Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Wesen des Judenthums nach seinen allgemeinen Grundzügen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
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L3 nach seinen allgemeinsten Grundziigen. Fast der einzige Gewinn, welchen die letzte Jahrzchnde uns gebracht haben, ist der, daß die Zahl derjenigen, welche die Nolhwcndigkeit einsehen, daß unser GlaubenSgedäude einer Umgestaltung bedürfe, bedeutend zugenommen hat, ja daß das Gebrechen selbst unzweifelhaft anerkanut ist und feststeht; allein welche Gestalt das wahre Judenthum habe, darüber herrscht nur ein dunkles Gerede, ohne daß es Einer eigentlich weiß, oder doch auSznsprechen wagt. — Wir haben eS versucht, hier ohne Entwickelung in wenigen Paragraphen das Resultat unseres Nachdenkens mitzutheilen. Diese Paragraphen machen kein System, haben keinen Anspruch aus Vollständigkeit, vielleicht ermangeln sie selbst der bonsequenz, obgleich sie vorzüglich angestrebt worden ist. Sie dürfe» sich kaum Bausteine für ein Gebäude jüdischer Theologie nennen, indem wir diese mit dem schmerzlichen Bewußtsein übergeben, daß wir, als Sohn der Zeit, ebenfalls stärker im. Nichtwissen als im Wissen sind. §. 1. Religion wurzelt ihrem Wesen nach im Gemüthe, welches mehr schauend und ahnend, als unterscheidend und auflvsend, nur die unmittelbarsten und unabweisbarsten Bedürfnisse deö Menschen zu befriedigen sucht; der bedingte, nach Deutlichkeit strebende und trennende Verstand schafft dafür die Form. Das Gemükh hat darum den Vorzug der Priorität, und unverdorben fühlt eS auch die Wahrheit adäquater; sobald sich der Verstand dir dunkeln Ahnungen des GemütheS zum Vorwürfe macht und sie zur Deutlichkeit steigern will, entstehen fest« Lehren, welche den Charakter der Zeitlichkeit an sich tragen. §.2. Ueberall wo in den Denkmälern, den Kenntnißmitteln einer Religion, sich dasselbe Elaubensbewußtsein, dasselbe auö ihnen herauftauchende Gemüth offenbaret, da sind auch die Urkunden dieser Religion zu erkennen. Wo aber plötzlich