Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1887)
- Article
- Zur Richtigstellung der Lazarus'schen Mahnung an die deutschen Juden
- Date
- 1887-03-17
- Page
- 162 (sequence 2)
- Language
- German
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162 mit der Schärfe ihres Geistes in das eigentliche Wesen ° der Dinge eingedrungen sein! ׳ Die soeben erschienene, bereits d:'e Bezeichnung ״Dritte Auflage" tragende kleine Schrift des Herrn Professor Dr. Lazarus') dürfte den Beweis liefern, daß auch in dem Kreise der deutschen Iudcnheit solche Personen anzutressen sind. WaS Lazarus auf deni Gebiete seiner Spezialwissenschast gewirkt hat, gehört nicht hierher. Uns intcrcssirt an dieser Stelle nur dasjenige, was er für die Inden als solche geleistet hat. Er selbst scheint gerade von diesen Leistungen eine nicht geringe Meinung zu haben. Wir glauben nämlich, daß Jemand, der von sich, wie LazaruS in der vorliegenden Brochirre, zu schreiben vermag: ״ich erkläre ferner, daß ich diesen Schritt als das Wcsentlichste und Wichtigste von Allem, was ich für die Juden gethau, gehalten habe und noch halte" (Seite 7), und: ״als ob mein Vorgehen im Widerspruch mit dem stände, was ich vormals für die Juden gethan; ja man vcrsteigt sich zn der geradezu au Wahnsinn grenzenden Vermuthung, als ob ich, nach alle den!, was ich für sie gethan, meiner eigenen und selbsterwählten Aufgabe untreu werden könnte" (Seite 8), seiner Person und Wirksamkeit keine zn niedrige Schätzung angedeihenzu lassen geneigt ist. Wir begegnen aber LazaruS in der weiteren Öffentlichkeit des jüdischen Lebens eigentlich bis jetzt nur zwei Mal; im Juni 1869 in Leipzig und in! Dezember 1860 in Berlin. LazaruS war Präsident der famosen, sogenannten ״jüdischen Synode", welche zu Leipzig von 29. Juni bis 4. Juli 1869 tagte, und Einberufer einer Bcrsammluug Berliner Persönlichkeiten am l. und 16. Dezember 1680. Die unter dem pomphaften Namen ,,jüdische Synode" auftretcnde Leipziger Versammlung zählt nun gerade nicht zn den glanzvollen Werken. Die״Syuode" hatfolgendcglorreicheThaten vollbracht: ii. Eine phrasenhafte Erklärung über die Stellung des JudenthumS zu'den Prinzipien der modernen Gesellschaft; l>. Eine desgleichen höchst zweifelhaften Werths über den Religionsunterricht; .6. Eine dringende Empfehlung zur Kürzung der y Thoravorlcsung im Gottesdienst: ä. Abschaffung der Thoravorlesung an! Jour-Kippur über, die Ehe- und KcnschheitSgcsctze und Ersatz dafür durch Lcvüicus Kapitel 9; 6. Abschaffung der Wiederholung der Thefilla durch den Vorbeter und aller Stellen der Liturgie, welche von Opfern und der Rückkehr Israels nach dem heiligen Lande handeln; ') ,An die deutschen Juden." Berlin 1887. Waliher L Apolant. 5. Empfehlung der Einführung deö ׳ Orgelspiels, Abschaffung der Piutim n. dgl. m. Nur insofern diese Thatcn verdienst- und werthvoll sind, kann der Leiter der Verhandlungen, unter welchen sie gezeitigt, sich ein Verdienst zuschreiben. Wer aber mit der Geschichte der Gegenwart auch nur einigermaßen vertraut ist, weiß, daß, von ihrem Werthe an und für sich abzuschen, die Erscheinung der ״Synode" selbst spurlos von tnr Bildfläche vcrschivunden ist, daß ihre Beschlüsse selbst bei denen, die damit einverstanden, als werthloS betrachtet werden, und daß Herrn Lazarus eigentlich nichts an diese seine Leistung erinnert, als vielleicht der Beifall, welcher seiner an Phrasen reichen, an positivem Inhalt unendlich armen Schlußrede, von jenen sich zu Synodalen selbst bevollmächligtcn Herren in Leipzig gespendet wurde. Immerhin eine schöne Erinnerung für den bescheidenen Mann, der Worte für Thatcn und Phrasen für fruchtbringende Gedanken nimmt. Selbst auf dem Gebiete der Reform, für welche Lazarus in Leipzig wirken wollte, hat er nichts geleistet. Seine eifrige Propaganda für die Reform soll indessen damit nicht verkannt werden. Da cs aber notorisch ist, daß, Gott fei Dank und Lob, in Deutschland nicht alle, sondern nur ein Theil der Juden mit Lazarus der Reform huldigen, so wird derselbe keineswegs beanspruchen können, von diesen nicht scine'destruktiven Tendenzen theilcuden und seinen, Grund- Wahrheiten des JudenthumS leugnenden, Ideen folgenden deutschen Juden als Vertreter und Stimmführer an׳ gesehen zu werden. Er wird auch ihnen gegenüber sich nicht stolz in die Brust werfen und von seinen großartigen Leistungen für sie reden können. (Schluß folgt.) Eine Erinnerung. Non Rabbiner Ludwig A. Nosenthal, Rabbiner zn Rogascn. (Fortsetzung.) ״Wie nun aber, wenn man die Zeitverhältnisse geltend macht, wenn man an führt, daß er zu jener Zeit sich unmöglich hätte als Gegner des Ueberliefertcn zeigen dürfen, daß er Rücksicht zu nehmen hatte auf seine Glanbcnsgen'osscn, daß er sonst nicht auf sie hätte wirken können, daß er in heutiger Zeit mit ganz anderen Anschauungen ausgetreten wäre." ״Sehen Sie, wie die sich als Anhänger MendelssohnS Gebärdenden bemüht sind, ihn als Heuchler erscheinen zu lassen? Was thut's, wenn man auf diesem Wege nur seine eigene Berechtigung Nachweisen kann!