Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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I. Die religiösen Thaten der Gegenwart. 5 möglich ist, und der Wunsch nach dessen ungetrübter Wiederherstellung muß notwendig vorhanden sein, wenn man ihn auch nicht ausspricht. Jedenfalls geschieht hier ein Unrecht; entweder es ist eine Lüge, daß das Gebet den Opferdienst ersetzt, vielmehr überragt es diesen bei Weitem, uno dieser war bloS rin kümmerlicher, sinnlicher Ausdruck der geistigen Regung, und man spricht diese Lüge auS, oder man glaubt wirklich, das Gebet sei ein bloßes vorläufiges Mittel zum Ersätze des gegenwärtig unmöglichen Opfers, und mau schneidet mit Unrecht den: gläubigen Gemürhe den Ausdruck des Wunsches um volle Wiederherstellung dieses angemesseneren Gottesdienstes ab. Die deutsche Sprache ward teilweise eingcführt, aber auch die hebräische blieb, und zwar besonders für die Gebete, welche einen gcwcihtcren Eharakter an sich trugen. Wir erblicken in dieser Erscheinung ein Unfertiges, noch nicht Abgeklärtes; aber immerhin, besser eine halbe That als eilte ganze Theorie, und die Thal kann nicht alsbald fertig auftreten, sie muß gleichfalls ihre Stadien durchlaufen. Der Kampf, der durch sie hcrvorgerufen wurde, war ein heißer, aber doch nicht fruchtbarer; der Angriff war ein ungestümer, ganz einsichtsloser, die Verteidigung blos eben verteidigend, nur schützend, rettend, nicht aggressiv, nicht kühn genug. Dazu kam, daß die That bald auf einen beschränkten Raum g bannt wurde. Manche Staaten schnitten Ln ihr eignes gesundes Fleisch und unterdrückten jede Belebung und Neugestaltung des verkümmerten, krankhaften jüdischen Gottesdienstes, und alle Versuche mußten der Wucht der Herrschergewalt unterliegen. Dennoch wirkte die That befruchtend. Die Umbildung des Gottesdienstes drang leise in mehre Gemeinden ein, und war auch diese Umbildung nicht einmal soweit gediehen, wie die im Tempel vorgenommcne, so war doch an räumlicher Ausdehnung gewonnen, und die Nachahmungen hatten den Vorzug, daß sie ganze Gemeinden umfaßten. Nicht minder fand die Theorie einen neuen Anreiz, an dieser offenen Frage sich immer mehr zu beteiligen, und die Literatur erstarkte daran lind erzeugte großartige Werke, die dann wieder Keime praktischen Entwickelung wurden. Mit dem Beginn des vorigen Jahrzehends erwachte der VolkSgeist und der Thatendrang wieder in Deutschland. Auch Ln den Juden erwachte lebendiger das Bewußtsein der neuen Zeit, und sie