Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über religiöse Trauung und deren (historische) Bedeutung im Judenthume
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
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und deren hist. Bedeutung im Judenthume. SS! Was soll dieser doppelte Anachronismus der Sprache und des Inhalts bei einer religiösen Handlung, die Gemüth und, Geist des Brautpaars auf die Wichtigkeit ihrer Verbindung lenken und zur Erfüllung ihrer Pflichten als Gatten vorbereiten soll? — Ein anderer Uebelstand unserer jetzigen Praxis ist, daß doch die religiöse Trauung im Grunde nur Nebensache ist und die Gültigkeit der Ehe ist bedingt, daß eigentlich eine in irgend einem Winkel von einem Manne zu einer Frau gesprochen, sie zum Ehepaar macht, kurz, daß wir durch den Fortschritt des Lebens nicht auch in unfern gesetzlichen Bestimmungen fortgeschritten sind, daß wenn unser einer Fuß auch mit dem Geiste der Zeit sich weiter bewegt, der andere fest eingeklemmt ist in den Fugen der alten verwesten Welt. Ich erinnere mich aus meiner Jugend einer Geschichte, die mehr als alle Beweise das Zweideutige unserer Stellung darzuthun geeignet ist. Kinder spielten die Farce einer gewöhnlichen Gassentrauung. Ein etwas erwachsenes Mädchen machte die Braut, ein Knabe den Bräutigam. Es war Kinderspiel und Spaß. Aber das damalige Nabbinat in Fürth, wo dies vorfiel, verstand keinen Spaß und entschied, das (Spiel-) Brautpaar müsse gesetzlich mit allen Ritualien getrennt werden. An dieselben Vorschriften sind doch eigentlich auch wir gebunden, so lange wir eben geduldig in dieser Gebundenheit verharren. Ob wir aber darin verharren müssen? Ob nicht der Ausspruch, einer großen Anzahl Nabbinen, die Trauung sei ein religiöser Act, bedürfe zu ihrer vollen Gültigkeit der religiösen Formen — wie ja auch der Thalmud Chuppa in seinem Sinne einsührte und von ihr das eheliche Verhältnis; abhängig machte — so bindende Kraft erhalten könne? Ueber diese Frage möchte ich meine Herren Collegen veranlassen, weiter »achzudenken und sich gelegentlich darüber auszusprechen. Ich sage nur so viel, »es ist Zeit, zu handeln für den Herrn, denn sie haben verstört dein Gesetz," verstört durch die blinde Herrschaft