Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1887)
- Article
- Bilder aus Australien
- Date
- 1887-02-10
- Page
- 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 der ächte jüdische Geist unter uns waltete. In Brisbane zum Beispiel existirt eine ziemlich große Gemeinde mit einer jüngst erbauten Synagoge, einem Prediger und הזן, aber sie hat keinen שוחט. Einen solchen Kultusbeamten, nnabläßlich in allen anderen jüdischen Gemcinden, hat man dort nicht nöthig. Ich sehe, wie Sie, geehrter Herr Redakteur, den Kops schütteln. Sic glauben es kaum. Aber sagte ich Ihnen nicht in meinem jüngsten Schreiben, daß Australien das Land der Kuriositäten sei? Das erklärt alles. Zum Schluß für dieses Mal und im Einklänge mit der Regel לסיים בדבר טוב, muß ich Ihnen noch mit freudiger Gcnugthnnng mittheilcn, daß wir auch eine jüdische Zeitung haben, ״The Icwish Herold", die, wie ihr Nedakteur, Reverend E. Blaubanm, das orthodoxe Judenthnm wacker vertritt. Hoffen wir, daß es ihr gelinge möge, Manches zum Bessern zu lenken. איש ינזיגי. Korrespondenzen nnd Nachrichten. Deutschland. H Hannover, 4. Februar. Die Redaktion der ״Israelitischen Wochenschrift" zu Magdeburg sendet uns ihre Nr. 6 vom 3. d. M. zu, aus welcher wir in Betreff dervon dem Neichstagsabgeordnctcn Herrn Dr. Bloch zu Wien in unserer Nr. 1 gemachten Mitthcilung über die Missionsschrift eines ungarischen Rabbiners nnd eine diesbezügliche Korrespondenz in der ״Isr. Wochenschrift" das Folgende entnehmen. Als Verfasser jener Korrespondenz nennt sich nunmehr Herr Arthur S. Weißmann, welcher erklärt, daß Herr Di׳. Bloch selbst ihm mitgetheilt habe, er werde sich veranlaßt sehen, dem Missionsprediger Schönberger eine Ehrenerklärung zu geben, weil dieser ihm mit einer Bcrbaliujnricnktage drohe. Die Redaktion der ״Isr. Wochenschrift" bezeugt in einer Anmerkung, daß Herr Weißmann ihr in einem Schreiben vom 17. Dezember bereits Mittheiluug von B'ochs Angriffen aus die Mission gegeben habe. -0- Berlin, 3. Februar. In der Wähler» Versammlung der Konservativen sagte der Abgeordnete Rechtsanwalt Wolfs, über die Juden das Folgende: ״Ich hatte die Inden für ein. Unglück des deutschen Volkes, die nicht nur verstehen,, den Wohlstand des Landes an sich zu reißen, sondern die. auch 'das Christenthnm untergraben und, die meist keine Vaterlandsliebe besitzen. Man schenkt-der daraus entspringenden Gefahr au maßgebender Stelle zu wenig Beachtung, und. diese Versäumniß wird sich einmal schwer rachen. Andererseits halte ich den Standpunkt der rein antisemitischen Partei für unrichtig, die alles Unheil auf die Juden zurückführt und die Deutschen und Christen von jeder Schuld an herrschenden Ucbelstüudcn freispricht. Das ist falsch. — Wenn ein gegnerisches Blatt das Bündniß der nationalen Parteien ein Kartell zwischen Semiten und Antisemiten nennt, so ist das doch nur dann richtig, wenn cS annimmt, daß jeder, Nichtjude Antisemit ist; und das ist ja auch im. wcscntlichcn so; denn auch der Fortschritt ist schon vielfach mit Antisemiten durchsetzt." Demgegenüber möchten wir indeß fragen: wieso kommt der Herr Abgeordnete zu der ganz absonderlichen Meinung, daß die Juden den Wohlstand des Landes nach und nach au sich reißen? Mit demselben Rechte kann er dies von den nichtjüdischen Mitbürgern behaupten, wenn er etwa der geradezu ungeheuerlichen Ansicht huldigt, daß das Blühen von Handel und Wandel, was nothwendigerwcise eine Mehrung des Wohlstandes der im Handel und Wandel Thätigen mit sich bringt, eine Schädigung des Wohlstandcs des Landes zur Folge habe. Und ferner, wo ist nur im Entferntesten durch die Inden das Christenthnm untergraben worden? Endlich, was die Vaterlandslicbe betrifft, so stehen die Juden ihren christliehen Mitbürgern darin in keiner Weise nach. ES ist wirklich schade um jedes Wort, diese den Inden ins Gesicht geschlenderten Vorwürfe wicdcrtegcn zu wollen. Daß aber ein Abgeordneter cs wagt, in solch ernster Zeit derartige schwere Beschuldigungen gegen eine große Anzahl deutscher Staatsbürger zu erheben, das verdient jedenfalls die allcrschärfste Rüge. Herr Wolfs ist der Anwalt StöckcrS in dessen verschiedenen Rcchtshändeln gewesen. Die Lorbercn. seines Klienten scheinen, ihn nicht׳ schlafen zu lassen. ES gelüstet ihn des gleichen Ruhmes ihcilhastig zu werden. ' Holland. * Amsterdam, 4. Februar. Der soeben ausgegebene Bericht über die zur Unterstützung der israelitischen Armen im heiligen Lande bei den Pckidim und Amarfalim der israelitischen Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam im Jahre 5646 eingcgangcucn Spenden weist eine Gksammteinnahme von 115532 fl. 41'/-»Et. auf. א׳ב׳ן Aus Holland, Februar. Durch alle Kreise des holländischen Volkes zieht ein. Strahl der Freude nnd festlicher Stimmung. Am 19. d.M. vollendet unser geliebter König sein-siebzigstes Lebensjahr. Da ist keine Stadt .und kein Dors wo cs an Vorbereitungen fehlt, um dieser vollbcrechtigstcn Freude Ausdruck zu verleihen. Daß die Juden nicht znrückstchen, versteht sich von selbst. Verbindet, sic doch vielleicht in noch höherem Maße als. ihre andersgläubigen Mitbürger das. heilige Gefühl der Dankbarkeit und.Verehrung, mit