Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1887)
- Article
- Alte Stadt-Augsburger, Nürnberger und Münchener Juden-Ordnungen
- Date
- 1887-03-03
- Page
- 134 (sequence 3)
- Language
- German
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1.31 mehr und mehr erstarkende Finanzkraft war eS denn auch, mittelst welcher die Juden die ihnen anferlcgten gesetzlichen Beschränkungen ratenweise von sich ablösten, indem sie für deren Befreiung au Kaiser und Könige, Bischöfe und Acbte, Fürsten und Grafen, Stifte, Städte und Gemeinden zahlten. Dieser Zeit entstammt anch das Sprichwort ״der Jud' muß zahlen״. Zugleich benützten die Juden diese Gelegenheit, um die engen Kreise ihrer territorialen Machtsphäre mehr und mehr zu erweitern, indem sic als Geld-, Pfand-« und Werth- Vermittler allerorts auftraten und den deutschen Landen in Fällen der Noth stets willkommene Diener wurden. Bekannt ist die allgemeine NeichSstencr, womit der Jude die Bcfugniß dcS Wohnsitzes im Deutschen Reich, das Recht, Handels- und Spekulationsgeschäfte daselbst abzuschlicßcn sich erwarb, der sogenannte ״JndcnzinS". Bekannt ist ferner der ״Leib- oder Judcnzoll". womit der Jude die Erlaubniß, unbehindert in Deutschland reisen zn können, sich verschaffte. Geschichtlich von Bedeutung ist weiter das ״Schutzgcld" oder ״Judengeld", womit der Jude das Recht, sich dauernd ortSansässig zu machen, und den VesitzeSschutz seiner Habe käuflich erlangte. Hierbei verzichteten die Juden zufolge der Verschiedenheit ihres Bekenntnisses auf jegliche Thcilhaberschast an den bestehenden deutschen NechtScinrichtnngen dcS Familien-, Ehe- und Erbrechtes. Dagcu ließen sie sich die Anwendbarkeit ihres nationalen Rechtes nach den Vorschriften dcS ״Talmud" und dcS ״Schnlchan Aruch", ferner ihre besondere Gerichtsbarkeit durch die deutschen Könige bestätigen. Die.Ausübung dcS lokalen Gewerbebetriebes und dcS religiösen Bekenntnisses wurde vermittelst bestimmter Gegenleistungen dcnOrtSgcmciudcn abgerungen. (Fortsetzung folg t.) Werschau. Professor Paul de Zagnrde, nach seiner Natur gezeichnet von Dr. A. Berliner. Berlin :1887. JnliuS Vcnzian. Der Antisemitismus beherrscht in Deutschland mehr die exklusiven Kreise der Gesellschaft, als das eigentliche Volk. Lagardc in Güttingen, Professor an der dortigen Universität, hat sich ebenfalls als ein Bekenner dcS modernen Judenhasses wiederholt bcmerklich gemacht. Er möchte sie am liebsten ans Deutschland verbannt wissen und bezeichnet sie als Fremde und ״Träger der Verwesung". In der vorliegenden kleinen Schrift kennzeichnet der Herr Vcrfasser den Göttinger Professor durch seine eigenen Aussprüche. Er giebt unter Ändert! auch eine köstliche Auslese aus den Lagarde'schen Schriften als Stilprobe zum Besten, welche das cigenthümliche Deutsch dieses sich als Deutscher par excellencc gcviveubcn Herrn, der übrigens eigentlich Voetticher heißt und diesen gut deutsch klingenden Namen mit dem französischen de Lagardc vertauschte, in seiner komischen Eigenart erscheinen lassen. Er weist anch nach, daß dieser allerdeutscheste Gelehrte cS nicht verschmähte, bei Napoleon um die Erlaubniß des Tragens von korsischen Ordens- Zeichen nachzusuchen, wie in dem Werke ״D'^ll6ma§rw aux Dulorios <!6 1850—1870" von Bordier zu lesen ist. ES ist eine recht interessante Arbeit, der sich 1)1׳. Berliner hier gewidmet hat. Man kernt aus ihr einen der vornehmsten Vertreter der judenfeindlichen Richtung in seiner wahren Gestalt kennen. ,.. n. Ass jnitgjl vttMgcutt Zeit. Novelle von Friedrich Nott. (Nachdruck verböte«.) (Fortsetzung.) ״Aber ich bitte Sie, warum denn nicht?" ״Weil heute Sabbath ist," erklärte Bella. ״Sabbath ist heute? — daran hatte ich in der That nicht gedacht. Aber wie kommt denn das dazu? — Der Sabbath ist doch kein Grund, Ihre Tante länger leiden zu lassen?" DaS junge Mädchen zuckte die Achseln. ״Die Tante hat eS noch nie zugcgsbcn, daß ein Jude für sic am Sabbath schreibt." Der Doktor schüttelte den Kopf. ״Wenn Ihnen denn gar so viel daran gelegen ist, daß ich für Sie am Sabbath nicht schreibe, so will ich die Salbe in der Apotheke mündlich bestellen. — Aber ich muß Ihnen offen gestehen, ich begreife Ihr Bedenken nicht, ich habe heute schon eine ganze Anzahl Rezepte verschrieben." ״Ach du lieber Gott!" ächzte die Kranke. ״Sie haben wieder Schmerzen?" fragte der Arzt besorgt. ״Nein — ach nein! — Die Seite schmerzt mich gar nicht — aber das Hcrz'thuk mir weh, über das, was Sic da sagen. — Sie sind doch ein so guter, braver Mensch, Herr Doktor — was Sie an mir gcthan haben — ich habe mir immer gedacht, eS könnte keinen bessern und keinen bravcrn Menschen geben als Sic sind. — Und nun sagen Sie, daß Sie mcchatlel SchabbeS sind — daß Sie am Schabbes schreiben. — Ach du lieber Gott! — ״Aber ich bitte Sie, liebe Frau Aronowitsch, wie können Sic das als etwas so Arges betrachten, daß ich am Sabbath schreibe? — Ich bin Arzt und als solcher heischt cS mein Beruf und meine Pflicht,