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Jeschurun · 1887-01-27 · Heft 4 (27.1.1887) · p. 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 4 (27.1.1887)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1887-01-27
Page
60 (sequence 2)
Language
German
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11m Wallcnstcin und Queftcnbcrg, daS Banket wurden mit Fcncr und Leben dargestellt; ein Jeder spielte, wenn er auch nicht zu sprechen hatte. DaS szenische Arrangement darin war, Dank der Hülfe des Sta.dtthcaterS, glänzend. Bon den Darstellern zeichneten sich einige durch besondere charakteristische Bortresslichkeit ans: so der Bauer, der Kroat, der Kapuziner, der Wachtmeister im Lager. Die beiden Jäger und der Kürassier waren in trefflichen Händen. Durchgängig wurde laut und verständlich gesprochen — die lieber Windung einer Schwierigkeit, die nicht gering zu achten ist. Das Neitcrlicd ward frisch und fröhlich gesungen. In den Piecolomini's begegneten wir nun den Hauptdarstcllern, die nach der Meinung aller Zuhörer vorzüglich waren und auch in der hiesigen Presie warmes Lob davongetragen haben. Eine Prachtleistung war der Wallcnstcin, bei dem wir die Fähigkeit, seiner gcwaltigen Nolle hinsichtlich des LcrncnS gerecht zu werden, ebenso bewunderten wie die ÄodutatiouSfähigkcit seines Organs, die Ruhe feines Spiels und dabei doch den Ausdruck seiner Gesten und Mienen. Würdig standen ihm die beiden Piccolomini zur Seite, beide gleich vortrcfstich in Wiedergabe ihrer so überaus schwierigen Nöllen: der eine ruhig, kalt, berechnend: der anderelebhaft, feurig, chmreißcnd. Als Vierter trat der höfisch-geschmeidige, malitiösc Oucstenbcrg schön hervor, vielleicht neben dem Bnttlcr für einen Schüler die fchwicrigste Nolle. Aber der fange Mann entledigte sich seiner Aufgabe mit bestem Geschick und schns so einen hübschen Gegensatz dcS höfischen zum militärischen Leben, wie ihn die Dichtung verlangt. An diese' Bier schlossen sich Jllo, Buttler, Jsolani würdig an und erwirkten so ein gutes Ensemble. Die Banketszcnc gelang meisterhaft. — Am zweiten Abend kam Wallensteinö Tod zur Aussnhrung. War schon am ersten Abend der Zuschaucrraum dicht gefüllt, so hatte das Gelingen der ersten Vorstellung am zweiten eine solche Menge von Publikum herbcigczogcn, daß kein Plätzchen mehr frei war. Und herrlich schloß das Ganze ab. ES gelang den Darstellern, im Publikum die höchste Spannung, eine tiefe tragische Erschütterung zu erzielen; ja selbst ein unglücklicher Zwischenfall, der den Hauptdarsteller befangen zu machen drohte, ward durch seine Nuhe und Selbstbehen׳schn!׳g. sowie durch die Sicherheit, mit welcher cr und die Mitspielcndcn ihre Nöllen beherrschten, soweit unschädlich gemacht, daß er nicht einen Augenblick die ernste Stimmung der Zuhörer zu stören vermochte. Wir haben oben schon Wallcnstcin und die Piccolomini erwähnt: sie trugen auch an diesem Abend die schönsten Ehren davon. Ausgezeichnet waren die herzerschütternden Szenen von Malens Abschied, von WallcnftcinS Klage um den jrüh gefallenen Freund. Hier boten die Schüler mehr, als ihr Alter erwarten lassen konnte. Octavw war in den drei großen Szenen des zweiten Aktes meisterhaft. Und alle Anderen waren tüchtig am Platze. Kleine Kabmetstückchcn waren Wränget und der schwedische Hauptmann; Bntiler stattete seine unsympathische Nolle mir einer ganzen Reihe glücklich dnrchgcführter charak- Lcristischcr Momente ans; cr scheiterte nicht, wie so mancher Schauspieler, an der überaus schwierigen Szene mit Octavio. Terzky, dem die schwere Uebcrrcdnngsszene der Gräfin in den Mund gelegt'war, sprach 'mit scharfer Akzentnirnng und guter Eharaktcristik; cr und Jllo, denen durch die Bearbeitung im dritten Akt ungemeine Schwierigkeiten betreffs dcS szenischen Arrangemcuts erwachsen waren, vermieden jede Klippe, ja, ließen sogar jene oben erwähnte momentane Störung kaum merkbar erscheinen. Trefflich war Gordon, in dessen Händen der gute Abschluß dcS letzten Aktes lag. Und lo fügte sich eins zum andern, so daß, als der Borhang siel, die Schüler unter dem jubelnden Bcifallc deS Publikums die Gewißheit gewonnen hatten, ein mächtiges Unternehmen, an dessen Gelingen so mancher Sachverständige gczweifelt hatte, zu schönstem, allseitig befriedigendem Abschluß gebracht zu haben. Eltern und Lehrer aber konnten stolz sein ans die Leistungen ihrer jungen Schutzbefohlenen: schon daß ohne jeden Sonflcnr gespielt worden, war des höchsten Lobes werth; daß aber gut und der Dichtung gemäß gespielt worden, daS gab Jenen die Gewißheit, mit welchem guten Erfolge die Schule an den Schülern gewirkt hatte. Denn eine solche Einzcllcistnng war nur möglich, wenn ihr eine jahrelange tüchtige Gesanuntarbeii vorangcgangcn war. Erwähnen wir endlich noch die Regie. Der früher an der Anstalt beschäftigt gewesene Lehrer Herr Schmidt hatte dieselbe unter der Aegide dcS Herrn Direktors übernommen und entledigte sich seiner Aufgäbe mit bewunderungswürdigem Geschick. Er hatte es verstanden, in feinsinniger Weise die Dichtung den Schülern nahe zu führen und zu eigen zu machen; er hatte mit ausgezeichnetem pädagogischen Takte daS Ganze geleitet und somit den Intentionen der Schule in glücklichster Weise entsprochen; cr war endlich mit unermüdlichem Flciße und freudiger Hingabe thätig gewesen, um die wahrlich nicht geringen Schwierigkeiten zu überwinden und das Ganze dem herrlichsten Gelingen entgegenznsührcn. Dadurch war ihm der einstimmige Dank der Eltern und der Schüler zu Theil geworden. Die Pansen der dramatischen Aufführung wurden durch Gesangvorträge auSgcsüllr. Schwierige Stücke, wie; daS Zigeunerleben von Schumann, ein köstliches Terzett! von Nass, das Glöckchen!icd ans der Zauberflöte von j Mozart waren gewählt worden, aber die Präzision der! Einsätze, die Nüanciernng des Vortrages, die Ncinhcit! der Intonation ließ nichts zu wünschen übrig und er-

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