Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Zeitschriften
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929044-2932215--3057-2932490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
390 Nachrichten. seinen Ausdruck finden sollte, Kernfprüche und Sagen und dergl.; fade Witze und Anekdötchen jedoch würden wir gerne vermissen. Es ziemt solchen Jahrbüchern das wahrhaft religiöse Element und der Nachweis, wie sich dasselbe in jüdischem Leben und jüdischer Sitte abspiegelt; doch scheint der letzte Jahrgang des Wiener Jahrbuches hierin des Guten zu viel zu thun. Manche Arbeiten desselben bringen nämlich weitgetriebene Sublimirungen einzelner Ceremonien, andere zeigen eine Überschätzung von Sagen, die ein Lächeln abnothigt, die z. B. Herrn Or. Sachs veranlaßt, der poetischen Behandlung einiger Sittensprüche und moralischen Erzählungen den Pretiosen Titel: „Zur Charakteristik des Judenthums, seiner Lehre und seiner Lehrer" beizulegen, Herrn Stern gar um Rettung einer Legende willen, die übrigens auch bei Verlust ihres historischen Anhaltspunktes ihren Werth behält, zu einer Polemik gegen die Aussprache Gimso (als Ort) in dem Namen des Nachum in schlechten ironifirenden Versen antreibt. Doch zweifeln wir nicht an der immer größeren Vervollkommnung dieser Kalender und Jahrbücher uud hegen die bestimmte Hoffnung, daß sie fortan ein gesunder Zweig an dem Baume der periodischen Litteratur sein werden. Der Rückblick auf die mannichfaltigen Erscheinungen, welche das viesbewegte geistige Leben der Juden in Deutschland periodisch an's Licht gefördert hat, befestigt ebenso das freudige Bewußtsein von wirtlichem Reichthum der Bildung und dem vorhandenen Interesse an einer lebendigen Entwickelung, wie er auch die Hoffnung nährt, daß der Einfluß einer solchen unermüdlichen Anregung immermehr im Leben sich bewähren werde. Auch dürfen wir gewiß sein, daß die Produktionskraft des jüdischen Geistes mit den bestehenden Organen nicht erschöpft ist, es werden neue hinzutreten, welche bisher vernachlässigte Seiten mehr anbauen, das Interesse für brach liegende Zweige mehr cmregen und anders nüancirte Richtungen vertreten. Jedenfalls steht jetzt schon, wie auch früher, Deutschland einzig da an Reichthum wie Gediegenheit seiner jüdischen Schöpfungen; kümmerlich nimmt sich das Ausland dagegen aus daS wenig selbstständige Kraft auf diesem Gebiete beweist. In einem vierten Artikel werden wir die außerhalb Deutschlands seit 1839 erscheinenden Zeitschriften beurtheilend-Vorführern Breslau 17. Januar 1844. M.