Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
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312 Nachrichten. beobachten, notwendig aufhören muß, und für einen solchen Stand der Dinge Männer der freien Wissenschaft, welche nicht immer dem Hergebrachten und den Anforderungen der Gemeinden fröhnen müssen, durchaus nöthig sind. Man dat es schon oft erlebt, daß das zu weit getriebene Streben nach der entfesseltesten Freiheit eines jeden Einzelnen, weil es alle Bestimmtheit und einen geregelten Gang aufhebt, am Ende zu großer Entziehung der Freiheit geführt hat; Gott gebe, daß sich diese Erfahrung im Judenthume nicht wiederhole! Das vornehme Hcrabfehen auf die»Theologie und die Theologen und die Eifersucht, mit welcher man einen denselben etwa zu gestattenden Einfluß betrachtet, könnte in seiner Unsinnigkeit leicht dahin führen! G. Joseph Perlund die Schule zu Tarnopol. Da durch die Anstellung des Hrn. NapoporL als Rabbiner in Larnopol diese Gemeinde, sowie der dortige vortrefflicheSchuldirector Perl häufig genannt worden sind, so wird es nicht ohne Interesse sein, einen uns schon vor längerer Zeit von dort zugckommencn Bericht zu lesen. Bei dem sich gegenwärtig in jedem geistigen Leben und Streben kundgcbenden Fortschritte ist es wohl nicht zu vi rwundern, wenn man selbst in den verstecktesten Ghetti, wohin kaum in Lichtstrahl der über ganz Europa ausgehenden Sonne zu dringen vermag, ein sehnsüchtiges Ringen nach Klarheit und Wahrheit, nach geistiger und sittlicher Vervollkommnung wahrnimmt. Es ist der, himmlischem Borne entquollene Luststrom, der, mit gewaltiger Strömung cinhcrfluthend, die sich ihmentgegendämmende Finsterniß mit reißender Macht durchbricht und überallhin, Licht und Wärme verbreitend, sich ergießt. Aber mit freudigem Erstaunen müssen wir eine Erscheinung begrüßen, — die wahrlich nur in dem mächtigen Aufschwünge des jetzigen Zeitgeistes eine hinlängliche Begründung finden dürfte, — wenn wir diese Erscheinung hcrvortrctcn sehen in einer Zeit, wo die furchtbarsten Wirren ganz Europa erschütterten, wo jedes geistige Leben elendiglich verkümmerte, — an einem Orte, welcher erst kurz zuvor ein nicht unbedeutender Schauplatz politischer Gährung und Aufregung gewesen, und wohin sich auch sonst die Strahlen des Lichtes nur sehr spärlich zu verirren Pflegen, -—und unter einer Gemeinde endlich, die von jeher gewohnt ist, jede Reform, als einen Eingriff in die heiligen Satzungen und Bräuche der Religion ihrer Väter, mit Widerwillen und Abscheu zurückzuweisen. Ich meine die in Tarnopol noch im Jahre 18! 3, als diese Stadt nebst der Landschaft gleichen Namens noch unter russischer Botmäßigkeit stand, unter dem Namen „Israelitische Freischule" ins Leben getretene Lehranstalt, die mir einer umständlichen Besprechung in Ihren Blättern um so würdiger erscheint, als sie auf die zwei Hauptmomcnte, die sich alS eigentliche Tendenz Ihrer Zeitschrift Herausstellen, auf religiöses Leben und Erziehungswesen, einen entschieden wohltätigen Einfluß geübt, und mit zunehmender Intensität und wachsendem Umfange zu üben fortfährt.