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Jeschurun · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. 181

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Article
Zur Richtigstellung der Lazarus'schen Mahnung an die deutschen Juden
Date
1887-03-24
Page
181 (sequence 4)
Language
German
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181 unberechtigtes Gebühren in anßcrjüdischcn Kreisen er-׳ weckten falschen Meinung, als ob Professor LazarnS einer der Führer der gegenwärtigen Inden sei. Haben wir es doch schon in Anlaß dieses eitlen SchriftchcnS erfahren müssen, daß man LazarnS mit Mendelssohn vergleicht und ihn als die maßgebenste Persönlichkeit der Iudenheit betrachtet. Wir haben gezeigt, daß daö Gcgenthcil der Wirklichkeit entspricht. und die lldmlkfftiiiiif. Eine Erinnerung. 3$on Nabbiner Ludwig A. Noseuthal, Rabbiner zu Nogasen. ׳■ ־ (Schlug.)'׳ ״Ihnen gelingt eS wohl noch gar, seinen deutschthümclndcn Sinn aus dem Jndenthnme und dessen Eigenthün^lichkeit herzuleiten!" ׳ ״Wie denn anders? Kann man einen Menschen anders begreifen, als bis man auf die Keime seines Wesens zurückgeht? Und soll man sich bei Mendels-- sohn, wo man biird) seine Abknust diese.Spuren so leicht verfolgen kann, diesen Bortheil entgehen lassen? Bedenken Sie, daß er diese deutschthümliche Gesinnung damals durchaus nicht häufig vorfand, . daß Lessing, der sie gewiß besaß, sie nicht sofort hervortreten ließ, daß sie in einigen Klopstock'schcn Gesängen lebte, aber der sogenannten gebildeten Gescllschast völlig fremd war. Mendelssohn, dem als Jude Las Vaterland nicht freundlich znlächcltc, trat in eine Gesellschaft hinein, welche nur -rin Schattenbild eines deutschen Reiches kannte, und von dem Begriffe vaterländischen Sinnes nichts ahnen konnte. Für eines aber konnte Mendelssohn einen scharfen Blick haben, für die Nachahmnng des Fremden, woran die damalige Welt krankte! Nichts Fremdes nachahmcn! Daö war ihm von Jugend aus eingcflößt worden. Die Scher des alten Bundes leiteten tur׳ der Nachahmung fremden Wesens den Versack deö GottcSreicheS her. Nach Zion blickte schon daö zarte Kind mit thränendcm Auge, und bitter empfand der gedrückte Knabe die Sünden seiner Vorfahren; sie hatten auch die Herrlichkeit des eigenen ' Wesens verkannt, durch NachahmungSsncht waren sic auseinander gerissen worden. Nun trat Mendelssohn in die Außenwelt, da sah er die Nichtjuden, welche ein eigenes Land, eigene Herrscher, eine eigene lebende Sprache besaßen —- und sie waren nicht glücklich, daß kein TituS ihnen die Selbständigkeit geraubt, sie hielten ihre eigene Sprache nicht für die heilige, sie blickten nachahmend nach Westen hin! Nachahmung des Fremden, diese Sünde der Väter, sah er bei den Deutschen seiner Zeit, und ihn erfaßte die Furcht, daß auch sie einmal auf den Trümmern ihres StaatSwesenö klagen möchten. Darum erhob er in seiner ersten Schrift schon mahnend seine Stimme, nicht nur für deutsche Sprache und deutschen Sinn — wie erkannte er eS so klar, daß das witzelnde Franzosenthnm ein Hemmniß sei für den wissenschaftlichen und sittlichen Ernst des Deutschen. — Die Verjüngung dcö DeutschthumS sah er nur aus einer Erkenntniß dcS eigenen WertheS emporkeimen. Und so suchte er die Deutschen zur Erkcnntniß ihres Empfindungslcbens zu bringen, suchte er sie früh aufzuklärcn über datz Unsinnige deß WeltschmerzcS und seiner Wirkungen, suchte er sie zum Gottesgedanken, zur Erkenntniß der Unsterblichkeit zu bringen, suchte sie anSznsöhncn mit der Weit und ihren Unzulänglichkeiten, und er flößte scnen mit sich selbst zerfallenen Menschen, denen der französische Witzetgrist und der englische Zweifelsinn Glauben und Wissenschaft geraubt hatten, wieder zu wissenschaftlichen! und sittlichen! Wirken zu ermnthigen. Und woher dieser Glaube an die Güte der Welt, der Muth, vor seiner zukünftigen Gattin über seinen eigen Buckel anmnthig zu׳ scherzen?" ״Auch ans den! Jndenthnme?" ׳ ״Woher denn sonst? Gelobt sei er, der gesprochen und cS ward die Welt, gelobt der Schöpfer dcS Weltatts! so heißt cö in Israels Gebeten; gelobt sei Er, der Licht und Finstcrniß geschaffen, der den Tag vergehen und den Abend dämmern läßt, der jeden Tag die Schöpfung erneut! Alle Wesen sollen mit uns die Gottcsgnade anerkennen, so heißt cS in unseren Dankgebeten. Man muß Gott für das Freudige, wie für das Schmerzliche loben, so. lehren unsere Weisen. Vor den Gräbern erkennen wir die Gerechtigkeit deS Schöpfers an. Schopenhauer hatte Recht, als er ik den Juden seine Gegner und die Vorkämpfer deS Gottcsglaubcns gesehen. Ohne diese,Eindrücke deS JudenlhnmS, das dem Menschen eine freudige Stimmung zur Pflicht macht, ist sein Phadon, sind seine ,Morgenstunden', ist vor Allem die stete Freudigkeit seines Wesens nicht zu begreifen." ״Ich muß sagen, daß es nur wie Schuppen von den Augen sällt. Weil wir das Judenthum nicht kennen, haben wir Augen und sehen nicht und lassen nnS dann sagen, Mendelssohn hätte seiner Kindheit gar nichts zu verdanken! Von wo sind wir denn, aber ausgcgangcn? ׳ Wollten wir. nicht über Mendelssohns Stellung zur Gesetzestreue oder zur Umgestaltung des. JndenthumS hieraus etwas erkennen? Es kann Jemand, unbewußt seinen! Väterglauben Vieles verdanken und möchte denselben doch in manchen Dingen umgestaltet wissen. Wie verhält eS sich damit?"

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