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Jeschurun · 1887-03-10 · Heft 10 (10.3.1887) · p. 151

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 10 (10.3.1887)
Article
Mendelssohn und die Überlieferung
Date
1887-03-10
Page
151 (sequence 3)
Language
German
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151 doch aus seinen Werken, was zur Festigkeit Eures Standpunktes dienen mag — laßt Andere daraus schöpfen, was ihnen genehm scheint — freut Euch, daß ihr Einen habt, um über ihn zu streiten, in diesem Kampfe zeigt sich doppelt und dreifach sein Werth. Aber ihr beleidigt sein Andenken, wenn ihr Andere ansschließt, ihm anzugehören!" ׳ ״Das mag gut gesagt sein. Uns ist die Be« antwortung einer Frage solchen aber durchaus nicht gleichgültig. Ziehen wir auch aus Mendelssohns Beispiel weder den Beweis unserer Berechtigung, noch aus den! Gegenthcilc den Gegenbeweis, so kann durch oberflächliche Beleuchtung der Sache doch den Zersetzern des Bestehenden eine nicht zu unterschätzende Hülfe daraus erwachsen, und in ihren Kreisen können sie sich mit hohem Tone auf ,,Mosche Dessau" berufen. Die spöttische Kampfesweise, die eifervolle Hitze, welche auf dieser Seite zur Wahrung ihrer Rechte sich hervorthut, ist gerade kein Beweis für die Wahrheit einer Sache." (Fortsetzung folgt.) Aus jungst nklgllngeuer Zeit. Novelle von Friedrich Nott. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Er war von verschiedenen Seiten gesucht worden, mußte trotz der vorgerückten Stunde noch mehrere Besuche machen. Heute war eö ihm willkommen, in Ausübung seines Berufes konnte er das Toben in der eigenen Brust überhören. Doch als er lange nach Mitternacht endlich heimkehrte und sich vollständig erschöpft auf sein Lager warf und den Schlaf, den ״freundlichen WiedcrherstcHer der ermüdeten Natur", wie Doung ihn so schön bczeichnend nennt, herbeischnte, da floh ihn der Ersehnte, mit weit offenen Augen durchwachte er die Nacht, und rasch und heiß rollte das Blut in seinen Adern. Zur gewohnten Zeit am Morgen erhob er sich, obgleich er wahrend der ganzen Nacht keinen Moment die Augen zum Schlummer geschlossen. Er hatte durch eine kalte Douche die Gluth in seinem Innern zu mindern gesucht, und cS war ihm auch thcilweise geluugen. Dennoch, als er zur gewohnten Stunde in das Zimmer seiner Mutter trat, erkannte Bella sofort, daß er die Nacht schlaflos verbracht, und paS scharfe Ohr der Blinden gewahrte sofort, daß sei!: Athen: heute rascher ging als sonst. . - Als er die gewöhnlichen Fragen, jedoch in auffallend verändertem Ton an sie gerichtet und dann prüfend seinen Finger an ihr Handgelenk gelegt, da erfaßte sie plötzlich seine Hand. ״Sie sind beleidigt, Herr Doktor — wenn Sie wüßten, wie wehe mir das thut —״ -; In dem Antlitz dcS Doktors zuckte es, unaushörlich wechselte cr die Farbe, dennoch erwiderte er in möglichst ruhigem Ton: ״Sie sind im Irrlhum — ich wüßte nicht, weshalb ich beleidigt sein sollte." ״Doch doch, Sie sind beleidigt, Sie reden heute ganz anders a!S sonst." ״Aber weshalb foule ich denn beleidigt sein?" ״Weil ich so viel in Sie hincingesprochen habe. — Aber ich bitte Sie, lieber Herr Doktor, seien Sie mir deshalb nicht böse. — Ich habe das Alles doch nur gesagt, weil ich eS gut mit Ihnen meine, weil ich Sie so gern habe." Der Doktor erhob sich hastig, cr war kaum im Stande, die mühsam errungene Fassung z!: bewahren. ״Ich weiß, daß Sie es gut mit mir meinen," flüsterte er endlich, ״und darum bin ich auch durchaus nicht beleidigt." ״Nicht?" rief die Kranke freudig, ״das ist schön von Ihnen — wirklich, do.S ist schön." Sie tastete nach seiner Hand, doch er gewahrte es nicht. In ihm tobte cs, er hielt zeitweilig den Athen: an, weil cr fürchtete, die Blinde könne seine wachsende Erregung gewahren. Endlich gelang es ihm, dieselbe wenigstens für einige Minuten zu mttcrdrücken. ״Ich möchte nur eine Frage erlauben," sagte er, und seine Stimme, obgleich belegt, klang ruhig. ״Nun, so fragen Sie, lieber Herr Doktor -— ich werde Ihnen gern antworten. — Aber warum reden Sie nicht? — waö machen Sie für Umstände, wenn Sie mich etwas fragen wollen." ״Weil ich fürchte, daß 'meine Frage Ihnen unangenehm sein könnte," cntgegncte cr gepreßt, ״Sie könnten mich für indiskret halten." ״Fragen Sie immerhin. Ich denke, ans eine unangenehme Frage Ihnen antworten, das ist wohl das Geringste, zu waö ich Ihnen gegenüber verpflichtet Lin." ....... Er wollte jede Verpflichtung ihrerseits -ablehnen, aber der Athen: versagte ihm, er brachte kein Wort hervor, erst nach mehreren Minuten konnte er cheginnen. Er sprach in abgebrochenen Sätzen,, aber sehr hastig. ״Sie haben mir gestern von Ihrem Sohne erzählt — es hat mich sehr iuteresflrt. — Sie wissen, daß er brav gewesen ist — denn er hat sich ins Meer gestürzt, um. nicht getauft zu werden. — Aber.-:- wenn nun — wenn nun — es ist das ja nicht denkbar — aber setzen wir den Fall — cr wäre gerettet worden — hätte int fremden Lande sich eine Stellung errungen und nun — er hat doch sicher nicht viel Indischegelernt — er war erst neun Jahre, als er Ihnen

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