Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1887)
- Article
- Bilder aus Australien
- Date
- 1887-02-10
- Page
- 89 (sequence 1)
- Language
- German
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89 Jefchurrm. M 6. Silder m Anßralien. Melbonrrle, ביום הוכה המזבח. In einem Lande wo die unumschränkteste Freiheit waltet, wo die Bekenner aller Religionen auf gleichem Fuße stehen, da sollte man doch meinen, daß das Indenthnm trefflich gedeihen mußte; daß seine Söhne und Töchter seinen Satzungen auf das Gewissenhafteste Nachkommen, seine Institutionen auf das Sorgsamste pflegen würden. Nun Gottlob! an Synagogen gebucht es uns nicht. In Melbourne haben wir deren drei, in Sydney eine der herrlichsten, die je zur Ehre unseres Gottes erbaut wurden, ein Denkmal der Opfer- Willigkeit unserer dortigen Glaubensgenossen. Auch in Brisbane (Queensland), Duuedin und Aucktand (Neuseeland) sind in jüngster Zeit neue Gotteshäuser, an Stelle der alten im Laufe der Zeit unzulänglich gewordenen, erbaut worden. Aber wie sieht es denn innerhalb dieser Stätten jüdischer Frömmigkeit aus? Man muß der Sydney-Gemeinde die Anerkennung lassen, daß sie den Gottesdienst regelmäßig besucht. An Sabbathen und Festtagen sind die meisten jüdischen Geschäfte geschlossen, und ihre Inhaber finden sich zum Gottesdienste ein. Reverend A. B. Davis ist ein guter הזן und tüchtiger Redner, aber das gesetzestrene Judenlhum findet in ihm feinen kräftigen Fürsprecher. Mit seiner Zustimmung sind die Gebete abgekürzt worden, und besteht schon seit mehreren Jahren ein aus Danlen und Herren zusammengesetzter Chor. Die Sucht nach Reformen ist sehr stark innerhalb der Gemeinde, und wäre eS nicht, daß noch einzelne Gemeindeglieder, namentlich Herr M. Gotthekf, der jetzige Präsident der Gemeinde, treue Anhänger dcö überlieferten JudenthuulS sind, so würde der Einführung der Orgel und anderer gesetzwidriger Handlungen kein Hiudcrniß im Wege stcheu. Unter den! Vorsitze des genannten Herrn hat sich in jüngster Zeit Manches gebessert. So wurde z. B. die 4מהיסח auf einen bessern Fuß gebracht und die Znbereitnng der מצור. על בבה mit größerer Gewissenhaftigkcit überwacht. Hoffen wir, daß cö bent edlen Manne gelingen möge, ferner segensreich für das Interesse unserer heiligen Religion zu wirken, und daß sich an ihm das ermuthigcnde Wort bestätigen möge .יצאו מחיל אל היל In Melbourne wird der Gottesdienst mehr nach orthodoxer Weise geleitet, aber die Synagogen sind meistens leer. Nur zweimal des Jahres, am ersten Tage ר׳ה und am י׳ב sind die Gotteshäuser voll, zu allen übrigen Zeiten ist die Zahl der Andächtigen äußerst klein. Die oft zilirte Wahrheit ברוב עם ההרה מלך wird ganz unberücksichtigt gelassen. Die meisten Juden haben ihre Geschäfte am 4מבת offen, obwohl eS meines Erachtens kein Land giebt, wo man mit größerer Leichtigkeit;שבר halten könnte als in Australien, da die meisten Geschästc am Sonnabend etwa gegen Mittag geschlossen werden. Es sind nur ein paar Stunden, etwa von 9 bis 12 Uhr Morgens, die der Jude bei bem Beobachten deS מבת■ verliert, aber auch dieses geringen Opfers sind die mciftcit unserer hiesigen Glaubensgenossen nicht fähig. In anderen Gemeinden sieht eS nicht besser ans. In Adelaide, Brisbane und Dnncdin hat man cS durch Neuerungen, oder sögenannte attraetious versucht, eine größere Bctheiligung am Gottesdienste zu bewirken. Eitles Gebahrcn! Der Jude, der dnrch künstliche oder vielmehr gesetzwidrige Mittel zum Beten herangezogcn werden muß, ist dem jüdischen Leben längst fremd geworden. Religion hat für ihn keinen Werth. Das haben die Reformversuche in anderen Ländern längst bewiesen. Aber von der Ferne sieht man alles im rosigen Lichte, Distance leiuls enchartment 10 the view. Da klingen die Orgeltöne über den großen Ozean zu uns herüber, so süß, so verlockend, so erbaulich — die Schaar der 23ctcnbcn am anderen User natürlich setzt ihnen kein Hinderniß in den Weg — daß man zu glauben ansängt, die Reform sei das rettende Mittel, dem religiösen JndisferentismnS kräftig entgegenzntreten. Alles vergebens! Treues Anhängen am väterlichen Glauben macht uns zu gewissenhasten Juden, nichts Anderes. Wohl donnern unsere Rabbiner von den Kanzeln gegen diesen immer zunehmenden Abfall vom jüdischen Leben, aber ihre Worte verhalten in den leeren Räumen der Synagogen und bleiben nnbefolgt. Freilich haben wir Schuten, in denen die Jugend in unserein Glauben unterrichtet und zur Befolgung unserer Gesetze ermahnt wird. Wo aber Lehre und Bethätigung nicht Hand in Hand gehen,, wo das HauS den Unterricht nicht praktisch unterstützt und bewahrheitet^ da kann die Jugend schwerlich zu treuen Vefolgern jüdischer Gesetze hcraugebildet werden. Dennoch ist eS gut, daß die jüngere Generation religiösen Unterricht erhält. Wir wissen ja nicht, was im Schooße der Zeit schlummert. Ein neuer Geist mag eines TageS unter uns erwachen, und Kenntniß unserer Religion ist immerhin die stärkste Stütze eines religiösen Lebens. Wie cö - mit בימרות unter uns steht, darüber möchte ich am liebsten schweigen. Wohl ist eS für das reisende Publikum unseres Glaubens nicht leicht, den Speisegesetzen getreu zu werden, und Leichtfertigkeit außerhalb des HanseS führt zu ähnlicher Praxis innerhalb desselben המל נעימה מבע. Dennoch sollte man erwarten, daß eS eine große Anzahl jüdischer Familien gäbe, in denen ein streng jüdische 'Küche' zu finden ' sei. DaS ist leider' nicht der Fall. Es fehlt einsach am Willen, die Möglichkeit ist vorhanden, und die Schwierigkeiten sind kaum neunenSwerth, wenn nur