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Jeschurun · 1887-01-13 · Heft 2 (13.1.1887) · p. 23

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 2 (13.1.1887)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1887-01-13
Page
23 (sequence 4)
Language
German
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Annalen der Papacr Gemeinde beispiellos dastehen. Und cs ist doch allbekannt, daß diese dreisten Neologcn nur der Großumth der orthodoxen Großgemeinde ihre Ausnahme in den Verband derselben zu verdanken hatten.- —-Fazit: Mit Kongrcßlern ist nicht gut einen Bund zu schließen. Aber Orthodoxe und Status-quo harinoniren sehr wohl mit einander, von diesen gilt das Wort מה טוב וסח נעים שבת אחים גם יהד; darum, wer dazu beitragen kann und cs verabsänmt, die zwischen diesen gesinnnngSvcrschwistcrten Parteien künstlich anfgcführte Scheidewand niederznrcißen, ^יתיד ^ית! --ת הד)! Aus jmrgß verßknrgkiltt Zeit. Novelle von Friedrich NotL. . - -'י' (Nachdrirc! verboten.) (Fortsetzung.) ״Und warum hast Du ihn denn nicht für Dich behalten? Du hättest ihn Deinem Vater senden können, der sicher eine große Freude darüber gehabt hätte." ״Das hätte er nicht," cntgcgncte der junge Mann mit einer gewissen Erregtheit, ״mußten wir doch immer die Acpfel zu dem Nachbar tragen, die von seinem Baun! in unfern Hof gefallen waren." ״Dein Vater ist ein braver Mann," versetzte der Kaiser freundlich, ״und er hat einen braven Sohn. Aber die Bravheit des Sohnes soll belohnt werden. Iwan Aronowitsch, ich schulde Dir Dank, daß Du den Ning, den ich verloren hatte, mir zurückgegeben hast. Du hast mir dadurch eine große Freude bereitet, und um auch Dir eine große und zwar eine dauernde Freude zu bereiten, will ich fortan für Dich sorgen. Du sollst zunächst Seckadet werden; in einigen Jahren wirst Du Offizier, und wenn Du, woran ich nicht zweifle, brav bleibst und tüchtig wirst, so wird cs an Beförderung Dir nicht fehlen, und Du kannst cs weit bringen." Das intelligente Angesicht des Jünglings leuchtete hell auf, doch in seiner knabenhaften Schüchternheit fanb er nicht Worte zum Dank. Der Kapitän jedoch verneigte sich ehrfurchtsvoll vor dein Herrscher. ״Majestät sind allzu gnädig, und im Namen meines Untergebenen erlaube ich mir, den Lief empfundenen ehrfurchtsvollen Dank desselben auszusprechcn. — Gleichzeitig wage ich jedoch in aller Ehrfurcht zu erwähnen, daß Iwan Aronowitsch, obgleich ein braver, gesitteter, tüchtiger junger Manu, doch schwerlich jene Eigenschaften in sich vereinen dürfte, die der Offizier von dem Kadetten beansprucht. — Iwan Aronowitsch ist semitischer Abstammung, er ist Israelit." ״Das ist kein Grund, ihm die Ofsizicrskarriere zu verschließen," cntgegnete der Kaiser lebhaft. ״Der Wille Euer Majestät ist allerdings Befehl — ob indessen die Offiziere — die übrigen Kadetten —" ״Die Kadetten müssen sich geehrt fühlen, wenn ich meinen Schützling zu ihrem Kollegen mache," versetzte der Kaiser heftig. ״Um jedoch dem in gewisser Beziehung vielleicht nicht unberechtigten Vornrtheil derselben zu begegnen, soll Iwan Aronowitsch sobald wir zurück nach N .. ׳.. kommen, die Taufe empfangen und dann sofort als Seckadet cingekteidet werden. Sic, lieber T .... w, haben wohl die Güte, dafür zu sorgen, daß meinen Intentionen in dieser Beziehung aufs Genaucste entsprochen werde." Der Adjutant verneigte sich ehrfurchtsvoll. ״Ich werde dafür sorgen, Majestät." ״Majestät sind allzu gnädig," flüsterte der Kapitän. ״Iwan Aronowitsch, Du bist ein Glückskind. — Aber so sprich doch Sr. Majestät Deinen Dank aus, Iwan Aronowitsch — stehe doch nicht da, als wärest Du zu einer Bildsäule geworden." Aber der Jüngling stand in der Thal, als wäre er erstarrt; ans dein jugendlich frischen Angesicht war die Farbe vollständig gewichen; in den eben noch hell auflcnchtendcn Augen schien das Feuer erloschen, die farblosen Lippen bebten. Mit freundlichem Zureden wandte sich sein Vorgesetzter zu ihm. ״Die plötzliche Freude hat ihn total verwirrt," sagte er, wie entschuldigend, ״es fehlt ihm doch sonst nicht an Muth — cr ist unser bester Schwimmer." ״Was sagt cr?" fragte der Kaiser, voll Theilnähme zu dem jungen Mann hernicdcrblickcnd, dessen Lippen flüsternd zuckten. ״Er bittet um die.Gnade, vor Euer Majestät mit seinen Wasserkünsten sich produziren zu dürfen," versetzte der Kapitän. ״Die Gnade wollen wir ihm gerne gewähren," erwiderte der Kaiser leutselig, ״vorausgesetzt, daß seine Künste ihn nicht in Gefahr bringen." ״In dieser Vcziehimg können Majestät unbesorgt sein, cr ist, wie gesagt, unser bester Schwimmer." ״So wollen wir mit Vergnügen an seinen Produktioncu uns ergötzen." Flüsternd thcilte der Kapitän den: jungen Manne mit, daß der Kaiser ihm die erbetene Erlaubniß erlheile. Iwan Aronowitsch athmete lief auf, sein soeben marmorbleiches Angesicht überzog sich plötzlich mit Hellem Roth, seine großen lebhaften Augen funkelten. Stramm richleic cr sich auf, warf dann, wir mit plötzlichem Entschluß, sein Obergewand ab, entledigte sich der Fußbekleidung und schwang sich dann mit einem Ruck auf das Geländer des Schiffes.

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