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Jeschurun · 1887-02-24 · Heft 8 (24.2.1887) · p. 118

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 8 (24.2.1887)
Article
Aus der Geschichte der Juden Württembergs im Mittelalter
Date
1887-02-24
Page
118 (sequence 2)
Language
German
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118 -In einem gewissen Zusammenhang mit dem ״schwarzen Tod" stehen die großen Judenverfolgungen aus der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, in Deutschland jedoch nach der richtigeren Ansicht in der Weise, daß sie nicht unmittelbare Folgen des Auftretens der Pest sind, vielmehr in ihrer raschen Verbreitung derselben vorauseilen. Nicht blos die Naubsncht des gemeinen Volkes, sondern auch die HandclseisersiAst der Städte, die Mißgunst der größeren, den Juden vielfach verschuldeten Herren, das wucherische Treiben der Juden 1), überhaupt soziale 2), nicht religiöse Motive hatten schon da und dort früher zu einzelnen schwächeren Judenverfolgungen geführt, z. B. in Franken, Bayern und.Oesterreich bereits am Ende des dreizehnten und Anfang dcö vierzehnten Jahrhunderts, im Jahre 1302 zu einer Judenvcrbrennung an der Teck, im Jahre 1336 wiederum zu einer Judenhetze *tu Fränkischen; nunmehr aber glaubte noch unter dem allgemeinen Schrecken, den die erste Kunde von bem Nahen der Pest brachte, das Volk hier wie anderwärts die Fabel, die Juden haben die Quellen und Brunnen vergiftet, zumal da eine planmäßige Aufwiegelung die Erregung der Gcmüther geleitet zu haben scheint, auch das nüchterne und mäßig lebende Volk weniger von der Pest betrofscn wurde, als die Christen. Wurde doch im Jahre!348 zu Ulm ein gefälschter Brief kolportirt, welchen zu Folge die Inden zu Jerusalem denen zu Ulm die Frcudenbotschast von der Hinrichtung Christi mitgcthcilt hätten. Wie tausende von Juden in dieser Zeit dcS Feuertodes starben, so fanden auch, schon ziemlich frühe, in einer Reihe schwäbischer und fränkischer Städte wie Stuttgart (November 1348), Reutlingen, Horb, Nagold (Dezember 1348), Ravensburg, Buchhorn, Ulm (Januar 1349), Mengen, Saulgan (Februar), Hall, Nottweil, auch Oehringcn, (wenigstens wurde hier im Jahre 1333 an dem Orte, ״an welchem die Synagoge der ungläubigen Juden gestanden hatte", ein Spital errichtet), Verbrennungen von Inden statt. In Eßlingen verbrannten sie sich anö Furcht vor noch größeren Martern selbst in ihren Häusern und der Synagoge. König Karl, der sich seiner Kammcrknechte im Reich nicht annahm, vielsach wohl auch nicht in der Lage war, sie ausreichend zu schützen, hatte schließlich wenigstens insofern noch Gewinn von der Sache oder, doch Ersatz für entgangene Einnahmen, als ec die heimgcfallcncn Güter der unglücklichen Opfer in.Anspruch nahm und für Amnestieertheilnng sich von den Städten meist ') Der Herr Verfasser hätte hier wohl hrurnfügen dürfen, dag man die Juden dazu gezwungen habe. Vergleiche seine eigenen Ausführungen.׳ ') Bei der eben genannten ״Naubsucht", ״Handelseifersucht" und ״Mißgunst" hätten die Motive wohl eine andere Bezeichnung als ״soziale" verLrettt. Bußgelder bezahlen ließ, cm Gewinn, den, wie andere Landvögte, die Grafen von Württemberg als niederschwäbische Landvögte.mit ihm theiltcn, indem sie, soviel bekannt, durch königliche Schenkung die Hinterlassenschaft der getödtctcn Inden zu Eßlingen und Reutlingeu erhielten und Bußgelder von Nottweil und Hall im Betrag von 700 und 800 fl. einzichen dürsten. Auch Befreiung von ihren eigenen Judcnschnldcn wußten sie zu erreichen: wie andere schwäbische und clsässische, weltliche und geistliche Herren schlossen sie am 5. Inn!!349 eine Einigung mit der Stadt Straßburg, wonach die letztere sich verpflichtete, alle und jede Pfandbricse, welche die straßbnrgischen Inden von diesen Herren besessen hatten, anszuliefern, dagegen sich für den Fall Hülfe zusichern ließ, daß sie wegen der Juden angegriffen oder geschädigt würde; noch a!n 10. Dezbr. 1361 wurden die Grasen und ihre jämmtlichen Unter- Lhanen durch den König, welcher im allgemeinen die ausstchendcn Jndenschuldcn alS ״ans Reich gefallen" erklärte, aller vor dem Jahre 1349 gemachten solcher Schtildcn loS und ledig gesprochen. DG - UWMmr Zeit. Novelle von Friedrich N o t t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ״Da sprichst Du wieder einmal von Dingen, die Du gar nicht verstehst. Waö weißt denn Du von Mädchennamen, oder von den Prätentionen, zu denen dieselben berechtigen? Ich z. B. habe mich von jeher über meinen Namen geärgert. Flora, der Name erinnert beständig an Blumen. Dabci denkt der Eine an ein sogenanntes bescheidenes Veilchen und der Andere am Ende gar an eine Klatschrose. — Aber Bella, Bella — der Name ist noch weit ärger, dabci denkt Jeder an eine hohe, stolze Schöne — und wenn dann die Trägerin dieses stolzen Namens cm schmales, kleines Mädchen ist —" ״Ich habe noch nie im Leben so viel über meinen Namen gedacht," cntgegnelc Bella lächelnd, ״und ich gestehe, wenn ich ihn mir selbst gegeben hätte, hätte ich mir vielleicht einen andern gewählt — aber vielleicht auch nicht — Ies extremes se touehent." Flora war ärgerlich über den leichten, Bildung vcrrathendcn Ton der jungen Russin, namentlich der französische Brocken verdroß sie, wie konnte diese hergelaufene Bettlerin sprechen, als. ob sie ihres Gleichen wäre? — Sie hatte vergessen, daß sie selbst sie angeredet hatte — aber von jetzt an wollte sie sie vollständig ignoriren.

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