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Jeschurun · 1887-04-28 · Heft 17 (28.4.1887) · p. 259

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 17 (28.4.1887)
Article
Das neueste Manifest der Reform
Date
1887-04-28
Page
259 (sequence 3)
Language
German
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269 die unsinnigsten, auf keinem andern Fundamente als der ausschweifendsten Phantasie sich stützenden Hypothesen gesetzt. Diesen werden einige nach Willkür an$ dem Indenthnme hcranSgcgrisfcne und nach Laune entstellte Sähe hinzugefügt, und das also eigener Thorheit entstammende Konglomerat wird sodann als jüdische Neligion anSgegcbcn. Wenn es schon einen nicht geringen Grad geistiger Verirrung erheischt, um an der Wahrheit dieser Rcligion zu glanden, die sich so buntscheckig präsentirt, wie Geschmack, Laune 1111b ankere Umstände variircn, so tritt der geistige und silrliche Defekt in grotcSkestcr Gestalt in die Erscheinung, wenn diese Verirrung in Fanatismus und dieser Fanatismus in ZetotiSmiiS auSartct. Die bisherige Geschichte der Reform ist die Geschichte eines solchen fanatischen ZeloliSmns der Vcrirrnng, und das hier vorliegende neueste Manifest der Reform legt von diesem blinden Will Heu eines vcrirrten Geistes ein erneutes trauriges Zcngniß ab. (Schlug folgt.) Anlisemilisiittls. Kleine Studien von 0!׳. Theodor H a o s e, ul>il>rlsch׳schlesischem Superiutcudcutcu und Mitglied de>< ögcnnchijchcll Ukcichtir>nhi<. (Schluß.) 11. 111 i f c m itiS m u S 11» d A u a ch r 0 1!.׳S n s. A n!! - semitische Logik. Wenn die Antisemiten in wilder Leidenschaft die große Trommel schlagen und durch ihr frivoles Geschrei den Verstand, das Gefühl und die Menschenwürde in allen ׳.lnbefangenen Zeugen gleich schwer beleidigen, so denktman unwillkürlich an den Koiybaiitailäln! in der bekanilten alten Mythe. Nur ist cS hier nicht ein junger ZcuS, dessen Existenz durch den Lärm der Priester verheimlicht, sondern ein alter verschrobener Wcchselbalg, dessen unschönes Gliedcrzncken unter den! Getöse unserer modernen Korybanten' der Welt den Beweis jngcndkrästigen Daseins cinbringcn. soll. Der Antisemitismus ist, um bei -dem griechischem Bilde zn bleiben, ein verunglückter Sohn des ChronoS, welcher eS Werth ist, von feinem Erzeuger verschlungen zn werden. Wie jenem Anachronismus, ist ihm der tzipokratischc Zug inS Gesicht geschrieben. Er tritt als eine Erscheinung ans, welche mit dem Geiste der Zeit, in der wir leben, mit der Stnsc der Zivilisation, die lvir evffoinntcii haben,, mit der Humanität, deren wir uns rühmen, mit bat Einrichtungen des modernen Staates, aus die wir stolz sind, und mit den ewigen Wahrheiten der christlichen Religion, die wir bekennen? im offenen Widerspruche steht. Eine solche Erscheinung kann sich zwar wie ein von kräftiger Hanb geworfener' flacher Stein eine zeitlang tänzelnd über bau Wasser halten. Aber das Naturgesetz ist stärker als die nachg, wirkende Kraft der Menschenhand, das Gesetz' ber Schwere zwingt den Stein gegen den Willen dcS' Schlenderers unter die Flnthen, und die Geschichte' geht .über den Widcrsilln doch immer wieder zur TägcSordnlmg über. . : ' ״ ' ‘ ' Man kann nicht behaupten, daß der Autisenlitiö^׳ müS immer AllachroniSmnS gewesen sei. ÄlsCälignla' seinem Statthalter in Phönizicn, PctroninS, den Anstrag j gab, seine, des EäsarS, Kolossalstatne im Allerheiligsten ' des Tempels zu Jerusalem aufznstellcu, wollten; blc; Juden lieber sterben, als die Schändung ihres HeiligthllNlS erleben. Zn Tausenden zogen sic nach PHÜnizlen;' ihr Wchgchcnl erfüllte die Luft, und auf bei!־ ßniciO crstchten sic von PctroniliS die Alnvendtiitg deö .drohaiden Unheils. Es gab keine Leiden, keine Marter,'' leine Bcrsolgllng, durch welche der Befehl des Kaisers; noch hätte übertrofsen werden künncu... Und doch mutl/etc * iljucu Ealignla nur zn, ihm dieselben göttlichen Ehren. zu erweisen, welche er von seiner Nation und der gaüzcn' Menschheit in Anspruch nahm, und die Anbetung von׳' Götzenbildern zur Zeit der ersten römischen Kaiser war׳, kein Anachronismus. Die Verfolgungen, unter Claudius, lind Nero trafen Inden niib Christen zugleich; aber 'der mit den Normalwaffen, deren sich der römische. EäsariSmliS zu. bedienen pflegte, geführte Kanipf gegen ' Beide entsprattg der Besorgnis; der Heiden, der tiiuj sich ׳greifende Monotheismus würde die alten Tempel' itts Wanken bringen und die Götter der Natjon der. öffcntlid)cu Verachtung preisgeben. So lange man״ bei! Tod auf beut Scheiterhaufen als die' gerechte, N'ohlverdieutc utib sehr geciglletc Strafe für Hexen und Zauberer, Rebellen itnb .Ketzer atlsah, clltspmchen die' Verfolgungen der Inden cbelisalls dem Geiste und den׳ Sitten der Zeit. Der Ketzer wurde verbrannt und der Jude wurde verbrannt. Das war entsetzlich, gransain, ׳ aber kein Anachronismus. Am allerwenigsten wird, lnau den Judenverfolgungen vor Christus einen anächro?. nistischcn Charakter bcimesscn können. Zwar behauptet Joseph Kopp in feinem Buche' ״Zur Iildalsrage", der Antisemitismus sei genau so \ alt als das Christenthnm. Das ist jedoch nur theilweise, llämtich nur insofern richtig, als mau unter v Aiitisciilit'iSmnS die Verfolgung .der Inden durch die' Christen aus Neligionshas; versteht. Aber die Feind- : schast gegen die Inden, welche man.um ihrer hervorragenden physischen mtö geistigen Begabung willen ln. psychologisch erklärbarer Stufenfolge erst herbciholte und', gern sah, später beneidete, dann haßte, endlich verfolgte, :

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