Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rundschau
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 6)
- Language
- German
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80 Rundschau. schiedener und widersprechender Verordnungen über die bürgerliche -Stellung der Inden erzeugt worden, auch den neuen Versuch, diese zu ordnen, lähmte. Wir können cs nicht annehmen, daß bewußte Tendenzen geflissentlicher Absonderung vorgewaltet haben; die alten Schläuche haben eben den neuen Geist erdrückt. — Ein anderer Lheil dieseö Gesetzentwurfs enthalt Bestimmungen über die Gemeinde- Verfassung der Juden; dieser Theil ist nicht genug getrennt von dem deren bürgerliche Stellung regelnden, ja beide sind oft seltsam in einander verflochten. Der herrschenden Anarchie gegenüber ist immerhin eine Verfassung vorzuziehen, wenn die projeciirte anch manche Wünsche unerledigt laßt; namentlich erhält die entscheidende Commission, welche von dem Minister der geistlichen Angelegenheiten ernannt wird und streitige Falle zu schlichten hat, eine gefährliche Macht. — WaS werden, so fragt man sich nun, die Stände Ihun? Die Männer, welche ihre Vedeutnng ablciten auS früheren Gesetzen und deren Unverbrüchlichkeit wahren — werden, können sie daö C'dict vom 11. Marz 1812 alö ein wandelbares, die Rechte der rheinpreußischen und westfälischen jüdischen Staatsbürger, die diesen so gut wie den andern Bürgern jener früher französischen Gebiete feierlich zugesichcrt wurden, als cmtasibar betrachten? Die Männer, welche in dem Geiste der Gegenwart wurzeln, daö geschriebene, geschichtlich gewordene Recht wohl als ein Palladium wahren, aber das natürliche, göttliche Recht, daö von der Gegenwart mit heiliger Liebe umfaßte, mehr noch ehren, provinzielle und andere Trennungen als überlebt anerkennen, nur in der vollen Einheit und der engen Verbrüderung der Staatsglieder deö Staates ^raft erblicken — werden, können sie die iheilö bestellende, theilö sogar neu zu schassende gesetzliche Absonderung der Juden mit ihrer gewichtigen, wenn auch nur beralhcnden Stimme unterstützen? Daö glaubt wohl schwerlich ein Einsichtsvoller. Also sie werden die neuen beschränkenden Bestimmungen verwerfen? Und dann? Und dann — nun, und dann leben wir dennoch Ln einer Zeit, welche den Geist mächtig walten läßt über alle verknöcherten-Gebilde auS beschränkter Zeit und sie wie Staub verweht, und die trotz allen Hindernissen auch die bürgerlichen Schranken Zwischen Christen und Juden, die morschen, wurmzcrfresscnen, geflickten und nur hie und dk coquett angestrichenm, umflürzt. G.