Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1887)
- Article
- [Rezension] / X.
- Date
- 1887-04-28
- Page
- 266 (sequence 2)
- Language
- German
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266 Er wendet sich sodann zur Erörterung der Frage, ob etwa die Verschiedenheit der Nasse die wirkliche Ursache des VornrtheilS gegen die Juden sein könne. Er entrollt zu diesem Zwecke ein Bild des Geschickes, welches den Juden seit zwei. Jahrtausende von Seiten ihrer Mitmenschen bereitet worden. Wir heben aus dieser Schilderung Einiges hrraus: ״Nie hat eine Nation durch Physische und moralische, sagen wir lieber unmoralische Bedrückungen, dergestalt zu leiden gehabt, als die jüdische Welt in ihren einzclncn Individuen, und eS ist nur bcwuudcruswcrth, daß diese verachteten, wegen ihres schwächlichen und unterwürfigen Charakters so namentlich viel verhöhnten und geächteten Juden, daß gerade sie-durch viele Jahr- Hunderte hindurch und trotz permanenter und methodischcr Unterdrückung ihrer Religion mit exeuiplarischcr Zähigkeit au dieser fcsthicltcu, jedem Martyrium zum Trotz, eS ist bcwuudcrnSwerth, daß cS überhaupt noch Menschen gicbt, die sich Juden nennen und nennen lassen, da diese Bezeichnung, kommt sic ans dem Munde eines Andersgläubigen, nur noch wie eitel Spott, Schimpf und Mißachtung klingt. Dem Inden wurden nie bürgerliche Ehren und Rechte bttgemcsscn, er durfte an keiner Konkurrenzpartizipiren, nahm keinen Anthcil an den vitalen Interessen des Staates, in dessen Grenzen er lebte, er durste das Kapital seines Könnens und Wissens ungestraft nicht vcrwerthen. Der Jude war durch die allerorts gegen seine Person dominire-ndcn Vorurthcile kategorisch und zum voraus dazu verurtheilt, seine Subsistenz unter dcu Fittigen der Nacht den brutalen und despotischen Gesetzen zum Trotz zu suchen; der Jude wurde förmlich methodisch tomimpirt und physisch gcnöthigt, im Trüben zu fischen, da er keine Möglichkeit vor sich sah, im Tageslicht und an klarer Quelle sein elendes Dasein zu fristen und einen ehrlichen und anständigen, Lürgcrlichcn Beruf ansznüben." Der Verfasser kommt, zu dem Schlüsse, daß ״der Charakter der Juden unter dem Joche, daß sic drückt, -von Generation zu Generation immer mehr degcnerirte und mit der Zeit jene schmutzige Nuance in Wahrheit als Grundton annahm (??), die man ihm von jeher zum Vorwurf gereichen ließ, daß die Juden -selbst auf alle Weise verspottet, verachtet und karrikirt wurden," und ׳er ist gerecht genug, zu erklären, -daß ״die Ausnahmestellung derselben keine Folge ihrer Charaktcrmäugcl, diese vielmehr die Konsequenz der Ausnahmegesetze sind." ',.Wir verachteten also," fahrt er fort, ״in dem schmutzigen Juden, wie er nnö hier vorschwebt, wie er aber von einem Jahr zum andern seltener wird, bis dahin nur den Nachkömmling zahlreicher Geschlechter mißhandelter, geknechteter und in Folge davon jeder bessern, humanen und heroischen Eigenschaft entblößter (??) Krämer und Wucherer, denen aber andererseits gerade - wir oder unsere Vorfahren alle Aussichten nahmen, Menschenwürdigerer Existenz leben zu können und große Charaktere zu zeitigen; wir hegten quasi nur gegen das Produkt unserer eigenen Barbarei und Intoleranz jene Aversion, die neuerdings wieder in anderer Form so tiefe Schalten in unser soziales Leben wirft; kurz und gut: wir vcrachteten die Semiten ihrer obskuren Vergangenheit und ihrer durch diese bedingten, durch unsere brutale Härte großgczogcncn Charaktereigenschaften wegen." Er meint, der Ucbergaug zu der völligen Gleichstctlung des Juden ans dieser tiefen Gesunkenheit sei zu plötzlich gekommen, und cr habe nicht so schnell die durch diese ihm aufgczwungene niedrige Stellung ihm anhaftende Mängel ablcgcn können und meint: ״So lange der Jude jene Aufdringlichkeit, sein ganzes taktloses und nnqnalisizirteö Gcbahrcu nicht ans seinem Wesen und aus seinen NmgangSformen bannt, wird er als 80! disaut Parvenü den höheren Ständen nur vornehme Indignation, den nicdern ogressive Antipathie abnöthigen." ‘ Man sieht, der Baron Pawel-Nammingen ist kein Judensrcnnd. Trotzdem verurtheilt cr aufs Schärfste die antisemitische Bewegung, die nichts Geringeres zum Ziele habe, als ״möglichst üo facto wieder ein Stückchen deö mitternächtigsten Mittelalters in unser!« modernen Jahrhundert zu provozircn, Ausnahmegesetze all honorem der Indolenz und als beiicficium für die Bornirthcit in Flor zu versetzen und die Juden vou Neuem der armseligen Lage zn überantworten, der ihr ganzer Stanun seine oft gelästerte Degeneration zu danken hatte." Er weist die Behauptung, daß das germanische Element dcS deutschen Volkes vou dem jüdischen verdrängt werde, als unhaltbar zurück, und ebenso die -!!deren Schreckgespenster: ״das.jüdische Geld" und die ״jüdische'Presse". ״ZweistlloS und unzweideutig kennzeichnet sich von selbst damit nichts weiter als eine stupide Mißgunst und die armselige Unfähigkeit, aus den! gegebenen Beispiel praktischen Nutzen zu ziehen und zu lernen, um alsbald dem günstiger sitnirteu n!!d auch ursprüng-!ich glücklicher begabten Nebenbuhler mit A1!S sicht auf Erfolg an die Seite (wir sagen mit Vorbedacht nicht ״entgegen") treten zu können.' Man ist in antisemitischen Kreisen trivial genug, den ungebildeten und lcichtbcthörten Massen durch fabelhast übertriebene Berichte und Erzählungen beweisen zu wollen, daß dies ganze Gebähren mit seinen inhumancn Zielen auf stillschweigender/ internationaler ׳Vereinbarung, aus einen! Kourplot der gesammten