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Jeschurun · 1887-03-03 · Heft 9 (3.3.1887) · p. 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 9 (3.3.1887)
Article
Die Einweihung des neuen Friedhofes zu Langenfelde bei Hamburg
Date
1887-03-03
Page
139 (sequence 2)
Language
German
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189 geschlossen, trotzdem sie die Erklärung abgabcn, sich nnterschicdloS bei allen טהרות, wenn auch nicht bei der Bestattung, bcthciligeu zu wollen. Wenn mau in Erwägung zieht, daß nach den statutarischen Bestimmungen der הברה in allen rituellen Fragen das llrtheil dcS Rabbiners allein maßgebend ist und cS sich hier doch um eine eminent religiöse Frage bandelt, so sucht man vergebend nach einer Entschuldigung für diese Haltung derselben. Sic legt aber den sprechenstcn Beweis von der Verwirrung ab, welche sich der Gemüthcr bemächtigt ha!. Diejenigen, welche solche geweckt und befördert, und damit die Basis dcS religionSgcmäßen GemcindclcbcnS, die ans dem Boden dcö jüdischen NcligionSgesetzcs stehenden Entscheidungen des GeineindcrabbinerS erschüttert haben, tragen eine schwere Ver« antwortung. Trotz dieser schmerzlichen Erfahrung und Prüfung hielt daö wackere Oberhaupt der Gemeinde unentwegt das Banner dcS JudcnthumS in seiner festen treuen Hand und fand trotz aller widrigen Bestrebungen einen Kreis für daö heilige Erde der Väter begeisterter Männer, die seiner Leitung folgten. Und so gelang es ihm denn endlich, nach jahrelangen Kämpfen, die unsäglichen Schwierigkeiten zu überwinden und das lang ersehnte Ziel zn erreichen: die Gewinnung eines Friedhofes unter völliger Wahrung der religionsgcsetzlichen Bestimmnngen. DaS Verhalten dcS Vorstandes deö Synagogen- Verbundes und der הברה קדישא, von dem Vorstande der Gemeinde nicht zu reden, bei der Einweihung dcS neuen Friedhofs am 26. Schebat d. I., stimmt leider die noch immer gehegte Hoffnung aus einen Ausgleich wesentlich herab. Es wird sich voraussichtlich in Bälde eine neue הברה קדישא bilden. Welcher Zukunft aber eine Gemeinde entgegcnsieht, in welcher also die höchste Autorität des NeligionSgesetzcs und des GemcindcrabbiuerS mißachtet werden kann, daö ist eine Frage, die wir allen GesctzcStrcnen HantburgS dringend anS Herz legen möchten. Täuschen wir uns nicht, so ist mit diesen Vorgängen der erste Keim zu einer Umgestaltung der Hamburger Verhält׳- nisse gelegt. Die gegenwärtigen haben sich als nnhaltbar erwiesen. Sie haben in erschreckenden! Maße gezeigt, zu welchem Unheil die widernatürliche Stellung eines jüdischen Gemeinwesens führt׳, in welchem die eigentliche Gemeinde säst konfessionslos ist und die Autorität dcS durch den Rabbiner in seiner Jntcgritat zu wahrenden NeligionSgcsctzeS durch die Omnipotenz eines Vorstandes illusorisch gemacht werden kann. Korrchlmdenzeil 1111b Nachrichten. Deutschland. D. Berlin, 24. Februar. Ucbcr die Zusammensctznng der Berliner Einwohner nach dem NeligionSbckcnntnisse berichtet die ״Statist. Korr.": Am 1. Dezbr. 1885 befanden sich in Berlin 1 142 520 Evangelische, 99 462 Katholiken, 7899 sonstige Christen, 64 355 Inden und 1051 Personen anderen oder unbekannten Bekenntnisses. Die Evangelischen bestanden auö 527 228 männlichen und 589 922 weiblichen Personen, welche sich als evangelisch oder linirt ober zur Landeskirche gehörig bezeichnet hatten, ferner anS 8844 männlichen und 9500 weiblichen Lutheranern, sowie 3522 männlichen und 3504 weiblichen Neformirten. Die Katholiken setzten sich anS 54103 männlichen und 45 099 Weiblichm Nömisch-Katholischen, 212 Griechisch-Katholischen, 12 Angehörigen der russisch-orthodoxen Kirche, 28 Griechischbezw. Armenisch-Orthodoxen und 3 der orientalischen Kirche angchörigen männlichen Personen zusannnen. Die Zahl der Nömisch-Katholischen hat in Berlin erheblich rascher zugenommcn, als die Volkszahl überhaupt; sie betrug am!.Dezember 1871 nur 6,2 Prozent, am!.Dezember 1885 jedoch 7,54 Prozent der Bevölkerung Berlins. Namentlich die Zahl der weiblichen Angehörigtn der römisch-katholischen Kirche hat sich in jüngster Zeit stark erhöht. Es steht dies mit dem Zuzüge weiblicher Personen ans Wcstpreußen und Posen im Zusammenhänge. Die sonstigen Christen setzen sich folgendermaßen zusammen.׳ Herrnhuter 230, Apostolische 1647, Baptisten 654, Mennoniten 134, Presbyterianer 32, Methodisten 147, Schottische Kirche 2, Quäker 12, Kongregationalisten 3, Englische Hochkirche 185, Dissidenten und Freigemeindler 3 399, Ehristlatholiken 20, Unitarier 16, Mormonen 18, Christen ohne nähere Bezeichnung 20, Konfessionslose 103, sowie endlich ungetanste Kinder von Eltern christlichcr Bckcnntnisse 1077, die übrigens nach den bestehenden Vorschriften sämmtlich noch nach dem Bekenntnisse der Eltern entsprechend cinzureihcn sind. Die Zahl der Dissidcntctt und Freigemeindler hat sich vcrhältniß׳ mäßig nicht vermehrt; sie betrug 1680 3192. Die Zahl der Juden in Berlin ist seit 1880 von 4,6 aus 4,9 Prozent der Bevölkerung gestiegen, während sie im ganzen Staate während der letzten fünf Jahre nicht zugenommcn hat und 1,3 Prozent der Bevölkerung auSmcrcht. Die Zahl der Juden stellte sich im Jahre 1861 ans 18 953, und 1685 auf 64355. Die Bekenner anderer Religionen fetzten sich aus 15' mannlichen und 1 weiblichen Muhammedaner, 29 Buddhisten, 16 Sintoisten, 11 männlichen und 5 weiblichen Kon-

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