Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1887)
- Article
- Die neueste Leistung d. Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes im Dienste der Reform
- Date
- 1887-02-24
- Page
- 115 (sequence 3)
- Language
- German
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115 -Die Menschen müssen zu Handlungen getrieben und zum Nachdenken veranlaßt werden. Daher jede dieser vorgcschriebcnen Handlungen, jc&cv Gebrauch, jede Zeremonie ihre Bedeutung, ihren gediegenen Sinn hatte," — dieser MoscS Mendelssohn, welcher in seiner Einleitung zu seiner Schrift über ״die Ritualgesctzc der Juden" cS aussprach, daß alle Gesetze und Vcr- Ordnungen der Thorr von uns ״als Befehle Gottes für von immerwährender Verbindlichkeit gehalten werden", — dieser Moses Mendelssohn wird in dem Organe des Deutsch-Israelitischen Gcmcindebundes angerufen, um den hier veröffentlichten Briefen David FriedländcrS den Schein zu verleihen, als ob sie in seinem, Mendelssohns, Geiste geschrieben wären! Denn dieses und nichts Anderes kann die Absicht sein, wenn hier David Fricdländcr ״als der begabteste und talentvollste Schüler MoscS Mendelssohns״ dem gegenwärtigen Geschlechte vorgcsührt wird, von welchem cS verlohnt, die folgenden Briefe als werthvolle Dokumente der Vergessenheit zu entreißen. Schüler eines Mannes ist Derjenige, welcher von diesem Lehrer entweder unmittelbar Unterricht empfangen, oder sich an dessen Schriften und lebendigem Beispie! gebildet und in seinem Geist und nach seinen Lehren lebt und wirkt. Im ersten Falle wird cS nicht unbedingt erforderlich sein, daß der Schüler auch wirklich die Lehren des Meisters vollständig in sich aufgenommen hat. ES gicbt auch nnanfmerksame, faule, ungerathene Schüler, die dem Lehrer viel Hcrzlcid bereitet und nichts von seinem Unterrichte sich augeekgnet haben. Von einem solchen Verhältnisse kann aber zwischen Mendelssohn und Fricdländcr keine Rede sein, da jener niemals eine Lehrthätigkcit, es sei denn diejenige seiner Jugendzeit als Hauslehrer im Bernhardschm Hanse auSgenbt hat. Vielmehr kann hier nur auf ein solches Bcrhältniß hingedcntct werden sollen, in welchem der Geist und die Lehren eines bedeutenden ManncS von einem Andern derartig ersaßt und bcgriffen worden sind, daß sicsein Denken und Handeln zu einer Fortsetzung des Lebens und Wirkens des Meisters gestalten. Es dürfte aber kaum ein größerer Gegensatz gedacht werden können, als McndlSsohn und Fricdländcr, und cS könnte dieser Gegensatz in keiner grelleren Bcleuchtung in die Erscheinung treten, als gerade in den hier vorliegenden Briefen, welche unter der Devise eingeführt werden, von ״dem begabtesten und talentvollsten Schüler MoscS Mendelssohns״, — das will und kann doch nichts Anderes besagen, als int Mendelssohn'schcn Geiste und nach Mcudclsohn'schcn Lehren — geschrieben zu fein. Zu einer solch horrenden Lüge kann nur die vollendetste Unbckanntschast mit Mendelssohn oder eine beabsichtigte tendenziöse Fälschung gelangen. Den Schreiber dieser Briese nicht nur einen Schüler MendelssohnS, sondern sogar den begabtesten und taleutvollsten seiner Jünger zu nennen, ist aber nicht nur chic objektive Unwahrheit, sondern gicbt sich auch als eine schwere Versündigung an dem Andenkcn MendelssohnS und eine arge Herabwürdigung seines Namens, daß nicht energisch genug dagegen Verwahrung eingelegt werden kann. (Schluß folgt.) Die EinMihnng des nennt Friedhofes fit longenfelde bei Himbnrs. Daß wir dieses Ereigniß für bedeutend genug erachten, um ihm eine etwas längere Betrachtung zu widmen, wird durch die Geschichte dieses neuen Fried- Hofes gerechtfertigt. Diese Geschichte ist leider nicht aus den rnhntvollen Blattern der alten Hamburger Gemeinde verzeichnet. Andererseits aber berichtet sie von der beharrlichen Treue und unerschütterlichen Gewisscnhaftigkeit des Mannes, dessen Händen die Führung der Hanlbnrger Genteinde anvcrtrant ist,-eines Mannes, welcher keine, auch nicht die schmerzlichste Widerwärtigkeit 311 erdulden scheute, um dasjenige zu schassen, was ihm für eine der heiligsten Anliegen einer jüdischen Gcineinde gilt. Wenn Festigkeit des Charakters, unermndliche Thätigkeit für ein fromnteS Werk und unerschrockcne Vertretung der Wahrheit Anspruch auf ehrende Anerkennung erheben können, so wird man diese dem Hamburger Rabbiner in uneingeschränktestem Maße zu Theil werden lassen müssen. Wahrlich, wir können Herrn Obcrrabbincr Stern die freudige und schmerzliche Bewegung nachentpsinden, in welcher er a>" d. 3. das Feld bei Hamburg seiner zukünftigen Bestimmung als ein בית עולם weihte. Wir begreifen cs, wie er in tiefer Rührung sich im Attfblicke zu Gott wandte, daß Er seinen Lippen Bercdtsamkcit verleihen möge, um Sein Walten zu vcrkünden. Er erblickt in der Thatsache, daß cS ihm trotz aller widrigsten Kämpfe dennoch vergönnt geworden ist, das augcstrcbte Ziel zu erreichen, mit vollem Rechte eine gnädige Fügung Gottes, welcher die von ihm geführte Sache zum Siege geführt und seinem redlichen Mühen den Segen des Gelingend verliehen hat. Dieser Friedhof, welcher noch keiner einzigim Grabstatte Raum gewährt hat, besitzt bereits eine lange bedeutungsvolle, ernste und lehrreiche Geschichte, welche so sehr mit den eigenthümlichen Zuständen der Hamburger Gemeinde verknüpft ist, daß sie nur im präg-