Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1887)
- Article
- [Rezension] / X.
- Date
- 1887-04-28
- Page
- 267 (sequence 3)
- Language
- German
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267 Judenschaft beruhe; die evidente Unmöglichkeit derartig ins Gchciiue getroffener Stipulationen oder in instinktiver Analogie allüberall sich geltend machender Manipulationcn zu einem gemeinsamen Zweck liegt auf der Hand; das ganze Märchen ist einfach ein scntationcllcS Phantasiegebilde intoleranter Fanatiker, ein Horoskop ohne Konstellation, ein körperloses Wesen, wie jede Hypo׳ thctische Behauptung, der eine konkrete Basis fehlt. Wer gegen einen friedlichen, aber intelligenten und rastlos thätigcu Mitbewerber mit vulgären Suaden agitirt oder ihm nur mit roher physischer Gewalt zu imponircu und den Vorrang streitig zu machen sucht, wer darnach trachtet, ihn durch Jntrigue oder brutale Denunziation und wüste Angriffe zu beseitigen, ist ihm a priori erlegen und stellt sich demselben gegenüber propria manu ein vielleicht unfreiwilliges, aber offenkundiges Zeugnis; der Schwäche ans!" In gleicher Weise betrachtet er ״die andere Vision", die verjüdclndc Presse, ״die in der camcrri, obseura der antisemitischen Phantasie ihr Spiel treibt." Er schließt seine Untersuchung mit der Betrachtung: ״Besorgnis; und Furcht vor eine! Gegnerschaft, die bis jetzt nur als legale Konkurrenz neben uns arbeitete und strebte, führen sich von selbst ad absurdum und enthüllen uuö nur cin tostimoniutu pauperlatis in schönster 'Form, durch das wir uns selbst blosstcllcn und vcrdächtigcn, statt die imaginäre Gefahr durch ehrliche Arbeit und energischen Wetteifer zu paralysiren." Wenn der Verfasser sich selbst nicht von dem Vorurthcil gegen die Inden frei zeigt, so tritt um so mehr sein Gerechtigkeitsgefühl chcrvor, das ihn über den Antisemitismus den Stab brechen läßt. X. Korrespondenzm!nid Nachrichten. Deutschland. C. Berlin, 22. April. Der von Herrn Stöcker seinerzeit. als einer seiner Gewährsmänner namhaft gemachte Dr. Morgenstern hat in Wien, anscheinend von bitterer Noth getrieben, seinem?eben freiwillig ein Ende bereitet. Herr Professor I)r. Herman Strack in Berlin verösfentlicht über ihn das folgende, an die Redaktion der ״Jüdischen Presse" gerichtete Schreiben, welches, vielleicht auch für weitere Kreisenicht ohne Interessesein dürfte. ״In der ״Jüdischen Presse" vom 7. April, Nr. 14/1.5, S. 1 19, .finde ich einige Notizen über das traurige Ende des Dr. Jesaja Morgenstern. Da.der unglückliche Mann in den letzten Jahren seines Lebens ans allen Seiten Feinde, nirgends Helsende Freunde hatte, und י da er mm nicht mehr für sich selber sprechen kann, treibt mein GcrechtigkeltSgcfühl mich, Ihnen einige Worte zur Richtigstellung mit dem Ersuchen um Aufnahme in die ״Indische Presse" zu übersenden. 1) Dr. I. Morgenstern ist nicht zinn Christcnthtun übergetrctcn. 2) Er hat meines Wissens nur einen Artikel geschrieben, an dem das ganze Judenthum mit Recht Anstoß nehmen konnte, den über den Eid im ״Deutschen Tageblatt" 1885, Nr. 25, 27 (wesentlich gleich vorher in ״Staatsbürger- Zeitung" 1684, .Nr. 304). In Bezug hierauf habe ich schon im Dezember 1865 veröffentlicht: ״Als wir (Dr. Morgenstern und ich. am 13. Mai 1865) dann das in jenem Artikel Gesagte besprachen, bereute Dr. Morgenstern, so, wie er gcthan, geschrieben zu haben. Seine Absicht sei auf Empfehlung des religiösen Eides im Allgemeinen gerichtet gewesen; er werde, wenn er Gelegenheit habe, die Arbeit wieder drucken zu lassen, sich namentlich über Kol Nidre, ganz anders äußern." In liebere in ftimmmig hiermit hat Dr. Morgenstern in der ״Boss. Ztg." vom 6. Nov. 1665 (Nr. 519, Beilage) von Wien ans (Brief vom 4. Nov.) erklärt: ״Ich habe betreffs meiner Arbeit mit Herrn Professor Strack.... lange Unterredungen gehabt und gestehe offen, das; ich .... mit ihm in Bezug auf das Kol- Nidrc-Gcbct der Juden am VersöhnnngStage ganz übercinstimmc." Dr. Morgenstern hat somit das Unrecht, welches er durch Abfassung jenes Artikels begangen, durch öffentliche und private Erklärung wieder gut zu machen gesucht, und er hat, namentlich in den letzten Jahren seines Lebens, so viel Noth gelitten, daß man deS kennt»ißreichcn, wohl schwach, aber nicht schlecht gewesenen Mannes mit herzlichem Mitleid gedenken muß- Die Annahme, Dr. Morgenstern habe ttt Berlin ״viele Jahre sein Unwesen getrieben als bezahlter Handlanger unserer Todhasser", beruht meiner lieberz'engnng nach ans Verwechselung mit einem anderen im Jahre!665 viel genannten Littcraten, dem Dr. pbiladclpbian M., dessen Namen ich nicht nennen will, zumal da Sic auch ohne Nennung wissen, wer gemeint ist. Hochachtungsvoll ergebenst Dr. tli. Hermann L. Strack, Professor der Theologie." — Die Redaktion der ״Jüdischen Presse" fügt diesem Schreiben die folgenden Bemerkungen hinzu: ״Auch uns trieb daö Ge׳ rechtigkeitSgcsühl, die Zuschrift des Herrn Professor Strack in vollem Wortlaute nützutheilen. Wir bemerken hierzu in Kürze nur, daß wir augenscheinlich über die journalistischen Leistungen dcö Herrn Morgenstern und über die Vorgänge innerhalb gewisser konservativ-antisemilischcr Blatter ungleich besser unterrichtet sind, als Herr Professor Strack, da er sonst hätte wissen müssen, daß Morgenstern in der That ״alsbezahlter Handlanger .unserer Todhasscr" mit den schamlosesten.Prcßcrzcugnissen in Mcrr^ Vlatten, ״sein