Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Verhältniß des natürlichen Schriftsinnes zur thalmudischen Schriftdeutung
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929044-2932211--2922-2932360- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zur chatmubischen Schriftdeutung. Eine Skizze. 2S9 verlor und für die nicht einmal ein Ausdruck vorhanden war. Die-Baraitha's gingen in diesem Wege weiter und bildeten bereits das Deutungsverfahren zu einem sehr bedenklichen aus, doch noch immer im Glauben, hierin der natürlichen Eregese zu folgen, daher auch manche gewagte Deutung, als dem gesunden Sinne widersprechend, verwerfend. Zur vollsten Konsequenz ward dieses Verfahren endlich von der babylonischen Gemara fortgeführt, die keine Vorschrift ohne biblische Begründung zu lassen entschlossen war, aber dadurch auch zu solch gewagter und gewaltsamer Behandlung des Schriftwortes gelangte, daß endlich auch der einfache Sinn sein Recht geltend zu machen begann, aber dieses Beginnen nur sehr leise vornahm, daß wohl in einem allgemeinen Ausspruche das Recht anerkannt, aber fast nie angewandt wird. Hätten die Studien in Babylon ihren ruhigen Fortgang gehabt, wer weiß, ob nicht der natürliche Sinn seine Rechte allgemein entschieden geltend gemacht und eine gänzliche Umwälzung hervorgeruftn hätte; allein Unruhen drangen ein, und der Lhalmud war plötzlich geschlossen, eine untastbare Autorität, und der Zwiespalt zwischen der berechtigten gewagten Deutung, auf der die ganze recipirte Gesetzesübung gestützt wurde, und dem natürlichen Sinne mußte sich durch die Jahrhunderte fortschleppen. Wie sich ihm gegenüber, die denkenden Rabbinen benommen, hat ein dritter Artikel nachzuweiseu. ' - - G. ' Bemerkung. Persönliche Umstände des Herausgebers haben das Erscheinen dieses Heftes verzögert. Diese Zögerung machte es auch erforderlich, daß dieses Heft blos Abhandlungen enthalte, während das unmittelbar folgende dritte hingegen blos die Rubriken: Necensionen, Miscellen, Bibliographie und Nachrichten einschließen soll. Hierbei hoffe ich mich in dem Vertrauen auf die Nachsicht dds Publikums nicht zu täuschen. . G. 18