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Jeschurun · 1887-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1887) · p. 221

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1887)
Article
Unsere Seminarien
Date
1887-04-07
Page
221 (sequence 4)
Language
German
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221 Was nun die Methode des jüdischen Unterrichts ׳anbelangt, so bin ich stets über unsere Grammatiken erstaunt gewesen. Z. V. bei'der so schwierigen Lehre des Verbs habe ich in keiner Grammatik gefunden, daß dort in knappen, kurzen Regeln angegeben wird, wie z. B. aus der Fonn des Kal die übrigen sechs KonjugationSformcn gebildet werden;- und doch sind! diese Regeln so einfach und liegen so sehr auf der: Hand! Ich muß stets hier an eine Geschichte denken,' die, so viel ich mich erinnere, Braun-WieSbaden über seinen. Besuch einer Schule Konstantinopelö erzählt, die von:;7• :m berühmten Derwisch geleitet wurde. Derselbe^ ' unterrichtete gerade etwas Grammatisches und gab dabei seinen Schülern eine Menge von Regeln, wovon! jede einen Buchstaben des Alphabets behandelte. Braun überlegte sich die Sache zu Hause und fand heraus,• daß man den ganzen Wust von Regeln in zwei bis drei einfache zusammcnfasscn konnte, wenn man die, ' Buchstaben nach bestimmten Prinzipien eintherlte. Am anderen Morgen machte er den Derwisch mit seiner Entdeckung bekannt. Dieser hörte ihm ganz aufmerksam - zn und sagte ׳dann: ״Ja. Ihr Franken seid sehr kluge Leute, Du hast ganz Recht, so wird cö viel einfacher gehen, aber ich bleibe doch bei meiner Art, denn so habe ich es von meinem Vater gelernt und dieser cs von׳ dem scinigcn." , Daß nicht alle unsere Scminaricn in ihren Schülern die rechle Lust und Liebe für pädagogische Fragen erregen, kann man auch aus einem etwas äußerlichen Grunde schließen. ES r^ifltrt nämlich in Deutschland zur Zeit nicht eine einzige selbständige jüdisch pädagogische Zeitschrift. In letzter Zeit habe ich gehört, es solle eine erscheinen. Obgleich verschiedene Male schon solche anstauchten, haben sie ans-Mangel an Abonneutcn eingchcn müssen. Dieser Umstand kann einen doppelten Grund haben; einmal, daß die Redaktion nicht entsprechend war; dann hätten aber die Lehrer durch selbständige Beiträge dafür sorgen können, daß die Zeitschrift ihren Bedürsnissen entsprach. Der andere Grund würde aber der sein, daß die Lehrer diesen Fragen gleichgültig gegenüber stehen, so daß an ein Gedeihen solcher Zeitschristcn nicht zu denken ist. Ebeuso hört man von pädagogischen Verciucn unter jüdischen Lehrern, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, eigentlich sehr wenig, waö gerade auch nicht zu ihrem Vorthcilc spricht. Um mich also zum Schlüsse zusammen zu fassen: ich halte dafür, daß man bis jetzt in manchen unserer Seminarien viel zu wenig für die pädagogische Ausbildung der zukünftigen Lehrer gesorgt hat. Auch hoffe ich gezeigt zu haben, daß die Leiter unserer Seminarien praktisch.bewährte Schulmänner sein müssen, die in pädagogischer Beziehung Tüchtiges leisten und eine Garantie dafür bieten, daß . sie in den Seminaristen daö Interesse an pädagogischen Fragen zu erregen verstehen. Ist ein praktischer Schulmann gleichzeitig Nabbiner, so ist dieser der geeignetste Mali»- für einen solchen Posten, er wird dann seinen Schülern gleiche Lust an pädagogischen Fragen wie an religiösen Dingen cinzuflößen verstehen. - -; ¬ונוו¬ה Wch sit kt Mm-MMN. Nach dem Holländischen. *)• ■ '׳׳ .-'•׳- ׳•■ In den Oberländern von Niederländisch Guyana oder Surinam, sechSzig bis siebzig Kilometer südlich von der Hauptstadt Paramaribo, wo die tropische Natur in all' ihrer Kraft, in der reichsten üppigsten Vegetation das ganze Land gleichsam in einen prächtigen grünen Mantel, unendlich mannigfaltig an Farben und Schattirung kleidet; dort, wo der Boden zu steigen beginnt und die ersten felsigen Hügel, die Ausläufer der südliehen Bergketten׳ sich erheben, — dort dehnt sich längs des stolzen Surinam-Flusscö eine wellenförmige Ebene aus, die seit zweihundert Jahren den Namen ״Joden- Savanna" trägt.׳ Rings um die grüne Ebene erheben-sich "jene prächtigen Bäume, an denen Snriman so reich ist, ss unendlich verschieden an Form und Gestalt, an Farbe und Blätterschmuck; hier wohlthätig durch ihre Früchte, in ihren kostbaren Saften und Gummisorten, in Harz und Oel Schütze darbietend,׳ dort ihr stämmiges Holz für Wohnungen, und Schiffsbau, für Brennstoff und HanShaltungSgegenstände leihend. ׳! ■ Die Savanna, jene Ebene, hat in der Geschichte von Surinam eine wenig bekannte, aber belangreiche Nolle gespielt, sie theilte die Blüthe und den Versatt der Kolonie. Insoweit ihre kärgliche Geschichte mir den durstigen Stoff lieferte und ich aus eigener Anschannng dazu in: Stande bin, seien hier einige Details bez. der Savanna und'ihrer Bewohner mitgeLhcilt.; Die Juden, welche im sechszehntcn Jahrhundert in großer Anzahl in Spanien und Portugal wohnten und dort, besonders unter der Herrschaft der Mauren, zu großer Wohlfahrt und Reichthum gelangten, wurden 'nach deren Vertreibung-von den katholischen Fürsten des Landes sehr bedrückt und verfolgt. Um den Verfolgungen zu entgehen, halten sich Viele in dem neu entdeckten Brasilien niedergelassen, und obwohl sic auch dort von dem Hasse Andersdenkender viel zu leiden hatten; war cs doch vcrhältnißmäßig in weit geringerem Maße der Fall, als in Spanien'und Portugal. . *). Eigen IFaard. Een bezoek ann de Joden-Savanna, door G-. P. M. Ziram ermann, Kapitein der Infanterie. — Jood (plur. joden )= 3ubc. ■'-־ -•־ . :

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