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Jeschurun · 1887-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1887) · p. 213

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1887)
Article
Der internationale Antisemitismus
Date
1887-04-07
Page
213 (sequence 3)
Language
German
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213 daß Inden nicht nur konservativ gewählt haben, sondern, sogar für die Wahl deS-.Herrn Rechtsanwalt Wolfs, des Freundes. des Herrn Stöcker, eingetretcn sind.? Doch wir. find an die ungeheuerlichsten, denkwidrigsten Thesen.Seitens des AlttistmitismuS, der ja. an und für sich ein. unvernünftiger. Begriff ist, zu sehr gewöhnt, als daß wir dergleichen Fragen versuchen sollten. Wir merken uns nur. den Kanon: wählen einzelne Juden sozialdemokratisch, so. ist das Judenthnm -sozial« demokratisch, wählen aber einzelne/Juden konservativ, so verschulden sie . das׳ MachSthum der Sozialdemokratie, Wir sind in der Politik nicht sehr bewandert,-glauben uns ‘ aber, doch nicht in der Annahme zu irren, daß man maßgebenden Orts von dem ״Kampf gegen, das Judenthum" oder der antisemitischen Bewegung aus dem Grunde nichts wissen will, weil.—. von den sittlichen und rechtlichen Gründen abgesehen — es keine Bestrebung giebt, die also der Sozialdemokratie in die. Hände arbeiten muß,, wie die antisemitische, welche Neid, Haß,. Vorurtheil und. Zwietracht unter den Bürgern zu wecken nur allzu sehr geeignet ist. Die Weisen der ״Kreuzzeituug fassen die. Sache an. einem andern Ende an. Sie. richten ihren. Blick aus Rußland, wo. vor einigen Jahren die antisemitische Idee so.-glanzende und.rühmliche That-en bewirkt hat, welche von Liesen edlen und bescheidenen Herren ganz einfach nur ״kleinrüssische Unruhen" genannt wurden. Rußlands Finanzwirthschast befindet sich, wie männig-!ich bekannt, in keineswegs beneideuswerther Lage, indem es gilt, alljährlich etwasmehr als die Kleinigkeit von 300 Millionen Marl allein für die Verzinsung der Schulden aufzubringen, was ihr einige Schwierigkeiten verursacht und. den Werth des Papierrubels sehr erheblich herabminderr. Ja, wer trägt die Schuld an dieser finanzwirihschastlichen Kalamität? Wer anders als die Inden, behaupten die Kreuzzeitungs- Weisen. Warum? Nun, das ist doch ungeheuer einfach. Wo werden die Kurse gemacht? Ans der Börse. Zu welcher Konfession bekennt sich die Mehrzahl der Börsenbesucher. Zur mosaischen. Ergo — haben die Inden den schlechten Stand der russischen Valuta zu tragen. Warum zahlen sie nicht mehr für den Papierrubel? Weil Herr von Kardorfs, der konservative Finanzmann, dieses nicht einsieht, wird er gehörig abge« kanzelt. Herr von Kardorfs gehört nämlich auch zu den. Konservativen, welche nicht antisemitisch genug sind, und gegen die Weisen der Kreuzzeitung sogar den Vorwurf wagt, daß deren antisemitischer Fanatismus sie gegendie nächsten Interessen des eigenen Vaterlaudeß. blind mache. Doch diese Abstrafung eines wahrhaft konservativen. Staatsmannes, der den antisemitischen Fanatismusder Kreuzzeitung nicht Lheilt, ist Nebensache,. ,Die Hauptsache, .ist . der Kampf gegen das Judenthum. Die Juden haben bekanntlich alle^ Uebet, was.überhaupt auf Erden, jemals gewesen, strw; gerichtet.. Sie haben. ehedem die Türken .!Mi.Land-- gerufen, die. Pest durch Drunnenvergiftung. Hechel^ geführt.- Jetzt befördern sie die Sozialdemokratiein«: dem sie... regierungsfeindlich wählen, und, rumirerr< Rußlands Finanzen, weil sie für. den Kred'ttrubeL keinen hohen Preis bezahlen wollen. . Ausdemselben- Grunde,-ans. welchem wir. von Herrn Stöcker feine:; Auskunft zu bitten uns verstattetm, 'wagen׳;. wir -eS auch nicht, die Weisen: der Kreuzzeitung um gütige Belehrung anzugehen. Es; hört hier die. VermnW uicht auf, weil sie überhaupt in unserer Bekämpfung; niemals von unseren Feinden in Anwendung gebracht.: ' worden ist. Würde es den Herren übrigens mitder--! Besserung der russischen Finanzlage -wahrhaft Ernst': sein und. sie in Wirklichkeit vom ihrer sonderbarenvorgeblichen finanzwisscufchastlichen Anschauung: durch-.-- druugen.'׳sein,, so wäre es ja.! doch em Leichtes-- der-׳ böse« Juden schwarze Pläne, zu vereiteln. Sie brauchten. - nur ganz einfach bekannt zu machen, daß sie. den Papicrrubel mit 3 <ji& 21,6. L bezahle»;- Eine ganze Kleinigkeit,, nicht wahr?- ׳ . -> Man sieht, welche Wege der AntisemitjömuS fernerhin zu wandeln sich entschlossen hat. Strammes׳- Zusammenhalten der eigenen Partei, Entflammung: der. Leidenschaften unter Benutzung allgemeiner Mßständr-. als deren Urheber die Juden-, ge.brand markt werden; Es'ist die alte'Kampfesweise. Herr Stöcker pflegt den heimischen Kampfdie ״Krmzzeitung" den internationalen. Wehe der Gesell- - schast. welche sich verleiten läßt, dieser. Stimme zu: folge». Es giebt für die Wohlfahrt der Völker kein größeres Unheil, als die innere Zwietracht. Diejenigen,- welche daran arbeiten, diesem unheimlichm Feind, eine.. Stätte zu bereiten, laden eine Verantwortlichkeit-, aus׳-: sich, vor welcher uns graut. . Order M - ‘:,;,י: MslbottMs-. עשי; nwm, ־. - Ein jüdischer Schornsteinfeger! Ist daS nicht ein;. Phänomen? Hört mau nicht allzu oft, daß das jüdische!.. Volk den Handel allen übrigen Beschäftigungenvgr-'./ ziehe? Wohl gab. cS eine.Zeit unter unfern Brüdern-., in der die Arbeit gar. hoch geschätzt, wurde, so daß sich., die besteu Denker des Zeitalters derselben freudig unter.« : zogen. Es war die VlnthezeiL bcr rabbinifthm Literaturr wo die Grundpfeiler des JudenthumS ausgebaut mi verstärkt wurden,, und gerade: von dme»^ die E sich 7

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