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Jeschurun · 1887-05-05 · Heft 18 (5.5.1887) · p. 279

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 18 (5.5.1887)
Article
Die Unruhen in Tunis
Date
1887-05-05
Page
279 (sequence 3)
Language
German
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279 Kultus und die Schulen vor Noth schützte, geschah nichts für den israelitischen Kultus, sogar seine fast einzige HülfSquctte, das Monopol deS Fleischverkanss in den israelitischen Schlächtereien, ist schon bedeutend geschmälert worden und scheint noch anderseits bedroht durch die neuen Verordnungen für die Schlachthäuser. Daher ist der sich selbst überlassene israelitische Kultus, ohne Verwaltung, ohne genügende Mittel, die-Quelle zahlloser Schwierigkeiten geworden. Um ans die Kirchhofsfrage zurückzukommen, so bin ich der Ansicht, daß die Stadtbehörde richtig gehandelt, daß sie' die Juden lieber auf gleichen Fuß stellte mit den Europäern und nicht mit den Arabern; aber zugebcn muß ich, daß sie bei dieser Gelegenheit weder Takt noch Maß bekundete. Sie hat nicht die Rücksicht walten lassen, die eine Bevölkerung verdient hätte, welche so lange unter arabischer Herrschaft gelebt, ja nicht einmal die Vorsichtsmaßregeln, welche man den Katholiken gegenüber genommen. Als es sich darum handelte, den katholischen Gottesacker zu einem städtischen zn machen, hat die städtische Verwaltung zuerst lange mit Mr. Lcwigerie unterhandelt, hat ihm alsdann den Kirchhof abgckanft und bezahlt, hat ihm alle Garantien, die er forderte, gewährt; dann hat sie den Dienst übernommen, so daß die Kasse der Gemeinde vollständig entschädigt wurde, und hat endlich, trotzdem der Handel abgeschlossen, die katholische Kanzlei damit beauftragt, sich mit dem Publikum zu verständigen, um vorsichtigerweise ־ eine plötzliche Storung in den Gewohnheiten.der Bcvölkerung zu vermeiden. ' Was die Juden betrifft, so hat die Behörde über sie bestimmt, ohne sic. zn befragen ׳ man hat den Kirch- Hof nicht gekauft, derdoch das Eigeuthnm der Juden ist; man hat der jüdischen Gemeinde den kostspieligen Theil des DcerdignngsdiensteS überlassen, Ulid hat sie des ThcilcS beraubt, der sie nichts'kostete, sondern für sie eine wichtige Einnahmequelle bildete, und jetzt durch die VcerdigmigStaxe schwer belastet ist. Ich bin der Uebcrzengnng, daß wenn die Behörde den gesamrnten Beerdigungsdienst übernommen, wie sie es für den katholischen Kultus gcthan, diese Maßregel nicht so unpopulär geworden." DaS mag richtig sein; aber ^eS rechtfertigt nicht das Verlangen nach einem französischen Kousistorimri. Man gewähre den Gemeinden selbst die nöthigc Autorität - und überlasse ihr. die Vertretung der jüdischen Augelegenheiten. Das dürfte das Angemessenste sein. Ein Telegramm bringt die Nachricht von einem Todtschlag eines israelitischen Kindes. Anbei der Text desselben: Sfax, 24. März. Gestern gegen 0 Uhr verschwand Hamous, Sohn des Nahmin Ankri; der fünfzehnjährige Knabe ging in die Schule. Nach!nützevollem Suchen fanden wir heute gegen 8 Uhr Morgens seinen Leichnam, welcher an! Ende der Stadt, bei der FestnngSmauer verscharrt war; nachdem die Behörden konstatirt hatten, daß das Kind umgebracht worden, begruben wir es. Man hat Blntspnrcn Ln dm Straßen vorgcftmden. Das Gericht hat Untersuchungen angestellt, um die Schuldigen׳ zu entdecken. ׳׳: , , Das Warze W. Don Friedrich Rott. - . * ־; (Nachdruck verboten.) Draußen heulte der Wind, prasselnd schlug der Regen gegen die Fenster. In feinem freundlich erhellten, mild durchwärmten Studierzimmer saß der Rabbi an dem obern Ende eines großen Tisches, um den sich eine Anzahl junger Leute reihte. Alle hatten das Haupt bedeckt und blickten eifrig in Folianten, deren Blätter jene seltsamen krausen 'Zeichen deckten, die die rabbinische Schrift kennzeichnen. Die jungen Leute gehörten sämmtlich dem Handelsstandcan, ihre. Mußestunden nützten sie jedoch, um unter Leitung des attverehrten Rabbi einzndriugcn in die Lehren des GottcSgcsctzeS, in das so viel geschmähte Labyrinth dcä Talmuds. Der Rabbi trug vor, hin und wieder unterbrach ihn einer der Schüler durch eine Frage' oder durch einen Einwand, und dann entspann sich zuweilen eine recht lebhafte Diskussion. Plötzlich fuhr ein helllenchtcndcr Blitz׳ im Zickzack durch das Zimmer, und unmittelbar darauf rollt-e krachend ein lang anhaltender Donner. Die jungen Leuten waren erschreckt zusammengefahrcn, der-Rabbi hatte sich erhoben und sprach mit lauter Stimme den vorgeschricbcncn SegeuSspruch, den die Schüler, gleichfalls stehend, flüsternd wiederholten. Nur einer von ihnen war über seinen Folianten geneigt regungslossitzen geblieben. ״Warum hast Du denn nicht Brochoh gemacht, Rüben?" fragte ihn sein Nachbar, indem er sich an seiner Seite wieder niedcrlicß. ״Brochoh gemacht?" wiederholte der Angerrdete, indem er befremdet ansblickte, '״weshalb denn Brochoh?" ״Du niußt geschlafen haben," entgcgncte der Andere im Flüsterton, denn der Rabbi hatte seinen Vortrag bereits wieder ausgenommen. Doch auch dem Nabbi-war das zerstreute Wesen seines Liebtingsschülers nicht entgangen. Leo Rüben, sonst der eifrigste unter den lernbegierigen jungen Leuten, saß heute thcilnahmlos da, .starrte wie abwesend in das vor ihm aufgeschlagene Buch-, und hatte sicher

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