten nicht ferner zählen. Die Emanzipation bäuchte uns die Verwirklichung aller Hoffnungen der Väter; in ihrem Besitz hatte sich für uns die Ausgabe des jüdischen Volkes erschöpft. Kurzsichtige Thorhcit, die uns von den! rechten Wege ablenkte, die nnS dem Gesetze Gottes entfremdete, die uns zur Untreue verleitete, die das Band zerriß, welches unsmit der glorreichen Vergangenheit unseres Martyriums verknüpfte! Nicht in den -Helden der Reform, nicht in den Pflegern einer die Wahrheit unserer Ueberlieferungcn verleugnenden Wissenschaft, nicht in den von vermeintlich national-jüdischer Begeisterung erfüllten Männern werden die großen Ahnen ihre Erben erkennen. Sie 'werden sie auch nicht erkennen in den hochgestellten Männern, welche sich ihrer jüdischen Abstammung zwar stolz rühmen, aber von der Verpflichtung auf die Beibehaltnng der Gesetze dcS Iudcnthnm sich ^cuLbnuden glaubten. Sie werden sic nur erkennen in den Männern und Frauen, welche die ewige Verpflichtung zur Ersüllnng dcS ganzen Iiidcnthumö anerkennen und ihre Kinder zu dieser Anerkennung erziehen. Sie werden nur in den Äekcnncrn dcS orthodoxen IndcnthnmS ihre wahren Enkel erblicken, nicht nur Leib von ihrem Leibe, sondern auch Geist von ihrem Geiste. SchrWMWk MDgk». Vou Pentel. I. ' Unser Zeitalter zeichnet sich dnrch bedeutende Entdcckttligen und Erfindungen auf gllen Gebieten der technischen Wissenschaft aus. . Kein Korn jedoch ohne Spreu, kein Gold' ohne Schlacken. Der. erfinderische Geist unserer Zeit hat auch die Kunst der Fälschung 'in erschreckendem'Umfange vervohkoummct. Unsere Eltern hätten cs sich wahrlich nicht 'träumen lassen, daß ihren. Kindern die allcrge.wöhnlichstrn und allcrumnt» bchrlichsten Nahrungsmittel verfälscht werden könnten, 'daß׳ die Kunst der Fälscher, sich auch hieran bewähren würde, und die für die gesunde Erhaltung des menschliehen Körpers zuträglichsten Nahrungsmittel mit giftigen und schädlichen Elementen versetzt werden könnten. Sie hatten nicht geahnt, daß einmal die zwingende Noth- Wendigkeit an den Staat herantreten würde, eigene״ NahrnngSmittel-UntcrstlchungSämter cinznsetzcn, Speisen und Getränke sorgfältig auf ihre Reinheit und Nnvcrsälschthcit untersuchen zu lassen, und die Fälschet mit empfindlicher Buße zu bedrohen. Würden in unseren Tagen nicht derartige weise Maßregeln von den Regierungen getroffen 'worden sein, so würde die' Ge» sundhcit, ja das Leben vieler Tausende tagtäglich durch die Fälschungen bedroht scheinen. Was aber die Nahrung dem Körper, das sind Lehren und Anschauungen für׳ den Geist. Und wie traurig ist eS hier bestellt! Niemand nimmt sich seiner an, keiner trägt für dessen Nahrung Sorge und wacht darüber, daß nur gesunde und heilsame Elemente ihm zngeführt werden, daß nicht auch hier die Fälscher ihre verderbliche Kunst versuchen. Und dabei ist cS doch allbekannt, daß gerade in unserer Zeitder Künstler gar viele sind, welche die geistige Nahrung zu fälschen sich zur Aufgabe gestellt, daß diese Fälscher an Zahl die NahrnngSsälschcr um das Zehnfache überragen. Sic üben ihre Kunst mit der Feder und vcrgiften durch ihre Schriftstellcrci die geistige Nahrung dcS Volks. Warum widmet sich nur selten Jemands der verdienstvollen Arbeit, der verschmitzten Kunst dieser im Dunkeln geübten furchtbaren Fälschung nachzuspnren und sie anszudecken? Wir reden hier nicht von den verderblichen apostatischen־ und ncologischcn Lehren, die auf offenem Markte durch. Schrift und Wort verbreitet werden. Diese liegen jedem verständigen Kundigen klar vor Augen, so daß vor ihnen gewarnt werden kann; und vor ihnen wird auch in der That gewarnt. Unendlich aber ist die Propaganda für die vcrderblichsten Ideen dnrch gang und gäbe gewordene Bezeichnungen, glänzende Worte, schillernde Rcdcsignren, hochtönende Phrasen. Sie blenden, sie nehmen den Sinn gefangen. Sic klingen so schön, bestechen durch ihre Form, sie sind so leicht und handlich. Der Leser ist nur allzu geneigt, sich von ihnen verführen zu lassen; sie dünken ihm köstliche Steine aus t׳äw Diadem der jüdischen Lehre und des jüdischen Wesens, und in Wahrheit sind es nichtnur falsche Steine, sondern geradezu Gift und T y.d in sich bergende Hülsen. Sic sind thcilS aus den Verderben bringenden Elementen einer vollendetcn Ncologie oder einer die jüdische Wahrheit vcrleugnenden Anschauung zusammengesetzt, IheilS kunstvoll ans langsam wirkenden.Giften zusammcugemischt. Sie schleichen sich in die Vorstellungen der Menschen ein und^ nehmen diese nach und nach so förmlich in Besitz, 6aß sie Verstand und Gcmüth beherrschen. Man leistet

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