Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1887) · p. 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1887)
Article
Drei Peßach
Date
1887-04-07
Page
211 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932770-2934786--24687-2934835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

211 essanter archäologischer Fund das in dem Tempel zu Jerusalem aufgefundene Buch zu ihm gebracht wurde. Dieser Fund aber bewirkte den vollendetsten Bruch mit dem ganzen Unwesen der Reform. .Mächtig ergriffen von dem Inhalte dieses Buches, versammelte der König alle Acltcsten aus Juda, ging dann hinauf in den Tempel Gottes, ganz Juda und alle Einwohner Jerusalems mit ihm, welchen er alle Worte aus dem Buche-dcö Bundes vorlas, das im Tempel gefunden worden war. Und so erneuerte Joschijahu den alten Bund vor Gott: Ihm zu folgen. Seine Gebote, Seine Zeugnisse und Seine Gesetze mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu erfüllen und aufrecht zu erhalten die Bedingungen des Gottesbundcs, wie sie in diesem Buche niedergeschrieben waren. Die Begeisterung des Königs .theiltesich dem Volke mit, in welchem doch noch nicht jeder Funke jenes Geistes erloschen war, welcher die Väter am Sinai zu dem ewig denkwürdigen Gelöbniß des נעשה ונשמע vcrcmlaßte! ״Das ganze Volk trat in den Bund ein". . Aus. dem Zionsheiligthum aber!nutzten erst hinweggeschafft werden alle Symbole des Baal und der Astarte und die Pfaffen.des Neformkultus, welche Mcnaschah und Amon eingesetzt hatten. Und darauf wurde das Pctzach begangen in einer Einmüthigkcit und.heiligen Gesinnung, wie es seit dm Zeiten Samuels nicht.vollzogen war. So rettete -Joschijahu sein Volk und pflanzte in ihm den Geist der Treue und Hingebung, datz seitdem ein so gänzlicher Abfall, wie er bei seinem Ncgicrungsantritt vorfand, niemals wieder stattfindcn konnte. . . Giebt es eine eindringlichere Bestätigung , der unumstötzlichen trostreichen Wahrheit, datz Gott für alle Zeiten, für alle Verhältnisse und für alle Geschlechter das Gesetz gegeben, und sollen wir nicht Ihn preisen und dünken, daß Er כננר ארבעה בנים von vornherein Sein Wort berechnet hat? Auch den Abfall und die Untreue unseres Zeitalters hat Gott im Auge gehabt. Wenn aber der Enkel׳, eines Mcnascheh Israel zu dein alten Bunde znrückführen konnte, so dürfen ׳ wir hoffen, daß auch die nachgebörncn Söhne unserer Abtrünnigen dereinst wieder zu Gott und Seinem Gesetze zurückkehrcn werden, undauch die Zeit kommt, wo das ganze Unwesen der heutigen Reform zusammenbricht und ein Pctzach wiederum begangen werden wird, in welchem. ganz Israel in allen seinen Gliedern von Groß bis Klein die alte Vätertrcue und die alte puailifdje Begeisterung aufs Neue besiegeln wird. . Seit einigen Monaten fühlt mau in gewissen׳ Kreisen Deutschlands, die dem Haffe gegen friedfertige, intelligente, nützliche uud patriotische Bürger Altäre' errichten, ein Unbehagen. Es geht nicht mehr so frisch - und schlank mit dem großen Kampfe, der so herrlich organisirt war, um die granitne Grundfeste des neuen deutschen Reichs, die Gleichheit aller seiner Bürger und die Eintracht unter denselben zu erschüttern. Man hatte thörichter Weise gewähnt, in den Begründern des neuen Deutschlands stillschweigende Billigung desI Umsturzplans und endlich gar offene Zustimmung und Förderung zu finden. Als ob diese die Art <m den herrlichen Bau anlegen konnten, den fie selbst errichtet! . Es war Alles so wohl organisirt und in vollstem ׳ Gange. Die russischen Horden hatten so vortrefflich ' gearbeitet. Es flackerte so lustig die Flamme aus den' ausgcraubten jüdischen Wohnstätten und der Schrek' gemordeter und gemarterter jüdischer Männer und '׳ geschändeter jüdischer Frauen tönte gar lieblich. Wie ׳ weidete sich das Auge an den langen Zügen der Flüchtlinge, welche von Ost nach West pilgerten, Verzweiflung im Busen, Gram durchfurchten Antlitzes, in 'Lumpen gehüllt! Tausende und aber Tausende des bitter gehaßten Stammes in so erbärmlichem Aufzuge zu sehen — war dasnicht eine Lust?׳ Die Kultur nimmt ja ihren Weg von Ost nach West; so ließ sichdoch hoffen, datz auch Westeuropa mit der Zeit die - hohe SLttse der Bildung erklimmen werde, welche' in so nachahmenswerthcr Weise sich auf russischem Boden kundgab. Rumänien wetteiferte mit seinem Nachbar. Unterdrückung der -Juden in mannigfachster, sinnreichster Gestalt war dort in dem jungen Königreiche von Europas Gnaden an der Tagesordnung und erzielte die schönsten Erfolge in stetigen zahlreichen Expnlsiorckn. Ungarn hatte auch große Thaten zu verzeichnen. In einer Anzahl von Komitaten organisirte der wackere Pöbel ganz nette Exzesse gegen die Juden; für den Anfang ganz anerkennenswerthe Leistungen, welche durch die berühmte Ester Solymosi-Asfaire und die Etablirung einer eigenen antisemitischen Gruppe im Reichstage erhöht wurden. . .. Wenn auch nicht in so drastischer Weise, so harte doch Deutschland einige kleinere Heldenthctten ebenfalls aufzuweifen. In einigen nordöstlichen Orten ermannte man sich auch zu einigen ׳ freilich etwas schüchternen Versuchen, der großen antisemitischen Idee fühlbaren Ausdruck zu verleihen, uud Neustettin wird jedenfalls in. dem Nuh-meöalüum eine Stelle zu finden beanspruchen dürfen. Dagegen stehen die Helden der Rede und der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.