Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 14-15 (7.4.1887)
- Article
- Alte Stadt-Augsburger, Nürnberger und Münchener Juden-Ordnungen
- Date
- 1887-04-07
- Page
- 227 (sequence 3)
- Language
- German
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337 Diese und ähnliche Vorschriften, wie beispielsweise die Vorschrift der Münchener Jnden'-Verordnung über das Verhalten der Münchener Juden beim Fischkauf an dem Fischmarktc, hängen mit den sozialen Gebrauchen und Einrichtungen der Juden zusammen, welche ein gleiches Verhalten der Christen gegenüber den Juden zur Voraussetzung hatten und deshalb gesetzlich festgesetzt werden mußten. (Fortsetzung folgt). KsrrespNtdcttZcn Md Nachrichten. Deutschland. * Hamburg, 26. März, Wiederum sind , hier arnte jüdische Passagiere, 25 an der Zahl, aus Amerika angelaugt und zwar mit den! Dampfschiff ״Kestrcl", welches von Ncwyork am vergangenen Freitag ela traf.. Die Aermstcn hatten in Amerika ein gastliches Hein! zu finden gehofft, waren aber im Hafen am Ansschiffen behindert und gezwungen worden, unverzüglich nach Europa zurückznlchrcn. Das hiesige israelitische UnttrstützungSkoinitee hat sie jetzt nach Rußland befördert. W. München, 27. März. Am ersten Nissan feierte Herr M. Ett.crnheimcr, Vorsteher der Ohcl- Jakob-VercinS-Syuagoge, seine goldene Hochzeit. Die vielen Verehrer und Freunde deS Jubelgreises benutzten gern diesen Anlaß, um ihm ihre Hochachtung und Liebe zu bezeigen, auf welche er durch sein gemeinnützigeS und wohlthätigeS Wirken einen gerechten Ansprnch hat. Eine Deputation überreichte ihm ein Ehrengcschenk, und der Prinz-Negdtt ließ H)m ein huldvolles Glückwunschschreiben nebst einer Prachtbibel zustellen. . . * Worms, 4. April. Die Verwaltung des israelitischen UnterstützungSvereinS hat soeben ihren Bericht für daS 26. Vereinsjahr (15. Febr. 1886/1867) auSgegebcn. Es wird in demselben konstatirt, daß von den etwa 300 jüdischen Geme'mdemitgliedern nur 173 dem Vereine angehören, und darüber geklagt, ״daß eine große Anzahl zum Thcil bemittelter Familicn die Wohllhatcn, die der Verein ihnen erweist, indem er sie vor dem lästigen HauS- und Straßenbcttel schützt, als etwas Selbstverständliches entgegennehmen, ohne den dafür schuldigen Dank durch den Beitritt zu dem Verein und durch Förderung seiner Bestimmungen abzustatten". Der Verein hat damit, wie uns scheint, sich selbst hinreichend gekennzeichnet. . Er ist weniger für die armen Hülssbedürftigen bestimmt, um deren Noth wirksam zu lindern, als zum Schutze der Begüterten gegen die lästige Bitte der Armuth. Demgemäß׳ sind auch die Gaben sehr winzig. Sie betragen an Handwerker etwa 75 Pfennige, an GewohnheitSdettler 1,25 Mark, an Kommis 60 Pfennige, an verschämte Arme 1 Mark, an Schüler und Handelsleute 65 Pfennige, an Lehrer, Gelehrte und Künstler 60 Pfennige u. s. w. Ganze Familien, die regelmäßig unterstützt werden, erhalten etwa 14 Mark pro Jahr. ES ist deshalb auch kein Wunder, daß der Verein an Arme nur 2763,85 Mark verausgabte, dabei aber einen Aufwand an Verwal- Lungskosten von 870,65 Mark machte! Oesterreich-Ungarn. l>. Wien, Ende März. Sie haben von dem famosen literarischen Untcrnchincn. der mysteriösen Herausgabc eines deutschen Schulchan-Arnch keine Notiz genommen. Es dürste Sie jedoch interessircn, positiv zu erfahren, von welcher Seite dieses Werk, welches noch nicht geboren werden kann, weil die Mittel zur zur Hcrstcltttng fehlen, die durch Subskriptionen k* schasst werden sollen, propagirt wird. Der vorgeschobene Basler Verleger, ein obskurer Mensch Namens Marugg, hat sich Mühe gegeben, auch den Geldsückel der Juden dafür in Kontribution zn setzen und deshalb den wahren Charakter desselben verheimlicht. Der gut jiibcnfcmblidjc. ״Oesterr. Bottsfrennd" erhebt aber jetzt seine Stimme für dieses Buch und schreibt folgendermaßen: ״Der streng wissenschaftliche Charakter der. Ucbcrsctzung macht dicsct.bc geradezu zu einem unentbehrlichen Hilfs- und Handbuche des jüdischen Rechts ׳für weltliche und geistliche Gerichtsstellen und Ministerien, und cS haben in der That neben Monarchen und anderen fürstlichen Personen viele solche Stellen bereits subskribirt; es fehlen aber uod) etliche Hunderte Subskriptionen, damit der Druck des im Manuskripte vollendeten Werkes beginnen könne. Mögen also jene Vorstände von Gerichtsstellen, sowie jene vermöglichen Privatpersonen (das Ganze kostet zirka 100 Mark), welche etwa an eine philosemitische Richtung des Werkes geglaubt, sich durch diese unbegründete Ber-mulhung von der ׳Subskription nicht abhalten lassen, sie leisten damit ihren christlichen Mitbürgern, um deren Schutz cs sich handelt, einen sehr wesentlichen Dienst. Das Werk, gehört zu bat durch die antisemitische Bewegung und insbesondere durch die rastlosen Bemühungen, der hie und da selbst im antisemitischen. Lager übelbcrufencn ״Talmud-Husaren" gezeitigten guten Früchten." Zuvor versichert er auf das. Bcstimiuteste zur Beruhigung sntisemitischer Genossen, daß er sich darüber an berufenster Stelle genau vcrgcwisscrt habe, daß eS ein gut antisctnitisches Werk sei. Mögen fid} nunmehr keine Juden dupiren lassen. , - k. Wien, 1. April. Zum ersten Mate hat der Antisemitismus in den Wiener Gemeinderath Eingang, gesunden. Bei den letzten Wahlen siegten zwei anti-