Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Noch ein Wort über das Haartragen der Frauen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 2)
- Language
- German
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SS4 II. Noch ein Wort unwahrscheinlichen, nun so mußt« «S Anordnung einer um so ältern und geheiligtem Autorität sein, der man sich unterwerfen zu müssen glaubte, oder die Sitte wurde als eine symbolische aufgefaßt als ein (auf Convenienz beruhendes) Abzeichen des JudenthumS, besonders des Gehorsams gegen die Satzungen der Väter. — Ein sehr merkwürdiges und lehrreiches Beispiel auö dem Alterthume liefert uns das (auf Salomo zurückgeführte) Waschen der Hände vor dem Essen nb'M), zu dessen Begründung die Gemara (Chulin 106».) nebst der iveithergeholten Desorgniß, man mochte auch Therumah mit ungewaschenen Händen essen und sie verunreinigen (nvlin 11O ML«), noch die Pflicht angiebt, den Aussprüchen der Weisen zu folgen. * Diese altherkömmliche Sitte wurde somit zu einem faktischen Glaubensbekenntnisse erhoben, zu einem Acte, durch den man die Annahme der väterlichen Ueberlieferung bethätigte, und mit der größten Eifersucht darüber gewacht. So wird uns von dem große» R. Akiba berichtet (Erudin 2l l>.), daß er selbst im Gefängnisse, wo ihm das Wasser zugemessen wurde, sich nicht über sie hinwegsehen wollte und beinahe ein Märtyrerderselben geworden wäre. Wer hingegen Geringschätzung dieses Gebrauches änsserte, wurde unfehlbar verketzert und als Verächter der Worte der Weisen mit einem schweren Banne belegt (EdnjothV, 6°), und im gemeinen Leben zweifelte man gar nicht, daß, wer zu essen verlangt, ohne sich die Hände gewaschen zu haben, kein Jude sein müsse (Ioma 85 l>. Chulin 106 ».). — Eben so galt bei unS vor einigen Decennien nnd gilt hie und da vielleicht noch das Herumgehen, besonders das Essen und Trinken mit entblößtem Haupte für etwas sehr Unjüdisches und folglich (so gestalten sich die Begriffe bei der 1. Das haßt doch wohl, ohne daß diese schuldig waren, uns über ihre Anordnungen Rechenschaft zu geben, was wahrlich von Menschen gegen Menschen viel gefordert heißt! 2. Vgl. auch Evang. Matth. 15, 2.