Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Literarisch-kritische Übersicht
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 4)
- Language
- German
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94 - Literarisch-kritische Übersicht. Soll daö Studium der Geschichte fruchtbar sein, so nulsr ein höherer Standpunkt gewonnen sein, von welchem auS der Zusammenhang der Ereignisse betrachtet wird, zu welchem die Thalsachen und der geistige Kampf in der Vergangenheit, alö die Vorbereitungen sich verhalten und in der Darstellung nachgewiesen werden. Nicht alö sollte ein fremder Maßstab an die Vergangenheit gelegt werden, vielmehr muß eine jede Zeit auö sich selbst und den ihr vorhergehenden Zuständen erklärt, nach ihrem Standpunkte gewürdigt werden, aber wie der Einzelne in seiner Zeit, muß auch eine jede Zeit im Eomplere der Zeiten, also in der liche, EHiwi aus Balkbu.A.gar die schnftliche d'ehre schmähten,Saadias aber diese alte bekämpfte, da erstand im kommenden (Geschlecht rer Garn Scherira, angeregt durch die wissenschaftlichen Bewohner Kairoau'S, und entwickelte ausführlich den geschichtlichen Gang der Studien in Israel und wies nach, daß es niemals an weisen und wackern Männern gebrach." Was dieser Thatsache'zu Grunde liegt, ist im Tertc angegeben. Warum erwähnt denn aber Rap. nicht das Seder Thannaim wa-Amoraim? Freilich, das pafft nicht in seine Ausfassungswciso; denn zur Zeit, als dieses geschrieben wurde, waren die literarischen Angriffe von Philosophen und Karnern noch von keinem Einflüsse, also ven dieser Seite aus gar keine Veranlassung zur Abfassung eines GeschichtSwerleS. Wenn Hr. Rap. nun im Allgemeinen die Beschäftigung mit der Geschichte als ein V erk des „Eonservati'SmuS," wie er ihn gerne für sich in Anspruch nimmt, betrachtet, so ist er in grobem Zrrtliume. Wer fest in der Vergangenheit steht, sich als ein Glied derselben fühlt, für den ist sie eine Gegenwart, für ibn giebt cs keine Geschichte; wer diese kennt, der fühlt den Abstand zwischen der Vorzeit und sich selbst, jene ist wirklich in ihm selbst vergangen. War Dies bei den AIUn in dem Sinne, daß die frühere Periode für sie abgeschlossen war nnd im Glanze heiliger Autorität strahlte, so ist es bei uns so, daß die ganze Anschauungsweise des Allerthums nicht mehr unser geistiges Eigenthum ist, sondern zum Studium geworden ist. Hrn. Rap.'s, gewiß nicht unverdienstlkche, geschichtliche Forschungen sind daher nicht das Product seines gleichen Standpunktes mit dem von ihm behandelten Alterthumc, nicht ein Streben, den damals herrschenden Glauben zu befestigen, wie er sich und uns Anreden möchte—er würde dann zu den „Gutachten" halachische Dissertationen geschrieben haben —, sie sind vielmehr ein Erzeugnis seines Dissenses, der in jener Zeit eben bloS — Vergangenheit erblickt. Wir überlassen es demnach Hrn. David Cassel, diese Bemerkung Rap.'ö „treffend und geistreich" zu nennen (das. deutsches Vorwort S. 5 unpaginirt). —