Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Literarisch-kritische Übersicht
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Literarisch - kritische Übersicht. Bibel. Die höhere Blüthe der jüdischen Theologie würde sich in einer wissenschaftlichen biblischen Ercgese und einer gesunden biblischen Klink entfallen. Allein solange die praktische Reform noch so vi.lc Kämpfe durch zluuachcn hat, eine wissenschaftliche Erfassung des Lhalmuds noch ill ihrer Kindheit ist, dürfen wir unsere Hoffnungen noch nicht so hoch spannen. Die Zeit wird kommen, und sicher früher als Mancher es ahnt, aber gekommen ist sie noch nicht. Die biblischen Arbeiten, die die Gegenwart unö bringt, baben manches Verdienstliche, aber sie haben praktische, erbauliche Zwecke, haben das größere Publikum im Auge: sie nehmen wohl manches Wissenschaftliche auf, aber ganz auf die Höhe der Wissenschaft sich zu stellen, vermögen sie nicht. Und gerade ans diesem Gebiete wird sicherlich die jüdische Wissenschaft wieder den Höhepunkt gewinnen, wie sie ihn unter den Arabern für die frühere Zeit eingenommen halte; es wird sich dann zeigen, wie den Juden ihre Bibel doch ein wahrhaft geistiges Eigenthum sei, das sie mit der rechten heiligen Scheu, aber auch mir achter Vertrautheit, zu behandeln wissen. Jene Willkür-Herrschaft, die christliche Eregese und Kritik üben bei unleugbar großen Verdiensten, hat Bestand, solange sie von jüdischer Seite ignorirt wird; man wird vorn Ignoriren denn doch einmal abgehen und durch geistige Freiheit und Sicherheit den Hcrrscherstab erringen. Dann auch ist der Einfluß des IudcntbumS auf die allgemeine Literatur hcrgestellr, wenn dieser allgemein heilige Boden von den Juden in dieser Weise angebaut wird, und aus der Achtung, welche mau dann den Arbeiten über die ältesten Neligionöguellcn schenken wird, ströinc auch Theilnahme für die ganze Entwickelung des Iudemhumcs, welche auf dieser Grundlage sich gestaltet har. Schauen wir nun zurück: »ist auf diefcm kleinen Gebiete des jüdischen Lebens nicht Mannigfaltigkeit, Regsamkeit genug vorhanden? Nimmt man nun gar noch die Literatur der Emaneipationöschristen, der Predigten, der pädagogischen Schriften hinzu, so staunt man wahrlich über die reiche T'hätigkeit dieses Häusleins von Juden, das kaum groß genug ist, um die Einwohnerzahl