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Jeschurun · 1887-02-24 · Heft 8 (24.2.1887) · p. 120

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 8 (24.2.1887)
Article
Aus jüngst vergangener Zeit
Date
1887-02-24
Page
120 (sequence 3)
Language
German
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120 unserer Tochter nicht. Aber er hat sie noch nicht, Gottlob! — und er wird sie auch nimmer bekommen!" ״Abc.r, Mama!" rief Flora, deren Thronen rasch versiegt waren, ..was sprichst Du da für Unsinn! — Isidor ist mein Bräutigam, und Du sprichst, daß er Deine Tochter nimmer bekommen wird? — Das ist nett! — zu nett!" — Sie lachte hell auf. Frau Lewisou blickte sie betroffen an. ״Aber, liebes Kind, ich bitte Dich um Gottes Himmelswillcn! eben weinst Du und bist empört, weil seine Mutter eine VorsangerSwittwe ist —" ״Ich bin nicht empört!" rief die junge Dame, mit den Füßchen stampfend, ״cS thnt mir nur leid, leid. — Sie ist sogar eine ganz liebe alte Frau — aber, wenn Ich mir denke, daß ich zu einer Vorsängerswitlwe Mama-sagen soll oder Mutter —" ״Ja, siehst Du, Kind, das sage ich ja auch. Ich habe doch gegen Isidor auch nichts — obgleich — Du weißt — ich habe,es immer gesagt: grattez le Russe et vous trouYerez le Tartare." ״Das ist gar nicht wahr!" lachte Flora, ״ich habe cs schon versucht, aber cs ist kein Tartar zum Vorschein gekommen. Ich lasse nichts gegen ihn auskommen, Isidor ist mir lieber als die ganze Welt." .Frau' Lew.ison seufzte tief. . ״Ist er nicht, schöner, sieht er nicht vornehmer aus als alle andern jungen Herren?" . ״Ja, aber — ״Und er hat eine solch' interessante Vergangenheit wirklich, Mama, ich habe weinen müssen, als er mir Alles' erzählt hat." - >״ •׳Das ist ja Alles ganz .gut- und schön — ich war cS ja" auch schon ganz zufrieden, daß er unser Schwiegersohn werden sollaber’ die Mutter — die Mutter — wie kommen wir über die Vorsängerswittwe. hinweg?" . :Flora rieb sich die Stirn. ״Ich-habe mir gedacht, Mama, daß der Papa ihr vielleicht Geld geben könnte —׳ eS müßte, natürlich eine anständige Summe sein — unter der Bedingung, daß sie cs Niemandem sagt, daß sie Isidors Mutter' ist,’ und daß' sie,'wo möglich, anderwärts hinginge.". . ■_ ■ -. ״Die Idee i\t nicht, übe!'. — in der Thät,' eine ganz gescheidte Idee, wie ich sie Dir kaum zngctraut hätte-— ob sie aber ausführbar ist?.' — ob Isidor das zugcbcn würde?".. ׳ / - ,־ . . . . . . . Flora zuckte, die Achseln. ״Es käme darauf an Ich könnte ihm freilich diesen Vorschlags nicht' machen 7-7 von nur.würde er ihn sehr übel anfnehmen..-^— Wenn aber Papa ihm? sagen. wurde,"daß .Ihr nur unter’,'dieser .Bedingung-, unsere..Verbindung Meben würdet? Ich denke, ich bin es. wohl we’rth, daß-er um meinetwillen ein -Opfer-’bringt.'" *;^;י;V?־!Cd ,i/V; ״DaS will ich meinen!— ob Du das wcrth bist! — Papa soll noch heute Abend die Sache ins Ncine bringen," י’1 . ׳׳ י. - # ' Herr Lewisou erklärte sich allerdings bereit, in dem von seiner Frau und seiner Tochter gewünschten Sinne mit dem Doktor zu reden, jedoch nur unter der Bedingung, daß, wenn derselbe nicht darauf eingehen würde, die Partie in der That zurückgehen solle. Darauf aber wollte Flora sich nicht einlassen, um keinen Preis! — lieber wollte sie, so schwer es ihr auch werden mochte, die Schwiegermutter in den Kauf nehmen. ״So fangen wir gar nichts an," erklärte Herr Lcwison, ״um einen Schreckschuß abznfeucrn, dazu gebe ich mich nicht her. Und überdies, Kind, kann ich Dir mit Bestimmtheit Voraussagen, der Doktor wäre nicht darauf eingegangen." Flora ließ betrübt das Köpfchen hängen, Frau Lewisou jedoch war ernstlich irritirt. ׳ ... *fr .״ . Es war in den Nachmittagsstnndeu eines Sabbaths, Doktor Kohn saß am Bette seiner Mutter, die noch iknmer nicht ahnte, daß er ihr Sohn sei, denn sie war noch zu schwach, als daß er hätte wagen dürfen, ihr eine aufregende, wenngleich hochfreudige Nachricht znznmutheu. Er hielt ihre Hand, als wolle er ihren Pnlsschlag prüfen, aber er hielt-sie weit länger als nothwcndkg. Bella, die sich bei seinen Besuchen stets ein wenig znrnckzuziehcn pflegte, beobachtete staunend sein Gebühren'; cS mußte doch ein ganz ׳absonderliches Verhältnis bestehen zwischen bem jungen Manne und der alternden Frau, das war nicht das gewöhnliche Interesse, das der Arzt dem Patienten entgegenbringt. ' Doch jetzt erinnerte sie sich,, ihre Tante hatte im Laufe des Tages wiederholt über Schmerzen in der Seite geklagt,- daS mußte sie den! Doktor mittheilen. Dieser 'untersuchte die schmerzende Stelle und sprach die Hoffnung ans,' daß : der׳ Schmerz. sich leicht, werde beseitigen lassen, ׳er' wolle eine Salbe ׳verschreiben, mit der das junge Mädchen den leidenden Thcil e'mreiben solle,. so ,würd'ebcr .Schmerz sich hoffentlich. sofort verlieren. ' •;.. . :!;«:־ ״ .;' .Aber heilte nicht, ׳Herr Doktor, heute verschreiben Sie ^.ni?-ttichtS," bat die. Leidende, ucit einer gewissen ängstlichen Hast.,, ...... -. 7״׳Und meshalb.. sollte. ich'.'Ihnen heute ‘ nichts vcrschr'eiben,-F’ran Arouowitsch?. Sie,haben heute Schmer^ mm,;;;׳,׳■'.׳..•ע ״ ’Nein, nein, nein! "Sie dürfen niir heute '/nichts verschreiben! heute, nicht."» .. ..... -. .-/.׳ י. י;,-•;•;!;(<.--; -.(Fortsetzung folgt).....

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