Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1887)
- Article
- Des zehnten Tebeth Mahnung
- Date
- 1887-01-06
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Gegenwart ließ der Eroberer seine Kinder abschlachten. Ec selbst ward geblendet und in schweren Ketten nach Babylonien geführt. Einen Monat später entsendete Nebukadnezar den Ncbusaradan -nach Jerusalem, der das Werk der Bernichtung vollendete. Den hehren Tempel auf Zion, dm königlichen Palast, alle hervorragenden Bauten legte er in Asche. Die Mauren Jerusalems wurden geschleift. Den Nest des Volkes führte er gefangen mit sich fort und ließ nur von den Aernisten des Volkes in Judäa zurück, um die Accker und Weinberge zu bestellen. ׳ Dem Propheten Jecheskel, ihm, dem אדם p, dem das Endziel der menschengcscllschaftlichen Entwickelung, der Erziehung der Menschheit durch die allweise Fürsorge ihres himmlischen Vaters, enthüllt worden, auf daß er cS den Geschlechtern aller Zeiten voraus ankünde, ihm ward an diesem zehnten Tebeth vor zweitausenddreihundertundclf Jahren der göttliche Auftrag, bei Beginn der den jüdischen Staat vernichtenden Katastrophe in Gleichniß und Deutung die Ursache derseiden zum Ausdruck zu bringen. Nicht für das jüdische Volk allein. WaS an ihm sich vollzog, das sollte zum Beispiel werden für alle Nationen. Die allmächtige Hand GottcS, welche zur Befreiung Israels au der Wiege seines nationalen Daseins in Egypten sich geoffcnbart, auf daß nicht nur die ״Söhne Israels", sondern die gesammte Menschheit der Hinfälligkeit auch der stolzesten Erdengröße inne werde, die im Vertrauen auf die eigene Kraft und Klugheit im Gegensatz zu dem göttlichen Willen sich erhalten zu können wähnt, dieselbe allmächtige Hand war der einzige Schirm und Schutz des Reiches, den das kleine jüdische Volk zu begründen hatte, um in ihm inmitten der anderen menschengcsellschaftlichen Gestaltungen ein Staatswescn zu entfalten, das sichtbarlich keine andere Basis haben sollte als diesen göttlichen Schutz, für dessen Gewährung die ausschließliche Hingebung und Unterordnung der gesammten nationalen Krast unter dein gcoffcnbarten göttlichen Willen die einzige unerläßliche Bedingung war. ״Ein Reich von Priestern" sollte der jüdische Staat darstettcn, die Anerkennung und Huldigung Gottes als des einzigen Herrn und VatcrS der Menschheit verbreitend; ״ein heiliges Volk" sollte in ihm leben, das nicht in dem Ausbau der eigenen nationalen Größe, in der׳Mehrung der eigenen nationalen Glorie, in der Entwickelung irdischer nationaler Güter seine Aufgabe begreift und. zur Berwirklichung Zu bringen strebt, sondern die ganze Volkskraft in den Dienst GottcS stellt und Seine alleinige Herrschaft auf Erden über alle menschliche Verhältnisse verkündet. Der vor hundertneunundvierzig Jahren mit der Vertreibung der Stämme Gad und Rüben nach Chalach und Chabor anhebende Untergang des Reiches Israels, welcher achtzehn Jahre später durch die gänzliche Fortführung der gesummten Bevölkerung vollendet ward, sowie der mit dem Tode Joschijas in der Schlacht bei Megiddo anhebende Niedergang dcS Reiches Juda, welches von Pharao Necho, der Joschijas Sohn Jchoachas entthronte und Jehojakim zu feinem Vasallenfönig über Inda emsctzte, besiegt wurde, um später Nebukadnezar unterthänig zu werden — alles dieses war unverstanden und unbehcrzigt geblieben. Jchoachas ״that, was böse ist in den Augen Gottes," Jehojakim ״that, was böse ist in den Augen GotteS, ganz so wie sein Vater gethan" und auch Zidkija ״that, was böse ist in den Augen Gottes, ganz so wie Jehojakim gethan." Zidkija und das Volk verachteten die Warnung Gottes, die durch den Propheten Jirmija geworden, Inda vertraute auf seinen Heldenmuth und seine Wehrkraft, auf die Stärke der Befestigungen, auf die nationale Begeisterung und wagte die Auflehnung gegen die babylonische Herrschaft. Nebukadnezar rückte mit seinem Heere heran. Da ward dem Propheten Jecheskel der Auftrag Gottes, für jede im Widerpart zu Gott beharrende, GottcS Gebot mißachtende Macht im Gleichniß die große wettgeschichtliche Lehre auSznsprcchen, daß jede Menschengroße unrettbar dem Untergang verfällt, die nicht Gott sich unterordnct. Vergebens entwickelt sie alle ihre Kräfte, vergebens rüstet sie sich mit dem Aufgebote ihrer vollen Energie, vergebens sind alle ihre Anstrcngnngcn zur Konzenlrirung aller ihrer Mittel für die Stärkung ihrer Macht. Da lodert das Feuer, das belebende, gestaltende Element. Sie schüren es unaufhörlich. Sie führen ihm unaufhörlich neue Nahrung zu. Dieses Feuer soll alle im Volke und Staate vorhandenen Kräfte zur Reife bringen. Die gesammte Nation kennt kein wichtigeres Anliegen als die Unterhaltung dieses Feuers, als die Ueberantwortniig aller ihrer Theile und Mittel an dieses Feuer. ״Wohlbedacht den Topf aussctzen, — auch Wasser cinzuschütten — ihre Theile darein zu sammeln, jedes gute Theil, Seite und Schulter, — mit den besten Gebeinen ihn zu füllen! Das Anserlesenste der Hecrden zu nehmen, die Gebeine dazu zu ordnen — den Sud bis zur Erhitzung zu bringen, daß die Knochen darin kochen", — das ist die.ganze Weisheit der lediglich auf die eigene Kraft sich stützenden Macht. Das Nationalbewußtsein, der. Nationalstolz, der ungestüme Drang nach nationaler Unabhängigkeit, enthusiastischer Patriotismus soll das heilige Feuer sein, welches jeden Einzelnen und die gesammte Nation durchglüht und sie bis auf den letzten Pfennig und das letzte Marktheilchen Alles für die Erhaltung