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Jeschurun · 1887-04-21 · Heft 15-16 (21.4.1887) · p. 236

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 15-16 (21.4.1887)
Article
Das neueste Manifest der Reform
Date
1887-04-21
Page
236 (sequence 4)
Language
German
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236 in ihr Gegcntheil verkehrenden Standrede einige schüch- Lerne Worte entgegenzustellen. (Schluß folgt.) . K! kn AnßschaKer Hrilfeßetr. N UoLLerdam, 8. April. Amsterdam, die Hauptstadt von Holland — Haag ist die' Residenz — genießt jedes Jahr im April die Ehre der Anwesenheit Sr. Majestät des Königs nebst Familie. Wenn alljährlich große Vorbereitungen für . den würdigen Empfang und die festlichen Veranstaltung'cn während der Anwesenheit der königlichen Familie getroffen werden, so nt es in diesem Jahre in ganz besonderem Maße der Fall. Amsterdam hat' die Feier des 70. Geburtstages Sr. Majestät bis aus Höchstdessen Anwesenheit in seinen Mauern verschoben und will und wird nun zeigen, was es kann. Der ״N. N. C." erhält von seinem dortigen Korrespondenten ausführliche Berichte über die Vorbereitungen; einen davon, gerade weil von nichtjndischer-Seite herrührend, gestatte ich mir, hier in Ucbersctzuug zu rcproduziren. Das Amsterdamer Judenviertel ist noch immer schön, wenn es auch schon viel von dem Malerischen verloren hat, seitdem auch hier Polizeivcrordnungen und Straßenreinigungsdienst ihre Autorität zur Geltung bringen. ״Haben wir keine Maler und keine Schreiber mehr?" fragt man sich unwillkürlich, wenn man auf einer Entdeckungstour durch die St. Anthonie- und Jodenbreestraat, die beiden Hontstraten, die Valkenbnrgerstraat (Vlooienburg und Uileuburg) von so viel Farbe und Leben getroffen wird, von so viel Eigenartigem, das auf Schritt und Tritt unser Auge fesselt. Schön, im spröde-konventionellen Sinne, ist das Amsterdamer Judenviertel nicht, aber charakteristisch, ungem'ein packend! Das Kolorit sitzt hier fingerdick auf jedem Gegenstände, er sei beseelt oder unbcscelt. Und Licht? NembrandtS Schatten irrt noch stets in dem Viertel, umher, in dem er einst gewohnt. Ich habe heute Gruppen spielender Kinder gesehen, Krausköpfe mit schelmisch strahlenden Augen, farbige ShawlS kreuzweis um die Brust geknüpft, einen hochroth türkischen Fez oder eine Oranjemütze ans dem Kopse, Kinder, wie sie die Maler der alten Schule ans ihren Gemälden ״verengelt" nnd verewigt haben. Welch ein Stofffür naturalistische Schriftsteller, diese Richtung im guten Sinne genommen. Denn wer gern in Pornographie ״macht",, oder niedrige Gemeinheit sucht, wird hier wenig für seinen Geschmack finden. Auch ernstliche Konflikte mit der heiligen Hermandad kommen hier nicht vor. Es wird wohl auch krakehlt, und dann kommt ein Vertreter der öffentlichen Ordnung dazwischen, aber frage ihn nicht, , was der Grund: des Streites ist. Er weiß es so wenig wie Du: 06״h, zeker negotie, myüheer.י) Wohl herrscht hier Leben und Bewegung, aber׳ keine Gemeinheit, keine Skandale. .Die Juden sind die ruhigsten^ Bürger der Hauptstadt, wenn sie auch ״viel Leben in die Brauerei" bringen, nnd ihr Viertel ist noch immer eins der merkwürdigsten von Amsterdam. In den jüngsten -Tagen ist das Gewühl und Gedränge auf die Spitze gestiegen,-— so sollte matt meinen, wenn man nicht wüßte, daß niorgcn, vor Beginn des Sabbaths, diese Spitze erst erreicht werden wird; doch hat man eS heute bannt schon zn einer ansehnlichen Höhe gebracht. Es herrschte das gewöhnlichc Gestoße und Gedränge der durch einander schiebenden und stoßenden Karren, an denen die. kauflustige Menge sich feilschend entlang schiebt, nur vermehrt durch den fieberhaften Eifer von Männern nnd Frauen, welche die Straßen und Stege und Gäßchen zn Ehren König Wilhelms schmücken: des Königs Wilhelm, den sie verehren als den Vertreter, als die Pcrsonisizirnng der Autorität, die ihnen die Freiheit nnd Rechte verbürgt, welche ihnen nach Jahrhunderte langer Unterdrückung nnd Prüfung zn Theil geworden sind, als Lohn für so viel Selbstvcrläugnung nnd nie versagenden Lebensmuthes! - Es waren die gewöhnlichen Rufe, welche die Luft durchhallten, nicht zu cnträthseln nnd doch verständlich, mit denen Dieser seine Galanteriewaaren, Jener seine harten Bückinge, ein Anderer seine Gemüse und Früchte, ein Vierter seine Gurken und gebratene׳ Leber, ein Fünfter seine Apfelsinen und Zitronen ausbot, aber '.Alles übertönten die Anbictnngen zu Spottpreisen von Oranjckokarden, OranjebuketS, Oranjcschleifen, papiefetten Fähnchen, dreifarbigen Rosen: ״Yoor twee .sjo.nten bcn jo nasionaal Draag je ’t nict hon j'on sosial!1 2״) Die gelungenste!^ Rufe hörte man jedoch anderwärts, in anderen Thcilcn der Stadt. Für ihre Glaubensgenossen. brauchen die israelitischen Hausirer ihre Dichtkunst nicht anznstrengcn. ״Jude, wie kannst Du eS nur dafür geben," rufen sie selbst in der Kalverstraat und lassen dann folgen: ״Je steckt ’t op je borst Yoor Yailerlatui eil Yoorsfc. Je steckt ,t op je hocd. Daar Staat Oranje goeil 1j Ach, sicher geschäftlich, Mynheer. -)1Für zwei Centbist Du nationoi, Trägst Du'ö nicht, bist ein Sozial(.Dernokrat).

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