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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1839-01-01 · Heft 2 · p. Seite 293

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1839
Issue
Heft 2
Article
Christlich-theologische Zeitschriften [Nachricht]
Date
1839-01-01
Page
Seite 293 (sequence 2)
Language
German
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Nachrichten. 2S3 zur Bewegung ohne Ziel, angetrieben von dem Wurme, der nie stirbt, dem Stachel, der nie sich abstumpft." Worte, denen nur leider irgend ein Sinn fehlt, obgleich wir freilich über diese Gemüthslage mit dem psychologisch auSmalenden Necensenten nicht streiten können; dennoch sind wir in ziemlich gleicher Lage mit diesem, indem wir beide ohne Sehnsucht nach dem Besitze Christi sind, da er ihn schon hat und wir ihn nicht verlangen. In die Ausmalung des jetzigen religiösen Zustandes der Juden nach der Phantasie des Nee. mögen wir nicht eingehen, da nur klaren Gedanken entgegnet werden kann, und nur sie einer Entgegnung würdig sind, hier aber Alles eher gefunden wird, als ein klarer Gedanke. Nur des Schlusses, welcher aus derselben für die bürgerliche Lage der Juden gezogen wird, wollen wir gedenken. „Dieses ist der Jude — heißt es — ,der unter uns lebt, ein Fremdling, der sich selbst als solchen betrachten must, und auch von unS als solcher behandelt werden soll. Man ehre sein Unglück, der Finger Gottes hat ihn berührt, wie Kain ist ihm ein Maal eingebrannt, daß niemand ihn schlage. Er sei frei in seinem Gewerbe, frei in seinem Kommen und Gehen, finde unsere Hütten offen, unsere Herzen ihm milde gestimmt; allein er bleibe dessenungeachtet unS ein Fremdling; er habe keinen Theil an unfern Bürgerrechten und Lasten; unsere Kriege fechte er nicht mit; bet unfern Beratungen habe er kein Wort; in die Verwaltung greife er nicht ein; er sei im Hause nur Gast, nie Herr und nie Sklave." Welch eine Unklarheit und eine Unbekanntschaft mit den bestehenden Verhältnissen! Der Jude muß sich als Fremdling betrachten; warum? weil man ihn zurückstößt, aber wahrlich nicht seiner GlaubenSanficht gemäß. Sein Unglück wird Gott zugcschrieben z allerdings, cS geschieht nichts ohne göttliche Zulassung, aber es ist dies für den Unterdrücker gar bequem. Altes auf Gott zu schieben, während er mit aller Grausamkeit die Zuchtruthe schwingt. Und welches Kainmaal ist unS denn auf die Stirne geprägt? Vor achtzchnhundert Jahren ist auf Veranlassung eines jüdischen Gerichtes von den Römern jemand gekreuzigt worden, den die Juden nach ihren Ansichten als einen, der sich fälschlich für Gottes Sohn,'für einen Messias ausgab, als einen Ruhestörer, als einen Scctircr richteten. Ob alle gesetzlichen Formen genau beobachtet wurden bei diesem Gerichtsverfahren, können wir nach so langer Zeit und bei so spärlichen, meist parteiischen Berichten, nicht mehr beurteilen. Seitdem sind von christlichen Fürsten und geistlichen Versammlungen Menschen in Masse HLnweggcrüumt worden, die unbequem waren und nun oft im Strahlenlichte des Nachruhmes prangen; wo ist das Kainmaal ihrer Nachkommen und der ganzen Christenheit? Gern möchte ich auch wissen, worin dieses Schutzmaal für die Juden, denn dies war ja das des Kain, besteht? Der Vers, scheint in seiner poetischen Phrasenmacherei die Bedeutung des KainmaaleS ganz vergessen zu haben; daß dieses übrigens auch niemals bei den Juden beachtet wurde und man

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