Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1887)
- Article
- Die Militärpflicht der jüdischen Religionslehrer
- Date
- 1887-03-10
- Page
- 149 (sequence 3)
- Language
- German
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149 sie die Absicht zu erkennen geben, sich dem Staatsdicnste zu entziehen." Diese Beifügung wurde aber die Anwendung dieser Beschränkung auf jüdische Neligionsschnllchrcr vollends als unzutreffend erscheinen lassen. Der jüdische Lehrer, welcher ln eine jüdische Neligionsschule ein tritt, hat keineswegs die Absicht,' sich dem Staatsdienste zu entziehen, er nimmt eine Anstellnng in einer jüdischen Neligionsschule, weil er die Prüfung als Elementarschullchrer bestanden, eine Anstellnng als solcher nicht hat finden können, weil eS nur wenige jüdische Elementarschulen und noch weniger solche giebt, die den Charakter der öffentlichen haben. Ohnehin glauben wir ehrerbietigst bemerken zu dürfen, daß die betreffende Bestimmung der deutschen Wehrordnung die Vergünstigung einer abgekürzten Dienstzeit nicht nur den bereits angestcllten VoikSschu'.lehrcrn, sondern auch den Kandidaten des Volksschulamts, somit solchen, die einer solchen Anstellung noch entgcgenharren, bewilligt, ein jüdischer vorschriftsmäßig geprüfter Kandidat des VolksschnllehreramtS dürste aber wohl dieses Prädikat nicht eknbüßen, wenn derselbe in einer Neligionsschule so lange fungirt, bis sich ihm die Gelegenheit zu einer Anstellung an einer öffentlichen Elementarschule darbietet. Sind endlich unsere vorhin geäußerten Bcmerlangen nicht ganz irrig, so dürste ein jüdischer NeligionSschnllehrer, wenn ihm auch der öffentliche Charakter nicht zuerkannt ist, gleichwohl im Dienste öffentlich anerkannter Zwecke stehen und einer staatSscitig wohlwollenden Berücksichtigung gewürdigt werden. Wir geben uns daher ehrerbietigst der Hoffnung hin, Ew. Exzellenz wolle den jüdischen Lehrern, welche daö vorschriftsmäßige Bolksschnllchrer- Examen bestanden, wieder wie früher die Vergünstl'gnng fincr nur scchswöchcntlichcu Dienst-« zeit zu bewilligen gcneigen, selbst wenn dieselben an einer jüdischen Neligionsschule als Lehrer wirken. -' II... Berlin, den 15. Februar 1887. Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelcgenheiten. Min. d. g. A. G. IH. Nr. 3457 U 1110. Kr. Min. Nr. 199/2. 301/2. a. 1. M. d. 311. I. Nr. 289. Dem Vorstand erwidern wir, auf die Vorstellung vom 2. Dezember v. I., daß keine ausreichende Vcranlassung vorlicgt, dem Gesuche um allgemeine Bewilligung einer nur scchSwöcbentlichcn Militärdicnstzcit für jüdische Volksschi! llchrcr, welche an einer jüdischen Neligionsschule wirken, weitere Folge zu geben. Es muß vielmehr für jeden einzelnen Fall vorbehalten bleiben, zu prüfen und darüber zu befinden, ob besondere Umstände obwalten, welche eine Ermäßigung der Militärdicnstzcit des betreffenden Lehrerrechtfertigen lassen. Der Kriegöminister. Der Minister der geistlichen, Bronsart v. Schellen- Unterrichts- und Medizinaldarf. Angelegenheiten. Der Minister des Innern, v. Goßler. In Vertretung. Herrfurth. An den Vorstand der-Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen IndcnthumS, z. H. des Herrn Rabbiners Hirsch, Wohlgeboren,^ zu Frankfurt a. M. Mc-Msschr 111$ W Mttiiefernllg. Eine Erinnerung. Von. Rabbiner Ludwig A. Noscnthal, Rabbiner zu Nogascn. Konnten wir das Hanö nicht schmücken Zn dem Ehrcnsest, Mögt Ihr drum nicht spöttisch blicken. Wenn im Ost und West Man des Großen heut' gedenket — Ans den Schmuck deö Festes nicht: Auf ihn selbst nur sei gelenkct Unser Angesicht. An sein Werk nur laßt Euch mahnen, Das sein Denkmal ward; Denken wir vcrschlnngner Bahnen Seiner LcbcnSsahrt. Acnßrer Schmuck wird oft zur Bürde, Und der Feiernde vergißt, Was des Tages rechte Wurde,' Was die Ursach' ist. So lautete das EinleitnugSgedicht bei der Mendelssohn-Schulfeier, und der Knabe, welcher eröffnend vor die versammelte Gemeinde trat, schien sich der Wichtigkeit seiner Sendung recht bewußt zu sein; wenigstens klangen die Verse wuchtig und ausdrucksvoll in seinem Munde. , Die darauf folgende Festrede des Lehrers wurde durch cingeschobeue Vorträge der Kinder, die für diesen Tag von ihm versaßt worden, belebt, und. in dichterischen Bildern traten verschiedene Ereignisse aus dem Leben des großen Gefeierten vor das Gemuth des Hörer-, der befriedigt den Schnlsaal verließ. Zum Schluff: sprach rin Mädchen folgende Mahnungsworte: