Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Joseph Perl und die Schule zu Tarnopol
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 9)
- Language
- German
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S2V Nachrichten. anhaltend anstrengender Beschäftigung, welcher der ganzen Confesfion gemacht wird, mit Nachdruck zurückzuweisen: kurz es galt, jenes Gewebe argi listiger Bosheit zu zerreißen, mittelst dessen den Juden auf der einen Seite » manche Nahrungsquellen ganz unzugänglich, und auf der andern der Mangel eben dieser Gewerbe zum Vorwurf gemacht wird. Doch hier be§ währte sich eben der kühne und ausdauernde Muth des Hrn. Joseph Perl^ am erfolgreichsten. Auf die Landesgesetze gestutzt, die nun den Juden alle Handwerke gestatten, unternahm und vottführte er dieses schwere Werk. Durch viele Anstrengung und schweres Geld, wozu auch die oberwähnten bprozent. Interessen verwendet worden, gelang cs ihm, einige christliche Schlosser- und Schmiedemeister zu gewinnen, zu welchen er jüdische Jünglinge in die Lehre gab, deren Freisprechung er sodann eben nicht ohne viele Mühe bewirkte, und von denen er einige, zur Vervollkommnung in ihrem Handwerke, auf eigeneKosten wandern und sogar nach Wien gehen ließ. Eben so eifrig ließ er sich es angelegen sein, jungen Menschen jüdi- - scher Religion, die irgend zu einem andern Handwerke Neigung und Geschick verriethen, seinen Beistand und seine Unterstützung in vollem Maße angedeihen zu lassen. Und so verdanken wir es denn seinem kühnen Un- Lernehmungsgeiste, seinem beharrlichen Muthe, seiner grenzenlosen Freigebigkeit , daß wir jetzt drei Schlosser, zwei Schmiede, einen Handschuhmacher, einen Maurermeister und mehre Maurergesellen jüdischer Religion Ln unserer Mitte zählen, und daß die Gewerke überhaupt hier in der Meinung des Volkes bedeutend gestiegen sind. — Mannigfach und unberechenbar aber und eben darum auch auf keine Weise darstellbar sind die, alle gesellschaftlichen Beziehungen, bis auf die zartesten Verhältnisse des Familienlebens, beherrschenden und durchdringenden, in Denk-, Sprach- und Handlungsweise, in Hauswesen, Tracht und Benehmen sich kundgebenden Culinrfortschritte, die, als schöne Schöpfungen der Schule, an der Mehrzahl der jüdischen Einwohner LarnopolS, den aufmerksamen Beobachter Ln angenehmes Staunen setzen. Religiosität ohne Pietismus und Intoleranz, Sit.tenreinheit ohne Rigorismus; Streben nach nützlichen Kenntnissen aller Art, und Betriebsamkeit von Seiten der Männer, so wie Zucht und Häuslichkeit, Ordnung und Reinlichkeit im Hauswesen von Seiten der Frauen, zeichnen die Tarnopoler Judengemeinde vor allen andern GaliZienS aus. ... So hat ein einzelner Mann, von warmer Liebe zu seinen Brüdern, von richtiger Würdigung der Zeitbedürfnisse geleitet, durch unerschütterliche Ausdauer, durch kräftiges Wollen und Wirken ein Werk zu ' Stande gebracht, und durch lange Dauer verbürgende Institutionen begründet und befestigt, — ein Werk, das bis Ln die späte Nachwelt seinen Namen zu tragen, daS den späten Enkeln noch Heil und Segen zu brin- ' gen verheißt, auf daß sie, eS mit dankbarem Herzen erkennend, und sein Andenken segnend, mit.edlem Nacheifer Ln seine Fußstapfen treten mögen! Tarnopol am 24. Juni 1636. H. N.