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Jeschurun · 1887-02-17 · Heft 7 (17.2.1887) · p. 99

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 7 (17.2.1887)
Article
Das Bewußtsein vom Judenthum
Date
1887-02-17
Page
99 (sequence 3)
Language
German
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99 heit in Wirklichkeit zum anspornmden Vorbilde. Sie rühmten sich nicht ihrer in hohler Prahlsucht, sie wetteiferten in dem Streben, ihrem Beispiele zu folgen. Sie trieben mit ihren Heroen keinen leeren und eitel!! Kultus. Der Gedanke an sie erhob ihre Seele zu der heiligen Begeisterung, gleich jenen die Gesetze Gottes zu erfüllen, unbeirrt um die äußeren Verhältnisse, welche ein widriges Geschick ihnen bereitete. Der Hinblick aus jene edlen Jünglinge ans ihrem königlichen Gcschlechte, auf Daniel und seine Genossen, die am Hofe des babylonischen Herrschers dem Gebote über die Nahrung treu blieben trotz aller Verlockungen, אשר לא יתנאל בפתבג המלך וביין משהיו, die sich nicht durch die Thcilnahme an der ihnen durch das jüdische Gesetz verbotenen Tafel gegen dasselbe versündigen wollten und ihr Iudenthurn nicht mit den Lippen, sondern durch dessen thatsächliche Erfüllung bckannten und übten,— dieser Hinblick ans rühmenSwerthe Ahnen veranlagte auch sic, Gott zu heiligen im Angesichte einer feindlichen, haßerfüllten Umgebung durch die vollendetste Hingebung an sein heiliges Gesetz. DaS Bewußtsein solch edler Abstammung begeisterte sie zu deren treuen Nachfolge und stärkte und vertiefte in ihnen jenes wahre jüdische Vewllßtsein. Dieses ist um Himmclssphärcn erhaben über das Dekenntniß jenes gefeierten ManncS, welcher sich nicht schämte, öffentlich das Judcnthum die Religion zu neunen, der au.zngehören er die Ehre habe, oder jenes andern Staatsmanncö, welcher vor den hochgeborenen Edellcntcn seines Landes, die ihn als ihres Gleichen nicht anerkennen wollten, sich seiner älteren und edleren Abstammung rühmte.' Jenen französischen Juden hinderte seine jüdische Religion nicht im Mindesten, deren Gebote zu mißachten, und diesen englischen Juden veranlaßte das stolze Bewußtsein seiner Ahnen keineswegs, zu der Religion derselben zurückzukchreu. DaS ächte, wahre jüdische Bewußtsein aber ließ die von ihm erfüllten Geschlechter inmitten der Jahrhunderte der Fiustcruiß, der Verfolgung und Mißhandlung das Bckcnntniß alltäglich aussprechcn: Wahrhafte Gottesfurcht auch im Verborgcnen bcthätigt, aufrichtiges Bekcnntuiß der einzigen Wahrheit vor der Welt und dem Tribunal des Herzens, und auf diesem Grunde innc werden der Hinfälligkeit aller irdischen Größe, aber durchdrungen von dem hohen, das Irdische in daö Bereich dcS Ewigen erhebenden Beruf, zu welchem sie ganz besonders die Abstammung von den Edelsten verpflichtet, zu dem wahrhaftigen Dienst Gottes, und nur aus diesem Bewußtsein von dem Judcnthum und aus dieser jüdischen Gesinnng das Bekenttiniß dcS שמע vor Gott abgelegt, in der festen Zuversicht, daß die -von dem Judcnthum proklamirte und von dem wahrhaften Juden durch die That bekannte wahrhaftige Gotteöhuldigung dereinst von der Gesammtmenschheit ihrem Herrn und Vater dargcbracht werden wird. Dieses wahrhafte Bewußtsein vonl^JEnthum lehrte sie, mit der treuesten Erfüllung <^eö jüdischen Gesetzes die loyalste Gesinnung gegen den Staat, die unverbrüchlichste Treue gegen den Fürsten, die opferfreudigste Liebe gegen den Mitbürger zu verbinden. Das Zeugnis; kann ihnen die Geschichte der Staaten und Völker nicht vorenthalten. -•־, Dieses Erbe einer großen Vergangenheit bildet den kostbaren Schatz der Enkel, und nur Diejenigen, die dieses Erbe, dieses Vewußtseinr vom Judenthum, angetreten, dürfen sich der Ahnen rühmen. Jene aber, die den Satzungen des Judenthums den Gehorsam verweigern und durch ein leeres Bckcnntniß der Lippen die alte Treue, und den alten Gehorsam ersetzen zu können glauben, rühmen sich fälschlich ihrer Begeisterung für daö Judenthum. Die wahre jüdische Begeisterung führt zu der Erkenntniß, daß nur in der Erfüllung der Gesetze Gottes daö wahre Heil, der wahre Fortschritt zn suchen ist: אשרי תמימי דרך ההלכים בהורה די, אשרי נצרי עדתיו בכל לב ידרשוהו. Die WktkiiMM der WttschulMrkme und das jüdisch-rituelle Schlachten der Were. Gutachten, erstattet vom Herrn Professor I)r. Friedr. Anton Zürn, König!. Sächsischer Hosrath und Direktor der Veterinär-Klinik der Universität in Leipzig. In Folge der Seitens.deutscher Thierschutzvereine geschehenen Agikatiouen gegen daS Schächten und weil der Verband deutscher Thierschutzvereine eine Petition gegen das rituelle Schlachten der Israeliten an den hohen Reichstag richtete, ist dem Unterzeichneten der Auftrag geworden, sich gutachtlich darüber zu äußern, ob: 1) das Schächten der Schlachtthierc eine zweckmäßige Schlachlmethode sei; 2) ob dasselbe eine thicrquälerische Handlung involvire; 3) ob die Vorbereitungen znm Schächten, soweit dieselben daS Niederlegen des SchlachtthccreS angehen, als Thierquälcreien bezeichnet werden dürfen; 4) ob gegen das Schächten, vom ethischen Standpunk betrachtet, etwas einzuwenden sei. Gutachten: ״DaS Schachten ist eine gute m!b zweckmäßige Schlachtmethode. Weder der rituelle Akt des SchachtenS, noch daS den mosaischen Gesetzen entsprechend gescheheude Nicderlegen des SchlachtthiereS darf als thierr־

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