Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 2
- Article
- Nachschrift
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 11)
- Language
- German
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I. Die Speiscgesche. 7S Änderung verleugnen will. Verfallen wir bei Beurteilung geschichtlicher Tatsachen nicht Ln den Fehler des nackten logischen Formalismus, der eben daS thalm. System zu aller tieferen Auffassung deö biblischen Geistes und der geschichtlichen Entwickelung unfähig machte. Vielmehr müssen wir trotz jener Starrheit, welche der Thalmud anstrebl, die vorhandenen befreienden und erlösenden Elemente erkennen; will der Thalmud sie ihrer erlösenden Kraft 'berauben, nun, so erretten wir sie' wieder auö seiner würgenden Umarmung und bauen aus diesen Elementen weiter. Also es bleibt eine Wahrheit, die symbolische Anschauung von verunreinigenden Dingen hatte ihre volle Kraft langst verloren, die Gesetze, welche fast ausschließlich darin ihre Wurzel haben, waren auch wurmstichig geworden; hingegen erhielten sich freilich diejenigen Gesetze, bei welchen die „Unreinheit" blos der Anödruck ist für sittlich Abstoßendes. Daher blieben auch die ehelichen Bestimmungen, welche als solche bezeichnet wurden, in ihrer vollen Kraft, wenn auch manche symb. Erweiterung schwinden mußte. Daher aber hielt auch die thalm. Zeit an den Speisegesetzen fest, die ihr nicht als Ln das Gebiet der bloßen Unreinheit gehörig erschienen. Sie erkannte offenbar den Charakter des Naubthieres in den verbotenen Gattungen, wie die von ihr ausgestellten Zeichen u. s. w. hinlänglich beweisen. Allein ein anderes Moment wirkte bei den Speisegesetzen, das sie gewissermaßen ihrem ursprünglichen Boden ganz entzog und auf ein neues Gebiet verpflanzte. Ln dem sie für die thalm. Zeit die festeste Wurzel hatten. DaS eifrige Streben der Makkabäerzeit, den Götzendienst auö der Mitte Jsrael'Z zu verbannen und den Umgang mit den, dem Götzendienste huldigenden Völkern zu erschweren, ein Streben, dem das Judenthuin auf der einen Seite die edelste religiöse Entfaltung, auf der andern Seite aber auch die härteste Absondcrungösucht und eine Masse daraus fließender Gesetze verdankt,' mußte umsomehr auch Gesetze zur Absonderung in Speise und Trank erzeugen, als theils der Verkehr beim Mahle den vertrautesten Umgang bewirkt, theilS aber die Mahlzeiten durch Weihe einzelner Theile an die Götter gerade götzendienerisch waren. Wenn nun daraus eine Masse neuer Speiseverbote entstanden, so erhielten die alten bereits vorhandenen, wenn auch aus ganz andern Grundlage erbauten, eine neue mächtige Stutze,