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Jeschurun · 1887-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1887) · p. 218

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1887)
Article
Pirqe avot
Date
1887-04-07
Page
218 (sequence 2)
Language
German
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deine Schuld vor Gott. Und diesem dir in Vorhinein gezeichneten Lebenslauf kannst du in keiner Weise entgehen. Weder dein Werden noch deine Geburt, weder dein Leben noch dein Sterben, noch dein Erscheinen vor Gottes Tribunal zur Rechenschaft über deine^urückgelegte Vergangenheit steht in deiner Wahl. (Fortsetzung folgt.) pttfere SAarien. Von Dr. S. Goldschinidt. Hamburg, März 1667. Es wird von allen Seiten, selbst von unseren größten Gegnern, zugegeben, daß die Luden sich im allgemeinen durch große Intelligenz auszeichncn. Auf allen Gebieten menschlichen Könnens und Denkens stehen die Juden auf der Hohe der Zeit; in den Wissenschaften, in der Industrie, iin Handel überall zeichnen sie sich aus. Wenn , wir der Ursache dieser für uns so erfreulicheu Erscheinung nachgehen, so sindeu wir diese in der schon zwei Jahrtausende alten guten Volksschnlbildung, die den Juden .zu Theil wurde. Zn einer Zeit, wo kein Volk der Welt auch nur daran dachte, eine für alte Schichten der Bevölkerung berechnete Schule einzurichten, da war es der Synhedrialprastdcnt Simon ben Schctach, der die Einrichtung traf, daß die Kinder den Unterricht gemeinsam in einer Schule erhalten sollten. Von Josua den Gamla wissen wir, daß er Lehrer in jeder Stadt' einsctzie. 2n Jerusalem allein soll es zu seiner Zeit 480 Schulen gegeben haben. Reiche wie Arme schickten ihre Kinder in diese Anstatten, welche mit den Synagogen in engem Konnex standen, und in welchen hauptsächlich Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt wurde. Als die jüdische Selbständigkeit aufhörte, begleiteten diese Schulen die Juden nach den Ländern, in welche sic zerstreut wurden, um hier die Psianzstätte neuer Generationen zu werden. Die Pädagogik dieses Schulen stand, wie wir ans dem Talmud ersehen, auf einer verhältnismäßig sehr hohen' Stufe. Wahrheiten, die heute noch als Säulen der Pädagogik gelten, waren den Gelehrten des Talmud längst bekannt. So z. B. lehrten unsere Weisen, daß man den Unterricht der Individualität des Schülers anpassm soll, daß vom Leichteren bis zum Schwereren forrzufahreu, und durch häufige Nepitition der Stoff zu befestigen sei. Nicht auf die Quantität des Wissens, sondern auf die Qualität habe man den höchsten Werth zu. legen und deshalb sei bei einem Lehrer'mehr die pädagogische Geschicklichkeit als das theoretische Wissen zu schätzen u. dgl. m. Wenn man diese Grundlagen unserer jüdischen Pädagogik betrachtet, sollte man glauben, daß unsere heutigen Einrichtungen über jede Kritik erhaben seien. Wenn man auch nur ganz langsam fortgeschritten und nur ganz allmählich Verbesserungen in unsere Schulen eingcsührt hätte, so müßten diese, infolge des großen Vorsprungs, den ^sie den übrigen Schulen voraus hatten, diese bei weitem übertrcffen. Leider läßt sich dieses nicht behaupten, im Gegentheil, man ntuß zugestehcn, daß iin Allgemeinen die Fortschritte der modernen Pädagogik für die jüdischen Schulen nicht überall hinreichend nutzbar gemacht worden sind, daß diese Schulen nicht immer alle den Anforderungen entsprechen, die man an sie zu stellen berechtigt ist. Zunächst etwas rein AeußerlichcS. Wer mit der Literatur der uwdcrnen Schulpädagogik nur etwas vertrant ist, muß über deren Reichhaltigkeit höchst erstaunt sein. Hunderte von Broschüren und Abhandlungen erscheinen täglich, die alle möglichen Fragen des Unterrichts besprechen; jüdische Namen findet mau unter den Verfassern nur Wenige. (So sind z. V. vom Jahre 1870 bis 85 nach der Zusammenstellung von Straßburger im ganzen 24 Erörterungen pädagogischer Fragen von Juden in Deutschland erschienen.) Wem! man aus dem Schreiben allein auch noch nicht auf die pädagogische Tüchtigkeit deS Betreffenden, schließen kann, so ist eS dennoch nnzwcifethaft, daß das intensive Beschäftigen mit einem Gegenstand den einen oder anderen doch dazu drängt, seine Gedanken öffentlich zur Diskussion zu stellen, einmal damit sie geklärt werden, zum andern aber auch, damit Andere diese Ideen kennen lernen und sich diestlbcn dienstbar machen können. Merkwürdigerweise finde ich unter den bei Straßburger angeführten Titeln nicht einen Namen eines jetzt wirkenden jüdischen Scuiinardirektors. Ohne den jetzt amtirendeu Herren auch nur im Geringsten daraus einen Vorwurf niacheu zu wollen, hat mich dieser llmftaiib doch sehr frappiert. Jedenfalls muß eS einen inneren Grund haben, daß diese Herren der theoretischen Pädagogik schriftstellerisch nicht naher treten, und sehr schwer dürste derselbe nicht zu finden sein. Derselbe ist in der Vorbildung dieser Herren zu suchen. Sie sind zum größten Thcile, so viel mir bckannt, Rabbiner. Für heutige Verhältnisse sind die Rabbiner als solche^ nicht mehr die richtigen Leiter, dieser Anstalten. Denn das Amt eines Seminardirektors setzt voraus, daß der Direktor selbst praktischer und bewährter Schulmann ist, sonst ist er nicht im Stande, praktisch-tüchtige Lehrer heranzubilden. Wir sollten uns hier durch die Erfahrungen belehren lassen, welche an den christlichen Anstalten gemacht wurden. Früher nahm man zu Direktoren der Scminaricn wie der anderen höheren Lehranstalten vorzüglich Theologen. Jedoch schon seit 40—50 Jahren haben die Negierungen

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