Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beitrag zur Entwickelungsgeschichte des Begriffs von der Unsterblichkeit der Seele im Judenthume
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 2)
- Language
- German
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232 IV. Beitrag zur Eriiwkckelmigsgeschkchte Phantasie einen großen Raum eröffnet, um ihn mit ihren magischen Bildern zu bevölkern: so erblicken wir zwischen diesen beiden schwankenden Grenzpuncten die Neligionslehre des israelitischen Volkes in ihrer himmlischen Gestalt selbstständig und gebieterisch einherschreiten, und erblicken, wie sie in eimm jeden Lebensalter dasjenige Gewand anziehet, das ihren Jahren sich eignet, es aber wieder abwirft und in ein anderes sich kleidet, wenn der engen Form der Geist entwuchs, wenn das kindische Gewand der Jüngling belächelte. Das ReligionSleben ist das organische Leben einer Volköindividualität und zeigt als solches seine Lebensperioden, wie sie daöVconcrete Individuum darstellt. Es verlebt das Kind ein rein körperliches Leben so lange, bis sein Organismus sich stark genug fühlt, um als Träger einer Vernunft aufzutreten. Es ahnet die Kindheit die Gesetze der Vernunft, aber sie ahnt sie noch nicht als die Gesetze seines eigenen Jchs, sie fühlet die Stimme des Gewissens und beachtet sie auch, aber sie hört sie noch nicht mit Deutlichkeit, noch nicht als die Stimme des eigenen Herzens. Eöi'herrscht in der Kindheit das Gefühl und daö Versetzen dessen in die Außenwelt, was in dem innern Geiste sich befindet. — Die Jugend will daö Gefühl zwar zum Denken steigern, sie unterscheidet nach bewußten Merkmalen zwischen den Erscheinungen, aber noch immer schaffet sie die Gefühle und Triebe des Geistes und des Herzens zu zarten Gestalten der Außenwelt, die Phantasie verbindet Dichtung und Wirklichkeit, Körperliches und Geistiges, sie hypvstastrt das Pneumatische, vergeistigt das Materielle, und schaffet so eine neue Schöpfung der Mythe und der Legende. Und die Jugend reift zum männlichen Alter heran, der Gedanke erhebt sich über das Gefühl und will es beherrschen, die ruhige Verminst zügelt das muthige Flügelroß der Phantasie und erkennt bei dem klaren Lichte der Prüfung ihre Geschöpfe als lustige Schattenbilder; der Mann will prüfen, nüchtern untersuchen und die Wahrheit